Wirtschaft
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Donnerstag, 27. September 2012

Führungsduo geht: Paukenschlag bei Rhön-Klinikum

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Überraschender Personalwechsel bei Rhön-Klinikum: Vorstandschef Wolfgang Pföhler und Finanzchef Erik Hamann räumen ihre Posten. Beide Manager, deren Verhältnis zu Rhön-Gründer Eugen Münch seit langem als angespannt gilt, verlassen die fränkische Klinik-Kette nach Konzernangaben auf eigenen Wunsch. Die Aktie zieht daraufhin an.

Nach dem gescheiterten Verkauf des Unternehmens an Fresenius verlassen Vorstandschef Wolfgang Pföhler und Finanzvorstand Erik Hamann den Klinikbetreiber Rhön. Pföhler gehe auf eigenen Wunsch zum Jahreswechsel, wie das im MDax notierte Unternehmen mitteilte. Zu diesem Zeitpunkt wird der Aufsichtsrat den Vorsitz neu regeln. Ebenfalls auf eigenen Wunsch verlasse Finanzvorstand Hamann zum 30. September den Vorstand, "um sich einer neuen beruflichen Herausforderung zuzuwenden".

Der Aufsichtsrat schickt aus den eigenen Reihen Jens-Peter Neumann, um Hamann für maximal ein Jahr zu ersetzen. Der ehemalige Investmentbanker war vor drei Jahren in die Schlagzeilen geraten, als er von der Commerzbank erfolgreich einen Bonus von drei Mio. Euro für das Krisenjahr 2008 und eine Abfindung von 1,5 Mio. Euro einklagte.

Als Favorit auf den Chefposten bei Rhön gilt Unternehmenskreisen zufolge Martin Siebert. Der langjährige Manager des Rivalen Asklepios fängt Anfang Oktober bei Rhön an und hat bisher kein Vorstandsressort zugewiesen bekommen. Der Konzern erklärte dazu lediglich, er wolle bis zu Pföhlers Abschied am Jahresende einen neuen Chef präsentieren.

Münch versammelt Vertraute um sich

Neumann gilt genauso wie Siebert als Vertrauter von Firmen-Gründer und Aufsichtsratschef Münch. Der 67-Jährige, der mit seiner Familie 12,5 Prozent an Rhön hält, hatte im Frühjahr auf eigene Faust die Übernahme des Unternehmens durch den Gesundheitskonzern Fresenius eingefädelt. Am Ende scheiterte der Kauf jedoch, weil Fresenius mit seinem Übernahmeangebot nicht genügend Rhön-Aktien einsammelte.

Auch danach gab es Spannungen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. "Mit der heutigen Entscheidungen hat Eugen Münch den Vorstand personell wieder etwas enger an sich gebunden", sagt ein Kenner des Unternehmens. Münch träumt von der Bildung eines Konzerns mit einem flächendeckenden Kliniknetz, der in Deutschland eine private Zusatzversicherung anbieten kann. Eine Arbeitsgruppe von Vorstand und Aufsichtsrat sollen dazu ein Konzept entwickeln, erklärte der Konzern.

Kompliziertes Geflecht

Branchenkreisen zufolge kauft der Konkurrent Sana derzeit Rhön-Aktien auf und will damit einen möglichen Zusammenschluss der beiden Unternehmen vorbereiten. Bisher seien die Gespräche jedoch noch in einem sehr frühen Stadium. Welche Auswirkungen der Abgang von Finanzchef Hamann, der als eine treibende Kraft hinter den Bemühungen galt, auf den Prozess hat, blieb zunächst unklar. Da auch Fresenius, Asklepios und der Medizintechnikkonzern B. Braun mit über fünf Prozent an Rhön-Klinikum beteiligt sind, dürften alle denkbaren Zusammenschlüsse allerdings sehr kompliziert umzusetzen sein.

Die Aktien von Rhön-Klinikum stiegen nach Bekanntgabe des Personalwechsels zwischenzeitlich bis auf 15,475 Euro. Dann setzten Gewinnmitnahmen ein. Die Aktie schloss mit 1,43 Prozent auf 15,265 Euro. Nachbörslich legte die Aktie im Xetra-Späthandel wieder auf 15,40 Euro zu. "Der Wechsel könnte eine Übernahme wieder wahrscheinlicher werden lassen", sagte ein Händler. Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade meinte ebenfalls: "Der Markt geht wohl davon aus, dass das neue Vorstandsmitglied "fusionswilliger" ist. Immerhin weiß der Neue, in was für eine Situation er hineinkommt."

Quelle: n-tv.de