Wirtschaft

Zeichen stehen auf Streik Postbanker fürchten um ihre Jobs

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Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank beschließt: Verkauf oder Börsengang der Postbank.

(Foto: REUTERS)

Die Postbank steht vor einer Zäsur: Nachdem erst der Bund, dann die Post und seit einigen Jahren die Deutsche Bank das Sagen hat, droht nun ein weiterer Eigentümerwechsel. Die Beschäftigten bangen um ihre Zukunft und wollen sichere Jobs: "Die Stimmung ist mies."

Auf die Deutsche Bank sind viele Beschäftigte der Postbank derzeit nicht gut zu sprechen. Die Strategie der Muttergesellschaft über die Zukunft ihres Privatkundengeschäfts und der Bonner Tochterfirma hat unter den Mitarbeitern Sorgen um ihre Jobs ausgelöst. Und alles wird zusätzlich angeheizt durch Spekulationen über Verkauf, Teilverkauf oder eine Abgabe der Postbankanteile über die Börse. 

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"Die Stimmung ist mies", fasst ein Gewerkschafter die derzeitige Gemütsverfassung vieler Angestellter der Postbank zusammen. Spontan kommt es vor dem Firmensitz der Deutschen Bank zu Protesten. Laut Verdi beteiligen sich daran rund 400 Mitarbeiter der Postbank.

Hauptthema Kündigungsschutz

Was den Postbankmitarbeitern besonders aufstößt, sind die zähen und ergebnislosen Verhandlungen des Postmanagements und der Gewerkschaft Verdi über eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis 2020. Neben einer Gehaltsaufbesserung um 5,5 Prozent ist das die zentrale Forderung der Gewerkschaft. Mit Warnstreiks hatte diese in den vergangenen Wochen immer wieder versucht, Druck von außen aufzubauen - bislang vergebens.

Auch ein Spitzentreffen mit Vorständen der Deutschen Bank und Postbank blieb ohne Ergebnis. Daraufhin erklärte Verdi noch vor Ostern die Gespräche für gescheitert, die Beschäftigen der Postbank Filialbetrieb AG sowie der Postbank AG, Firmenkunden AG und der BHW-Gruppe gingen in die Urabstimmung. Eine Mehrheit von weit über 90 Prozent votierte erwartungsgemäß für einen sogenannten Erzwingungsstreik. Es ist der erste massive Arbeitskampf in der Geschichte der Postbank.

Dass sich die Postbankmanager so hartnäckig weigern, sich auf einen Kündigungsschutz bis 2020 für die knapp 9000 Beschäftigten einzulassen, ist für Verdi ohnehin ein klares Indiz, dass bei der Bank Einiges im Busch ist. Der Kündigungsschutz sei über viele Jahre tarifvertraglich geregelt worden. "Aber jetzt wird er uns unverständlicherweise verweigert", empört sich Gerd Tausendfreund, Bundesfachgruppenleiter Postbank, von Verdi.  Durften die Postbankmanager möglicherweise gar nicht über dieses Thema verhandeln? Es hört sich fast so an, wenn man den knappen Spruch aus der Postbank-Zentrale hört: Das Unternehmen könne keinen Kündigungsschutz vereinbaren.

Sollte die Bank also verkauft werden, würde eine solche Vereinbarung tatsächlich den Kaufpreis drücken. Für potenzielle Investoren wäre die Postbank weniger attraktiv, weil es schwieriger für sie würde, mit der Einsparung von Stellen die Kosten zu verringern und Gewinne zu verbessern.

Welche Strategie bei der Deutschen Bank am Ende auch immer auch stehen mag, für die Postbanker heißt es in den nächsten Tagen immer öfter: Streik! Wie viele der 14 Millionen Kunden und 1100 Filialen von dem Ausstand betroffen sein werden, ist nicht überschaubar. Verdi setzt weiterhin auf Nadelstiche. So sind die Streiks sind nicht flächendeckend, sondern in mehreren Wellen organisiert und dauern jeweils drei Tage.

Quelle: ntv.de