Wirtschaft

Welt-Handelsindex Politische Faktoren bestimmen das Weltbild des Handels

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Unternehmen in allen Regionen der Weltwirtschaft sind besorgt. Die internationalen und industriellen Wertschöpfungsketten sind geschwächt. Am Ende wird vieles von Donald Trumps Launen in Washington abhängen.

Seit Mitte des vierten Quartals 2018 ist eine eindeutige Negativentwicklung auf den globalen Handelsrouten zwischen Asien, Europa und Nordamerika zu erkennen. Besonderes Augenmerk liegt derzeit auf den Handelsbeziehungen zwischen China und den USA. Denn die bereits umgesetzten Handelszölle haben den Warenhandel reduziert und die Angst vor weiteren Zöllen beeinflusst das Verhalten. Ähnlich sieht es auch aktuell in Südkorea und Japan aus. Hier kann ebenso eine abnehmende Handelsdynamik gegenüber den USA und Europa in den letzten vier Wochen beobachtet werden.

Gleichzeitig gab es eine Zunahme der Umschlagshäufigkeit und einen Anstieg der Nachfrage im Dienstleistungssektor innerhalb Asiens. "Hoffnung auf eine stärkere Aktivität im Welthandel gibt es durch das Handelsabkommen zwischen Europa und Japan", sagt Dr. Markus C. Zschaber, Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltung in Köln. "Es ist mittelfristig mit einem stark erhöhten Exportanteil beider Länder zu rechnen. Ein Teil der möglichen Negativeffekte durch die protektionistischen Maßnahmen der USA könnte dadurch kompensiert werden", sagt der Experte.

Dr. Markus C. Zschaber

Dr. Markus C. Zschaber

Der "Welt-Handelsindex" fällt auf ein Niveau von 73,3 Prozent (zuvor 75,3%) und schwächt sich erneut ab. Die zunehmend negativen politischen Einflussfaktoren, welche an den vielen Datenreihen zu den globalen Handelsströmen gemessen werden können, geben dieses Bild wieder. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Handelskrieg die dominanteste Rolle für die Zukunft einnimmt und sich das globale Konjunktururbild schon jetzt real eingetrübt hat.

In den USA können positive Indikationen festgestellt werden. Dort zeigt sich eine feste Konjunktur. Sie ist geprägt von weiteren Auftragseingängen, einer niedrigen Inflation und einem stabilen Wachstum. Die Handelsaktivitäten sind in allen vier Bereichen gestiegen und bilden die derzeitige Nachfrage, auch nach Konsum- und Investitionsgütern, ab. In Europa zeigte sich in den letzten Wochen eine weitere mengen-technische Abschwächung des Handels. Zwar legten die Ausfuhren Deutschlands noch auf das Gesamtjahr 2018 berechnet stark zu. Sie zeigten aber auch schon den Umkehrtrend der politischen Risiken in den ersten Januartagen. Allerdings nicht, weil die Ereignisse schon eingetroffen sind, sondern aus Angst vor den womöglichen Ereignissen. "Die binnenkonjunkturellen Nachfragen aus beispielsweise der südlichen Peripherie nach deutschen Gütern, Waren und Dienstleistungen flachte sich ab", sagt Zschaber.

Bezüglich Asien kann festgehalten werden, dass vor allem Investitionen in Hochtechnologie noch weiter gefördert werden und der Dienstleistungssektor dominant im Wachstumsmodell der chinesischen Nation positioniert werden soll. Die jüngsten Aussagen unterstreichen die Ernsthaftigkeit der Regierung, dass eine Öffnung des chinesischen Marktes der Weg der näheren Zukunft sein wird. Außerdem setzt der chinesische Staat derzeit eine ganze Reihe an gesamtwirtschaftlichen Stimulationen um. Diese sollen die eigene Dynamik ihres Konjunktur- und Wachstumsmodells zusätzlich positiv beeinflussen beziehungsweise negative Einflüsse, welche durch die US-Zölle auf die Nachfrage nach chinesischen Gütern, Waren und Dienstleistungen einwirken, überkompensieren.

"Das Maßnahmenpaket umfasst rund 300 Milliarden US-Dollar und wird eine ganze Reihe an positiven Akzenten, nicht zuletzt auch für einen Großteil der Weltwirtschaft, bedeuten. Zusätzlich wird sich China strukturell gegenüber der Weltwirtschaft für Investitionen und Kapitalströme weiter öffnen sowie die eigenen Importquoten an Vorleistungsgütern, Hochtechnologie und industrienahen Dienstleistungen signifikant erhöhen", unterstreicht Zschaber.

Die Weltwirtschaft ist eng verbunden durch Handels- und komplexe Wertschöpfungsketten. Der jetzige Handelsstreit und weitere mögliche Zölle haben Sand in das Getriebe des globalen Handels gestreut. Ein erwartetes Wachstums in China um 6 Prozent für 2019, würde sich als sehr förderlich für alle und auch die aufstrebenden Märkte erweisen. Wachstum und Inflation dürften in den weltweit größten Volkswirtschaften auf dem gegenwärtigen Niveau verharren und damit das positive Geschäftsumfeld für Unternehmen, trotz aktueller politischer Schwächung, intakt halten.

Dadurch könnte ein Umfeld für positive Skaleneffekte bei solide positionierten Unternehmen in einigen Sektoren gegeben sein. Natürlich abhängig von der globalen Auftragslage, runter gebrochen auf einzelne Wirtschaftsräume und Branchen. Die weiterhin anhaltende aber geschwächte globale Produktionsgüternachfrage sollte damit den Industriekonjunkturzyklus bis auf weiteres stützen. Allerdings unter veränderten Rahmenbedingungen durch mögliche ausstehende Handelszölle zwischen den "USA und China" und den "USA und Europa".

Am Ende wird - ob wir es wollen oder nicht - vieles von Donald Trumps Launen in Washington abhängen. Besinnt sich die Welt auf die Idee des Freihandels, könnten verbliebene Probleme Schritt für Schritt gelöst werden. Bis dahin gilt es, im Chaos Orientierung zu behalten und alle Ereignisse sachlich einzuordnen.

Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" zusammengefasst ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETFs auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren.

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Weißt der Welt - Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welthandelsindex dagegen einen Stand zwischen 55 und 85 Punkten aus, befindet sich der Welthandel in seinem Trendwachstumskanal. Indexstände zwischen 55 und 0 Punkten bedeuten, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "manager-magazin-online" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de

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