Wirtschaft

Welt-Index Politische Risiken nehmen zu

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US-Präsident Donald Trump.

(Foto: REUTERS)

Die Dynamik der Weltkonjunktur hat leicht zum Vormonat abgenommen, befindet sich allerdings nach wie vor in einem Status der robusten Expansivität. Dieses bedeutet, der Wachstumstrend ist positiv - und wird es auch in den kommenden Monaten bleiben.

"Mit Blick auf das erste Quartal 2017, in punkto konjunkturelle Dynamik der Weltwirtschaft, können wir zufrieden sein. Wir quantifizieren eine einheitliche Wachstumsausrichtung in allen relevanten Volkswirtschaften und Wirtschaftsräumen (Europa, Asien und USA). Sogar Brasilien und Russland sollten die Zeit des sehr niedrigen oder negativen Wachstums überwunden haben. Allerdings liegen die Zuwachsraten nach wie vor deutlich unter denen von vor der großen Krise 2008", konstatiert Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltungsgesellschaft, welche monatlich den Welt-Index veröffentlicht. Integriert man die Ergebnisse des Frühindikators "Welt-Index" in ein Fundamentalmodell, um Unternehmensergebnisse zu prognostizieren, zeigt sich, dass die Unternehmen im Durchschnitt ähnlich gute Geschäftsergebnisse im ersten Quartal 2017 erzielen sollten wie im vierten Quartal 2016.

Dr. Markus C. Zschaber

Dr. Markus C. Zschaber

"Fundamental ist die 'Finanzmarktwelt' somit zwar in Ordnung. Was mir allerdings wirklich Sorgen bereitet, sind zum einen die jüngst sehr steil angestiegenen Erwartungen der Investoren an die Konjunktur und an die bereits sehr guten Geschäftsergebnisse. Man darf nicht vergessen, diese Entwicklungen sind in den gegenwärtigen Finanzmarktkursen eingepreist, zum anderen bestehen politischen Risiken, welche aus den USA durch die US-Regierung 'Trump' und die anstehenden Wahlen in Europa zunehmend verstärkt auftreten werden. Kurzum, ich sehe die aktuellen höheren Kursniveaus im breiten Markt als gerechtfertigt, temporär Gewinne mitzunehmen und Aktienquoten vorerst zu reduzieren", fasst Zschaber zusammen.

Gerade der Einflussfaktor Trump hinsichtlich seiner unklaren Strategie bezüglich Größe, Zeitpunkt und Zusammensetzung der Fiskalprogramme machen dem Experten Sorgen. "Hier wurden riesengroße Erwartungen geweckt, sollte die US-Regierung die Erwartungen enttäuschen, wird dieses den Markt negativ beeinflussen. Außerdem sollte bedacht werden, dass der Spielraum für fiskalische Stimulus-Maßnahmen aufgrund der angespannten Haushaltslage nicht sonderlich groß ist. Die Frist für eine Erhöhung der verfassungsrechtlich festgezurrten Schuldenobergrenze in den USA rückt immer näher, und trotz finanzieller Repression hat keine Reduktion der Schulden in den letzten Jahren stattgefunden. Ob die angekündigten milliardenschweren Ausgaben für die Infrastruktur so schnell kommen werden wie angenommen, steht für mich noch in den Sternen", so der Vermögensverwalter weiter. Auch protektionistische Maßnahmen wie Strafzölle, sofern sie seitens der USA kommen, werden die Spielregeln grundlegend ändern.

Dennoch erwartet er, dass die US-Konjunktur in Takt ist, die Marktdaten ausreichend robust sind, und die Inflation in den USA anzieht. Es spricht viel dafür, dass nicht erst im Juni die Zinsen angehoben werden sondern früher. Der Markt wird sich damit beschäftigen müssen, was eine solche Maßnahme grundsätzlich für die Zinskurve in den USA bedeutet. Gerade die Inflationsdaten könnten dafür sorgen, dass die langfristigen Zinsen (zehn Jahre) auf 3 Prozent oder leicht darüber (aktuell ca. 2,5 Prozent) ansteigen im Laufe des Jahres. Steigende Zinsen sind kurzfristig Gift für das Momentum im Aktienmarkt.

Darüber hinaus dürfte auch der US -Dollar noch stärker werden - und das trotz ansteigender Inflation in den USA. Dieses ist eigentlich eine makroökonomische Anomalie, was am Nullzinsumfeld im Rest der westlichen Welt liegt. "Früher oder später muss aber die Inflation oder die US-Währung nachgeben, da straffere Kreditkonditionen ausgelöst durch höhere Zinsen das Wachstum negativ beeinflussen werden oder eben die Inflationsraten. Wegen der Unsicherheiten über Trumps Politik und der verhaltenen Inflation wird die Fed nach unserer Analyse auch weiterhin grundsätzlich vorsichtig taktieren und ihrem reaktiven Stil treu bleiben, allerdings gehen wir von einer vorgezogenen Zinserhöhung aus", resümiert der Kölner Geldmanager.

"Wenn ich alle verfügbaren Fakten und Daten auf eine Waage stellen würde, dann überwiegen für mich kurzfristig die Risiken aufgrund der zu hohen Erwartungen an die Weltkonjunktur, bzw. explizit an die US-Konjunktur aufgrund der Trump-Politik in Sachen Konjunkturstimulation, gleichzeitig die Entwicklung zu mehr Protektionismus. Außerdem rechne ich wie bereits ausgeführt mit höheren Zinsen in den USA und einem noch stärker werdenden US-Dollar."

In Europa erwarten uns instabilere politische Zeiten, egal wie die Wahlen ausgehen. Eventuell droht der "NExit" (Austritt der Niederlande aus der EU). Die Einreichung des "Hard-Brexit" steht uns zum Ende März bevor. Die Kursniveaus gerade bei Aktien sind zudem ordentlich gelaufen. All dies steht einer fundamentalen guten Verfassung der Weltkonjunktur und einem verbesserten Gewinnzyklus der Unternehmen gegenüber und macht eine Entscheidung zu weniger Aktien nicht einfach, aber sie erscheint uns als sinnvoll", führt der Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltung aus.

"Das bedeutet nicht, alle Aktien grundsätzlich zu verkaufen. Aber wenn man höhere strukturelle Kursschwankungen erwartet, macht es Sinn die Liquiditätsquoten zu erhöhen und gleichzeitig schwankungsstärkere Engagements abzubauen, um dann wieder in die tieferen Kurse zurückzukaufen. Flexibilität ist hierbei die wichtigste Voraussetzung, da niemand die Glaskugel besitzt. Es ist ja nicht der eine Einflussfaktor, der hier ausschlaggebend ist, sondern die Summe an Einflüssen. Wenn die Volatilität dann aber schlagartig auftritt, muss man die Voraussetzungen geschaffen haben, diese dann bestmöglich auch zu nutzen. Den Zeitpunkt sehen wir jetzt für richtig an, höhere Cashquoten zu schaffen", so Zschaber weiter.

Der V.M.Z.-Kommentar zum aktuellen Stand

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Die Dynamik der Weltkonjunktur hat leicht zum Vormonat abgenommen, befindet sich allerdings nach wie vor in einem Status der robusten Expansivität. Dieses bedeutet, der Wachstumstrend ist positiv und wird es auch in den kommenden Monaten bleiben. Lediglich die Zuwachsgeschwindigkeit im globalen Wachstum hat jüngst etwas abgenommen, was vor allem auf etwas schwächere Daten aus China und Asien zurückzuführen war. Dies bestätigt der "Index der Konjunkturdaten" mit einem aktuellen Niveau von 66 Prozent (Vormonat 70 Prozent). Die Weltwirtschaft ist in guter Verfassung und hat ein robustes Fundament. Allerdings werden die politischen Risiken, sofern sie einen Höhepunkt erreichen, nicht spurlos an der Weltwirtschaft vorübergehen.

Auch aus China kommen aktuell eher etwas restriktivere Nachrichten. So rudert Peking derzeit bei seinen geld- und fiskalpolitischen Stimulus-Maßnahmen in der Tendenz zurück, um den überhitzten Immobilienmarkt abzukühlen. Die People's Bank of China (PBoC) wies die Banken des Landes an, die Hypothekenkreditvergabe zu drosseln und nicht mehr Immobilienkredite zu vergeben, als im vierten Quartal. Auch sollten die Banken bei der sonstigen Kreditvergabe auf die Bremse treten. Folglich wird sich das von der Politik gesteuerte Wachstum in den nächsten Monaten wohl abkühlen.

Die US-Wirtschaft befindet sich weiterhin in sehr robuster konjunktureller Verfassung. Nicht zuletzt auch weil sich der Konsum in einem sehr starken Umfeld bewegt. Als wichtigere Triebfeder für größte Volkswirtschaft der Welt werden sich in diesem Jahr vermutlich die Investitionen in der Privatwirtschaft erweisen, erste Anzeichen für einen Wiederanstieg gibt es bereits. Zusammen mit einer möglichen Reform der Unternehmensbesteuerung könnte das die Wirtschaft noch mehr auf Trab bringen. Ein von dieser Seite ausgehender Boom ist in diesem Jahr zwar nicht zu erwarten, hängt letztlich aber von den Details einer etwaigen Steuerreform ab. Steigende Investitionen sollte die Konjunktur wieder stärker als im letzten Jahr beleben.

In den letzten vier Wochen setzt die Konjunktur im Euroraum ihren Aufwärtstrend weiter fort, bis auf weiteres bleibt der private Konsum ein wichtiger Wachstumstreiber. Parallel dazu sind Kredite weiterhin günstig zu haben, und von der Fiskalpolitik geht mehr Unterstützung aus. Aber trotz der günstigen Aussichten überwiegen die Risiken, so könnte eine vom Brexit ausgelöste Konjunkturabkühlung über die Handelsbeziehungen auf Europa und besonders Deutschland überschwappen. Weitere Unwägbarkeiten birgt der in diesem Jahr volle politische Kalender. Vor allem die Präsidentschaftswahlen in Frankreich könnten die Märkte in Aufruhr versetzen und die Zukunft der Europäischen Union infrage stellen.

Wie es für die Schwellenländer als Ganzes in diesem Jahr weitergeht, wird vor allem von Trump und China abhängen. Wichtigstes Element der trumpschen Politik ist die Fiskalpolitik, welche eindeutig auf eine verbesserte Konjunkturpolitik abzielt. Die daraus abgeleiteten Folgewirkungen, wie relativ bessere Investitionsbedingungen in den USA, eine straffere Geldpolitik, höhere Zinsen und ein stärkerer Dollar, führen zu strukturellen Konsequenzen in den Schwellenländern. "Wir bleiben hier weiterhin abwartend, wie weit die Maßnahmen von Donald Trump gehen werden und bauen keine relevanten Engagements in den Schwellenländern in unseren Kundenportefeuilles auf", so Zschaber.

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Die Skepsis der Marktteilnehmer hinsichtlich der weltkonjunkturellen Lage ist in den letzten vier Wochen zurückgegangen. Donald Trump hat die positive Stimmung hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Aktienmärkte in seiner Rede vor dem Kongress und der Anwendung moderaterer Rhetorik nochmals deutlich angeheizt. Der politische Kalender in Europa scheint in den Hintergrund gerückt zu sein. "Die Erwartungen haben zuletzt einen großen Sprung nach vorne gemacht. Diese Zuversicht ist im Kontext der ganzen Unsicherheiten und Risiken unserer Ansicht nach zu groß. Das Enttäuschungspotenzial ist zu hoch", so Zschaber. Das belegt der "Index der Markterwartungen", welcher auf ein Niveau von 54 Prozent (Vormonat: 70 Prozent) zurückgefallen ist. Im Vergleich zu den vorherigen Monaten haben nur noch rund die Hälfte der von uns analysierten Konjunkturdaten die Erwartungen übertreffen können. Der jüngste Anstieg der Erwartungen könnte an den Kapitalmärkten kurzfristig eine gewisse Überhitzung verursachen, die zu kurzfristig höherer Volatilität führen könnte.

Fazit & Ausblick für Anleger

"Das fundamentale Bild der Weltwirtschaft ist robust und intakt. Die langfristigen Trends, die zu höheren Aktienmarktkursen in den kommenden zwei oder drei Jahren führen sollten, ebenfalls. Mit Blick auf die kommenden Wochen und Monate erwarten wir allerdings eher schwächere Märkte, so dass unser Haus die Entscheidung getroffen hat, die Aktienquoten vorerst zu reduzieren, um höhere Beweglichkeit und Flexibilität innerhalb der Portefeuilles zu generieren", konstatiert der Kölner Vermögensverwalter.

Hauptverantwortlich hierfür waren neben den ansteigenden politischen Risiken auch die hohen Erwartungen der Investoren und Spekulanten. Dieses zeigt sich einerseits durch die nahezu rekordhohe Aktienausrichtung von Hedgefonds und anderseits anhand der sehr niedrigen Shortpositionen auf Aktien, ETFs und Aktienfutures, welche nahe ihrem 10-Jahres-Tief verharren und sich ein sehr gedrücktes Volatilitätsniveau feststellen lässt. Es steigt die Gefahr, dass die Märkte zu optimistisch eingestellt sind und dieser Optimismus erst wieder abgebaut werden muss, bevor neue Aktienhöchststände erreicht werden können.

Das gesamte Börsenjahr 2017 ist allerdings von Risiken geprägt, denn politisch und nicht konjunkturell lauert die Gefahr zunächst für die Märkte und dann für die Realwirtschaft. Eine gesunde Korrektur, ausgelöst durch die vielen politischen Risiken und die hohen Erwartungen an die Weltkonjunktur, wird es geben, das steht fest, dafür sind zu viele Themen auf der weltweiten Agenda. Danach wird es bei einem hoffentlich unveränderten globalen Wachstumsmodell sehr ertragreiche Chancen geben.

Veränderungen im Musterportfolio

Zukäufe-/Nachkäufe aus den letzten 4 Wochen: Keine

Haltepositionen: CSX Corp, Broadcom, VISA, Mastercard, LVMH, SAP, Saint Gobain, Siemens, ASML Holding, ABB, Swatch, Swiss Life Nike, Apple, Intel, Pfizer, Ebay, Dow Chemical, AT&T, Chevron, Home Depot, 3M, Fresenius, General Electric, Bayer, Rheinmetall, Microsoft, BASF, Deutsche Post, Münchener Rück, Allianz, Anheuser Busch, Henkel, Linde, Symrise, Reckitt Benckiser, Continental, Beiersdorf, Geberit, Duke Energy, Unilever, RATIONAL, Bechtle, Jungheinrich,

Verkäufe aus den letzten 4 Wochen: ETF-DAX, ETF-MDAX, ETF-SDAX, ETF-S&P500, ETF-DJ Global Titans, Newmont Mining¸ Procter&Gamble, Daimler, TAG Immobilien, Osram, K&S, Metro.

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Asset-Allokation

Erhöht / Neu aufgenommen werden: Cash von 1% auf 27,5%

Beibehalten werden: Aktien (Large Caps) Schweiz von 7,5%; Aktien Emerging Markets von 3%; Staatsanleihen Emerging Markets von 2%; Wandelanleihen von 3%; Unternehmensanleihen von 5%; Edelmetalle von 5%;

Reduziert werden: Aktien (Large Caps) Deutschland von 15% auf 10%; Aktien (Large Caps) USA von 16% auf 10%; Aktien (Large Caps) Europa von 7,5% auf 5%; Aktien (Nebenwerte) Deutschland von 10% auf 6%; Aktien (Nebenwerte) USA von 10% auf 6%; Aktien (Nebenwerte) Europa von 7,5% auf 5%; Aktien Japan von 7,5% auf 5%.

Das Musterdepot zum "Welt-Index" beinhaltet diverse Anlageklassen wie beispielsweise Aktien,  Unternehmens-, Wandel- und Staatsanleihen, sowie Rohstoffe als auch Edelmetalle. Das Portfolio wird aktiv seit 5 Jahren gemanagt und auch abgesichert je nach Börsenphase, so dass je nach Kapitalmarktsituation auch flexibel die Bargeldquote erhöht oder minimiert werden kann. Zur Absicherung und Gewinnmitnahmen werden auch ETFs auf Indices und Märkte verwendet. Mit dieser Art der direkten Abbildung des "Weltwirtschaftszyklus" ist es dem Musterdepot gelungen, eine konstante und höhere Wertentwicklung als der MSCI World  zu erwirtschaften. Generelle Informationen erhalten Sie auch unter www.zschaber-events.de

Zur Methode:

Die Grundlage des "Welt-Index" ist die Analyse von Wirtschaftsindikatoren aus der ganzen Welt, die eine hohe wirtschaftliche Relevanz und eine hohe Reaktion an den Finanzmärkten mit sich bringen. Diese werden weltweit von Statistikämtern und Forschungsinstituten sowie weiteren hochrangigen wissenschaftlichen Quellen veröffentlicht. In der Endform konzentriert sich der "Welt-Index", der aus zwei Komponenten besteht, dem "Index der Konjunkturdaten" und dem "Index der Markterwartungen", auf die monatlich 50 wichtigsten Konjunkturdaten, zugrunde liegen mehr als 1000 internationale Indikatoren, die monatlich ermittelt und bewertet werden. Die Verknüpfung der Datenreihen in einer nach Dominanzfaktoren gegliederten Gewichtung gibt Aufschluss darüber, in welchem Zyklus und Stadium sich die Weltwirtschaft befindet. Aufgrund der Kombination von frühzyklischen, gleichzyklischen und nachzyklischen Indikatoren sowie der Integration einer Erwartungskomponente ermöglicht der "Welt-Index" eine sehr genaue Messung des aktuellen Status. Um dieses zu vereinfachen, werden dann zwei Trenddaten erstellt, die Aufschluss darüber geben, wie viele der ermittelten Daten in den vergangenen vier Wochen gefallen oder gestiegen sind.

Das Musterportfolio zum "Welt-Index" ist nur als begleitende Information zu verstehen und dient nicht als konkreter Anlage-Ratschlag. Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH erstellt den Index monatlich exklusiv für die "Welt am Sonntag" und den Nachrichtensender "n-tv". Informationen zum Index unter www.zschaber.de und www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de