Wirtschaft

Welt-Index "Politische Börsen haben kurze Beine"

Griechenland und ein möglicher Grexit sind omnipräsent und verunsichern die Investoren rund um den Globus, sagt Vermögensverwalter Markus Zschaber. Die Weltwirtschaft zeige dagegen positive Dynamikzuwächse.

Die politischen Diskussionen über einen Austritt Griechenlands (Grexit) aus der Eurozone reißen nicht ab und beschäftigen weiterhin den Markt, die Medien und die Politikdebatten. "Zunächst möchte ich klarstellen, dass es für die Integrität der Eurozone natürlich wünschenswert wäre, Griechenland in der Eurozone zu behalten. Aber man muss auch immer wieder die Aktualität mit einbeziehen und die Verhaltensweisen der entsprechenden Regierungen neu bewerten. Fakt ist, Europa muss überprüfen, ob die politische Kultur Griechenlands mit den eigenen Vorstellungen zusammenpasst", fasst Markus Zschaber, Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung zusammen.

Griechenland muss sich der Realität stellen, dass es noch sehr viele Strukturreformen benötigt, um sich dem Niveau der Eurozone anzupassen bzw. dieses zu erreichen. Wenn die Regierung und das Volk nicht bereit sind. diese Strukturreformen umzusetzen, gibt es keinen anderen Ausweg als den Austritt. "Mit diesem Szenario können wir heute umgehen, da die Risiken vollständig transparent und bekannt sind, vor allem den Zentralbanken. Die Vorkehrungen für ein solches Szenario sind getroffen. Zwar bestehen bilanzielle Risiken, welche aber über bestimmte Abschreibungsverfahren heute gelöst werden können, womit die Ansteckungskräfte auf andere Länder ausbleiben sollten", so Zschaber weiter.

Dr. Markus C. Zschaber

Dr. Markus C. Zschaber

Der Sommer 2015 an den europäischen Finanzmärkten würde zwar im Falle eines Grexit sicherlich "heißer" werden, aber spätestens ab September sollten sich die Finanzmärkte mit Hilfe der EZB wieder beruhigen und den Blick nach vorne richten. Die Märkte hätten dann begriffen, dass es nicht um die Rettung Griechenlands in der Eurozone ging, sondern um eine Lösungsmenge die erstmals größer wäre als "Null" und den Rest der Eurozone aufatmen ließe. "Die Zentralbank ist heute vorbereitet, insofern sind alle Optionen offen. Wünschenswert wäre der Verbleib Griechenlands, ein "Beinbruch" wäre ein Austritt aber nicht. Eine Verunfallung der Weltwirtschaft erwarte ich ebenfalls nicht, sollte der Grexit eintreffen", verdeutlicht der Kölner Vermögensverwalter die Ereignisse.

Fakt ist aber, die Euro-Politiker scheuen die Konsequenzen eines Grexit. Den Austritt eines Landes aus einer Währungsunion gab es noch nie in der Neuzeit. Die Politiker haben schlichtweg Angst vor unkalkulierbaren Risiken und Nebenwirkungen für die Eurozone, für die Staatsanleihemärkte, für die Konjunktur und wahrscheinlich nicht zuletzt für sich selbst. Das weiß auch die griechische Regierung, so dass der teilweise unwürdige Verhandlungspoker vorerst weiter andauern wird. "Das wahrscheinlichste Szenario ist weiterhin eine Einigung, welche eher zu Gunsten Griechenlands ausfallen sollte. Minimale Reformen und weitere Milliardenhilfen, sollten das Ergebnis sein, welches medial anschließend versucht wird zu positionieren", führt Markus Zschaber aus.

Auch die jüngsten Aussagen des EZB – Direktoriums sind eindeutig. Die EZB will Griechenland im Euro halten und fordert eine starke Vereinbarung zwischen Athen und seinen Geldgebern – eine, die vor allem Wachstum in Griechenland erzeugt. Auch deswegen hat die EZB jüngst die Notkredite an Griechenlands Banken weiter erhöht um deren Liquidität aufrecht zu erhalten. "Es wird aber in Sachen Griechenland nur eine politische Lösung geben können. Griechenland wird über kurz oder lang die Eurozone verlassen müssen, es sei denn wir sind bereit Griechenland nachhaltig zu alimentieren, durch den ESM, die EZB, vielleicht zukünftig Eurobonds oder einen Solidaritätsbeitrag. Dabei würde die Illusion aufrechterhalten, das Griechenland solvent sei und man gibt quasi dem Land immer neue Kredite um alte abzulösen. Dies führt zu dem politischen Vorteil, keine Verluste verbuchen zu müssen, ich denke ein wichtiges Motiv für die Politik. Die Transferunion ist somit im vollem Gange", so der Kölner Vermögensverwalter.

Wenn die Politik das will, und die Europäische Zentralbank das Geld bereitstellt, kann Griechenland durchaus über besagte Transferzahlungen im Euro gehalten werden. Allerdings löst das nicht die strukturellen Probleme. "Die eigentlichen Herausforderungen sind ja nicht nur die Schuldenberge sondern auch die großen Unterschiede innerhalb der Eurozone, viele Staaten sind nicht wettbewerbsfähig, Griechenland sicherlich an erster Stelle", so Zschaber weiter.

Der V.M.Z.-Kommentar zum aktuellen Stand

Während die politischen Krisenherde sicherlich Risiken darstellten, ist die Geldpolitik der wichtigste positive Katalysator für die Weltwirtschaft und für die globalen Finanzmärkte. Der geldpolitische Stimulus der G-5-Notenbanken (USA, Eurozone, UK, Japan, China) hält an, wenn es dabei auch zu Unterschieden kommt. Bis zum Ende des nächsten Jahres dürfte sich die Geldbasis der vier großen Zentralbanken auf ca. ein Fünftel des globalen Bruttoinlandsproduktes belaufen. Die geldpolitische Lockerung bleibt dabei ein globales Phänomen. Im laufenden Jahr haben 26 Zentralbanken insgesamt 35 Leitzinssenkungen vorgenommen. Die lockere Geldpolitik und die niedrigen Rohstoffpreise werden dem Weltwirtschaftswachstum in der näheren Zukunft stärker Auftrieb geben, die Wirkungskräfte entfalten sich zunehmend. Zusammen wirken sie wie ein starkes Konjunkturprogramm, kurbeln den Konsum und die Wirtschaft weltweit an. "Ihre positive Wirkung wird unseres Erachtens in der zweiten Jahreshälfte weltweit stärker zutage treten", so Zschaber weiter.

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Zugleich gibt es praktisch nirgendwo Anzeichen für beschleunigten Preisauftrieb. Das eröffnet den Zentralbanken mehr Spielraum als ursprünglich gedacht, ihre Geldpolitik weiter zu lockern bzw. den Beginn des Normalisierungsprozesses erneut zu verschieben, wie etwa in den USA. Mit einem aktuellen Niveau von 68% (Vormonat 66%) verdeutlicht der "Index der Konjunkturdaten", dass die Weltkonjunktur sich in einem robusten Zustand befindet. "Wir rechnen deshalb rund um den Globus mit einer stärkeren und zunehmend im Gleichschritt verlaufenden Konjunkturbelebung. Die hohen Unterschiede in den Wachstumsgeschwindigkeiten sollten sich somit erstmals seit 2012 reduzieren. Gerade im Euroraum dürfte die Erholung im Jahresverlauf ebenfalls Fahrt aufnehmen und an Breite gewinnen", fasst Markus Zschaber das Ergebnis der Analysen zum aktuellen Stand des Welt-Index zusammen.

In den USA hat der Gegenwind durch den harten Winter und die Anpassungen im Energiesektor langsam nachgelassen. Der entscheidende Faktor sind die Verbraucher, die die unerwarteten Einsparungen durch die niedrigeren Energiepreise erst einmal auf die hohe Kante gelegt haben, was die hohen Sparquoten verdeutlichen. Fakt ist, dass Verbrauchervertrauen ist hoch und der Arbeitsmarkt erholt sich weiter, die Lohndynamik ist ausreichend. Steigende Verbraucherausgaben sind daher wahrscheinlich. "Zusammengefast, erwarten wir keine wirkliche Zinswende in den USA, und sehen, dass die zyklische Konjunktureintrübung in den USA zum zweiten Halbjahr wieder anziehen wird", so Zschaber weiter.

Die Konjunkturbelebung in Europa, unterstrichen durch die doch eher positiven Wachstumsdaten aus den letzten Wochen, setzt sich fort und verbunden hiermit sehen wir perspektivisch starkes Umsatzwachstum und damit auch ansteigende, operative Margen bei den deutschen Unternehmen. Weiterhin sehen wir es beinahe bedingungslos als gegeben an, dass die EZB alles Notwendige für ein stabiles finanzielles Umfeld umsetzt, was den Euro weiter schwächen sollte. Gleichzeitig sollte sich der nachlassende Sparzwang bei den europäischen Regierungen positiv auswirken. Auch Japan profitiert ganz besonders vom günstigen weltwirtschaftlichen Umfeld, sodass es mit Japans Wirtschaft weiter bergauf gehen dürfte.

Wir sehen zwar weiterhin in China eine gewisse zyklische Schwäche hinsichtlich der Konjunkturfaktoren, allerdings bemessen wir diesem Fakt weiterhin keinen Grund zur Sorge. Im Gegenteil, wir erwarten für das 2. Halbjahr eine höhere Geschäftsaktivität in nahezu allen Sektoren, dass verdeutlichen eine ganze Reihe an Frühindikatoren. Nicht zuletzt wird auch hier die Notenbank eine treibende Rolle spielen.

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Die Konjunkturüberraschungen erreichten jüngst wieder ein sehr starkes Niveau. Dies bescheinigt auch der "Index der Markterwartungen" mit einem gestiegenen Niveau von 65% (Vormonat: 59%). "Nach unserer Analyse haben vor allem der schleppende Verhandlungspoker mit Griechenland und die Furcht vor einem Grexit die Erwartungen an die Konjunktur deutlich reduziert. Viele waren und sind skeptisch und entsprechend zurückhaltend in ihren Annahmen, bis eine Lösung für Griechenland gefunden wird. "Wir sehen hier durchaus Chancen, dass die sehr tiefen Erwartungen an die Konjunktur wieder nach oben angepasst werden müssen, was auch die Finanzmärkte entsprechend sehr positiv beeinflussen sollte. Die Lage ist eindeutig besser als die Stimmung", fasst Markus Zschaber zusammen.

Fazit & Ausblick für Anleger:

Die Tragödie rund um Griechenland hat höhere Schwankungen an den Finanzmärkten in den letzten Wochen hervorgerufen. "Niemand sollte aber die Notenbanken vergessen, sollte Griechenland austreten und Spannungen verursachen, wird die EZB weitere Maßnahmen ins Leben rufen, welche wiederum die Geldmenge noch stärker ausweiten. Das wird nach einem kurzen Schrecken wieder für steigende Kurse sorgen", fasst Markus Zschaber zusammen.

"Innerhalb unserer strategischen Allokationsausrichtung favorisieren wir bis auf weiteres Deutschland und Europa. Zwar war die steile Aktienmarkt-Rally Anfang 2015 ungewöhnlich, aber das Aufwärtspotenzial von europäischen Aktien ist unseres Erachtens damit noch nicht ausgeschöpft. Die Erwartungen der Anleger und ihre Positionierung deuten auf einen gut gestützten Markt hin. Zugleich dürften die Unternehmensgewinne für positive Überraschungen sorgen. Für unsere Portfolios, welche nach wie vor den deutschen Aktienmarkt und die hier zweifelsohne vorhandene Qualität favorisieren, wird aber vor allem der EZB-Kurs eine weiterhin essentielle Rolle einnehmen", so Zschaber weiter.

Insofern bewertet der Kölner Vermögensverwalter die Ausgangssituation für seine Allokationen weiterhin als sehr ordentlich, auch wenn die aktuelle Verschnaufpause an den Aktienmärkten noch etwas andauern könnte: "Eine gewisse gesunde Nervosität schadet den Märkten und deren langfristigen Potenzial definitiv nicht. Überhitzungen wurden und werden abgearbeitet. Wir erwarten, dass die fundamentalen Faktoren, wie die tiefen Zinsen und die recht ordentlichen Unternehmensgewinne wieder zunehmend eine höhere Aufmerksamkeit erreichen sollten".

Das bedeutet, die strategische Nachfrage nach Qualitätsaktien wird langfristig nicht abreißen, vor allem da bei guten Qualitätsaktien nach wie vor Dividendenrenditen von um die 3% realistisch sind, während die Renditen bei Bundesanleihen bei unter 1% liegen. "Daran gemessen ist für jeden rational operierenden Investor klar, welche Anlageklassen die ist, die ein attraktiveres Chance-/Risikoverhältnis anzeigt. Vor allem da die Schwankungen bei Anleihen deutlich zugenommen haben. In unseren Risikomodellen werden Anleihen mittlerweile identisch eingestuft wie Aktien. Wir als Investor blicken auf die natürlichen und temporären Schwankungen in allen Anlageklassen, die zwar zum Kapitalmarkt dazugehören, allerdings im kontrollierbaren Maß ausfallen sollten und berücksichtigen diese in all unseren Investitionsentscheidungen genauso wie die realistischen Renditeerwartungen. Der Großteil des Anleihenmarkts, der heute bereits negative Realrenditen erzielt, ist damit für unser Haus nur noch als Cash – Alternative einzubeziehen", fasst Markus Zschaber zusammen.

Veränderungen im Musterportfolio:

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Zukäufe-/Nachkäufe aus den letzten 4 Wochen: Novartis, ABB, Roche, General Electric, Procter & Gamble, Geberit, Dürr, L’Oreal,

Haltepositionen:, Fresenius, Inditex, AXA, Anheuser-Busch, Hugo Boss, Volkswagen, Unilever, Airbus, Coca Cola, 3M, Nike, Toyota Motors, Microsoft, Duke Energy, Brenntag, Bertrandt, Wacker Chemie, Jungheinrich, Merck KGAA, BMW, Allianz, Bayer, SAP, Continental, Symrise, Münchener Rück, Krones, Bechtle, Home Depot, Dow Chemical,

Verkäufe aus den letzten 4 Wochen: Deutsche Post, Deutsche Telekom, Bilfinger, Prosieben Sat1, Chevron, Telefonica, ENI, Sanofi, K+S,

Asset-Allokation:

Erhöht werden: Aktien Large Caps Japan von 5% auf 7%, Aktien Schweiz von 4% auf 7%

Beibehalten werden: Aktien USA 10%, Aktien Large-Caps Europa 8%; Staatsanleihen Emerging Markets 5%; Wandelanleihen 10%; Unternehmensanleihen 6%; Edelmetalle 4%; Aktien Nebenwerte Deutschland 8%, Staatsanleihen USA 3%;

Reduziert werden: Aktien Large-Caps Deutschland von 25% auf 22%, Aktien Emerging Markets von 12% auf 10%.

Das Musterdepot zum "Welt-Index" beinhaltet diverse Anlageklassen wie beispielsweise Aktien, Unternehmens-, Wandel- und Staatsanleihen sowie Rohstoffe als auch Edelmetalle. Das Portfolio wird aktiv seit 5 Jahren gemanagt und auch abgesichert je nach Börsenphase, so dass je nach Kapitalmarktsituation auch flexibel die Bargeldquote erhöht oder minimiert wird. Zur Absicherung und Gewinnmitnahmen werden auch ETF`s auf Indices und Märkte verwendet. Mit dieser Art der direkten Abbildung des "Welt-Wirtschaftszyklus" ist es dem Musterdepot gelungen, eine sehr gute Wertentwicklung zu erzielen, insbesondere gegen den MSCI World, mit einer sehr geringen Schwankungsbreite.

Zur Methode: Die Grundlage des "Welt-Index" ist die Analyse von Wirtschaftsindikatoren aus der ganzen Welt, die eine hohe wirtschaftliche Relevanz und eine hohe Reaktion an den Finanzmärkten mit sich bringen. Diese werden weltweit von Statistikämtern und Forschungsinstituten sowie weiteren hochrangigen wissenschaftlichen Quellen veröffentlicht. In der Endform konzentriert sich der "Welt-Index", der aus zwei Komponenten besteht, dem "Index der Konjunkturdaten" und dem "Index der Markterwartungen", auf die monatlich 50 wichtigsten Konjunkturdaten, zugrunde liegen mehr als 1.000 internationale Indikatoren, die monatlich ermittelt und bewertet werden.

Die Verknüpfung der Datenreihen in einer nach Dominanzfaktoren gegliederten Gewichtung gibt Aufschluss darüber, in welchem Zyklus und Stadium sich die Weltwirtschaft befindet. Aufgrund der Kombination von frühzyklischen, gleichzyklischen und nachzyklischen Indikatoren sowie der Integration einer Erwartungskomponente ermöglicht der "Welt-Index" eine sehr genaue Messung des aktuellen Status. Um dieses zu vereinfachen, werden dann zwei Trenddaten erstellt, die Aufschluss darüber geben, wie viele der ermittelten Daten in den vergangenen vier Wochen gefallen oder gestiegen sind. Nähere Informationen hierzu unter: www.weltindex.de

Disclaimer

Das Musterportfolio zum "Welt-Index" ist nur als begleitende Information zu verstehen und dient nicht als konkreter Anlage-Ratschlag. Die Dr. Markus C. Zschaber Vermögensverwaltungsges. mbH erstellt den Index monatlich exklusiv für die "Welt am Sonntag" und den Nachrichtensender "n-tv". Informationen zum Index unter www.zschaber.de und www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de