Ende gut - alles gutOsram feiert Börsengang
Versöhnlicher Abschied nach einer langwierigen Trennung: Siemens platziert nach langem Hickhack um die Trennung die Tochter Osram doch noch erfolgreich an der Börse. Jetzt muss der Lichtspezialist ohne die Konzernmutter im Rücken klarkommen.
Entgegen vieler Erwartungen war der Börsengang von Osram ein "souveränes Spin-off" - wenn auch kein überragender Erfolg. Zwar verlor die Aktie am ersten Tag etwas an Wert, Analysten zeigten sich insgesamt aber zufrieden. Und auch die Siemens-Aktionäre, die Osram-Aktien ins Depot gebucht bekommen haben, dürften erst einmal erfreut sein. Die Siemens-Aktie stieg im Tagesverlauf um bis zu 2,5 Prozent.
Mit einem ersten Preis von 24 Euro je Aktie wurde das Papier als Osram Licht AG unter dem Kürzel OSR am Montagmorgen in den Handel aufgenommen. Zwar fiel der Kurs nach Handelsstart zunächst auf 23 Euro, am Nachmittag stabilisierte sich das Papier jedoch bei 23,60 Euro und ging bei 23,80 Euro aus dem Handel. Siemens-Schätzungen hatten das Papier im Vorfeld noch auf 30,85 Euro taxiert, der Buchwert belief sich laut Börsenprosekt auf 2,18 Mrd. Euro.
"Osram hat zu Handelsbeginn wie erwartet ein wenig Druck erfahren, da manche Indexfonds das Papier verkaufen mussten", so der Analyst Wolfgang Donie von der NordLB. Darauf hatte auch Osram im Börsenprospekt hingewiesen: Indexfonds, die den Dax oder den Euro-Stoxx-50 abbilden und in denen Siemens Mitglied ist, müssen die Aktie abstoßen, damit ihre Zusammensetzung wieder passt. Die Analysten der UBS rechnen damit, dass der Osram-Kurs auch in den nächsten Tagen volatil bleiben wird.
Zufriedene Aktionäre
Für Siemens-Aktionäre fällt die erste Bilanz ordentlich aus. Rein rechnerisch ergibt sich für sie auf dem Papier ein Gewinn von knapp 5 Prozent. Bei dem Spin-Off hatten sie zehn Osram-Aktien in ihr Depot gebucht bekommen. Am Freitag zu Handelsschluss kostete die Siemens-Aktie 77,50 Euro, am Montag hatte sie den Handel bei 78,15 Euro beendet. Das Osram-Papier kostete 23,80 Euro. Teilt man diesen Kurs durch zehn, und zieht diese 2,38 Euro vom Freitagskurs ab, müsste die Siemens-Aktie heute rein theoretisch 75,12 Euro kosten. Tatsächlich liegt sie aber 3,03 Euro darüber. Also ein guter Schnitt für die Siemens-Inhaber, zumindest für den Montag.
"Der Mehrwert für Siemens-Aktionäre ist nur auf den ersten Blick so groß", sagte dagegen Analyst Donie. Auf den zweiten Blick sei eben auch der Dax 2,1 Prozent im Plus. "Und es gab am Wochenende Spekulationen über ein Joint Venture von Siemens mit Stadler. Der Kurs wird also nicht nur von Osram getrieben", so Donie. Allerdings hilft die Abspaltung von Osram Siemens langfristig. "Siemens handelt seit geraumer Zeit unter dem fairen Wert. Die Investoren haben wohl nicht an eine Strukturveränderung geglaubt. Jetzt ist sie da und das wird der Aktie mittelfristig helfen", so ein anderer Analyst.
Siemens will sich künftig wieder verstärkt auf seine Kernsparten konzentrieren und trennt sich daher von margenschwachen oder gar verlustträchtigen Bereichen. Zuletzt hatte der Konzern seinen Anteil am Joint Venture Nokia Siemens Networks (NSN) an Nokia verkauft. Zuvor gab Siemens bekannt, die verlustreiche Solarsparte einzustellen.
Zufrieden zeigte sich am Montag auch Osram-Finanzvorstand Klaus Patzak. Den Erstpreis von 24 Euro will er zwar nicht bewerten. "Der erste Preis und der heutige Tag sind für mich Momentaufnahmen. Uns ist wichtig, wie sich die Aktie in ein paar Monaten entwickelt hat", sagte er dem Wall Street Journal Deutschland. Ein Vergleich des ersten Preises mit Analystenschätzungen im Vorfeld ist kaum möglich. "Analysten hatten die Aktie im Vorfeld in einer breiten Spanne, die von etwa 21 bis 44 Euro reichte, bewertet", so Donie.
Investoren hatten vor dem Börsengang nur bedingt Interesse an der Aktie gezeigt. Zwar ist das LED-Geschäft ein Wachstumsmarkt, allerdings trägt diese Sparte laut den Analysten von Edison nur gut 25 Prozent zum Gesamtumsatz von Osram bei - den Rest erwirtschaftet das Unternehmen vor allem mit traditioneller Lichttechnik.
Trennung nach 94 Jahren
Der Lichtspezialist fährt einen harten Sparkurs: Weltweit werden Standorte dichtgemacht oder verkauft. In Deutschland fällt mehr als jede zehnte Stelle weg, weltweit sind es rund 8000. Auf der anderen Seite investiert Osram in die Entwicklung und Produktion von Lampen auf Basis von Leuchtdioden (LED), die klassische Glühbirne hat ausgedient. Der Lichtmarkt steckt mitten im tiefgreifenden Umbruch. Etablierte Anbieter wie Osram, Philips oder General Electric müssen sich neuen Wettbewerbern aus Asien stellen. Dafür geben sie viele Millionen aus, die Siemens ungern selber stemmen wollte.
Deshalb hat der Elektrokonzern aus Expertensicht gut daran getan, sich von dem Geschäft zu trennen - nach 94 Jahren gemeinsamer Unternehmensgeschichte. Vorangegangene Anläufe dafür waren gescheitert, weil Siemens den ursprünglich angepeilten klassischen Börsengang zuerst verschob und dann ganz absagte. Stattdessen haben die Siemens-Aktionäre nun für je 10 Aktien ein Osram-Papier in ihre Depots gebucht bekommen.
