Wirtschaft

Auto-Flut auf Chinas Straßen Peking blickt in die Zukunft

Stinkender Smog, endlose Staus, tosender Lärm und flächendeckendes Waldsterben: Mit dem wachsenden Wohlstand droht den Chinesen das komplette Horrorszenario der Massenmobilität. In den kommenden zehn Jahren wird sich die Zahl der Fahrzeuge offiziellen Angaben zufolge mindestens verdoppeln.

RTR20D0X.jpg

Stoßverkehr auf einer der Ringstraßen Pekings: Schon bald müssen Stadtplaner viel mehr Platz zwischen den Häusern einplanen.

(Foto: REUTERS)

Die Zahl der Autos auf Chinas Straßen wird sich nach Einschätzung der Regierung in Peking binnen zehn Jahren mehr als verdoppeln. Im Jahr 2020 dürften rund 200 Mio. Autos in China zugelassen sein, zitierte das "China Securities Journal" den stellvertretenden Industrieminister Wang Fuchang. Bisher sind rund 76,2 Mio. Autos in China unterwegs. Deshalb müsse China große Anstrengungen unternehmen, um sparsame Autos und Fahrzeuge mit alternativen Antrieben zu entwickeln, sagte Wang.

In Deutschland sind nach Angaben des Kraftfahrbundesamtes (KBA) derzeit rund 50,2 Mio. Fahrzeuge und 5,9 Mio. Anhänger zugelassen. Die Zahl der Personenkraftwagen (Pkw) gibt die Behörde zum Stichtag 1. Januar 2010 mit 41,7 Millionen an. 

Im vergangenen Jahr waren in China rund 13,5 Mio. Autos verkauft worden, womit das Land den bisher führenden Absatzmarkt USA überholte. In diesem Jahr soll die Zahl der verkauften Autos auf 15 Mio. steigen. Analyst Zheng Dong von der Bank CICC erklärte, die Monate September und Oktober seien in China beliebt für den Kauf eines neuen Autos. Die Verkaufszahlen könnten daher "explodieren".

Weit entfernt vom deutschen Niveau

In Deutschland werden in normalen Jahren etwas mehr als drei Millionen Autos verkauft. Mit den knapp 42 Mio. Fahrzeugen auf Deutschlands Straßen gibt es hierzulande etwa halb so viele Autos wie Einwohner. In China läge der Anteil auch bei den vorausgesagten 200 Mio. Autos im Jahr 2020 nicht viel höher als etwa 15 Prozent.

Die rasende Ausbreitung von Autos auf Chinas Straßen, die vor zwei Jahrzehnten noch von Fahrrädern dominiert worden waren, führt abgesehen von allen Platzfragen auch zu immer größeren Umweltproblemen. So hat der Autoverkehr inzwischen die Industrie als Hauptursache für hohe Luftverschmutzung in Chinas Städten abgelöst. Auch der steigende Ölverbrauch und zunehmende Staus machen China zu schaffen.

Anschaffen statt Abwracken

Vor diesem Hintergrund ist die Parteiführung in Peking intensiv bemüht, die Infrastruktur und den Fahrzeugbestand möglichst schnell zu modernisieren. Eine Prämie für den Kauf umweltfreundlicher Modelle hatte zuletzt den Absatz neuer Autos in China massiv angekurbelt. Im August wurden in der Volksrepublik 1,22 Mio. neue Autos verkauft, ein Sprung um fast 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie die Zeitung "Shanghai Security News" berichtete.

Grund für den Boom seien vor allem die neuen staatlichen Prämien für den Kauf eines umweltfreundlichen Autos, hieß es. In fünf Metropolregionen gibt es für Käufer eines ehrkömmlichen spritsparenden Wagens demnach 3000 Yuan (344 Euro). Den Kauf eines Hybrid- oder Elektroautos fördert Peking mit bis zu 60.000 Yuan (6888 Euro) Zuschuss.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

Mehr zum Thema
23.04.09
23.04.09
03.09.09