Wirtschaft

Merkel zu Besuch vor Ort Rehn gegen Haircut für Zypern

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Angela Merkel muss sich derzeit mit dem schuldengeplagten Zypern herumschlagen. (Archivbild)

(Foto: picture alliance / dpa)

Zyperns Versuch, an internationales Kapital zu kommen, wird von der Ratingagentur Moody's torpediert. Die Kreditwürdigkeit sinkt deutlich, der Ausblick ist zudem "negativ". Um damit verbundene Spekulationen über einen Schuldenschnitt für das Land bereits im Keim zu ersticken, spricht EU-Währungskommissar Rehn Klartext - und das vor einem Besuch von Bundeskanzlerin Merkel in Zypern.

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EU-Währungskommissar spricht sich gegen einen Schuldenschnitt für Zypern aus.

(Foto: REUTERS)

Zypern kämpft um internationale Rettungsgelder. EU-Währungskommissar Olli Rehn ist das egal, er lehnt einen Schuldenschnitt für das schuldengeplagte Land ab. "Ein Haircut ist keine Option für uns", sagte Rehn dem "Handelsblatt". Er äußerte außerdem, bei der Sanierung der Banken Zyperns wolle die EU so vorgehen wie im Falle Sp aniens. "Mehr Details kann ich nicht nennen, weil ich die laufenden Verhandlungen nicht erschweren will", sagte Rehn. Er betonte zugleich, Zypern müsse nun dazu gebracht werden, die neuen Gesetze gegen Geldwäsche auch anzuwenden.

Die Situation um Zypern hat sich indes verschärft: Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit von Zypern wegen der Probleme des Bankensektors um gleich drei Noten herabgestuft. Die Bonitätsnote werde von "B3" auf "Caa3" gesenkt, hatte Moody's mitgeteilt. Der Ausblick für das Rating bleibe "negativ". Es droht daher eine weitere Herabstufung. Moody's bewertet Zypern noch schlechter als Standard & Poor's und Fitch. Damit wird Zypern von den Ratingagentur ähnlich negativ gesehen wie Griechenland.

CDS schnellen in die Höhe

Die Kosten für die Kreditausfallversicherung für Staatsanleihen aus Zypern schnellten mit der Herunterstufung durch Moody's de utlich in die Höhe. Mit der deutlichen Herunterstufung ist die Wahrscheinlichkeit für einen Ausfall des Schuldners zumindest theoretisch gestiegen. So hat sich der sogenannte Credit Default Swap (CDS) zur Absicherung der zyprischen Staatsanleihen über Nacht um 111 Basispunkte auf nun 1139 verteuert.

"Trotz des vergleichbar geringen Volumens könnte die Entwicklung dazu führen, dass die Risikoaversion steigt", teilte die Rabobank mit. Dies gelte um so mehr, sollten die öffentlichen Gläubiger erneut bei einem möglichen Schuldenschnitt bevorzugt werden.

Schuldenstand bei 150 Prozent des BIP

Vor allem der gestiegene Kapitalbedarf der angeschlagenen zypriotischen Banken sei für die Herabstufung verantwortlich, begründete Moody's seine Entscheidung. Dafür sei auch der Schuldenschnitt für griechische Anleihen verantwortlich. Zudem würden immer mehr Kredite notleidend, die an griechische und zypriotische private Gläubiger gegeben wurden. Die Banken des Landes sind eng mit der griechischen Wirtschaft verflochten und leiden auch unter der dortigen Krise.

Die Verschuldung des Inselstaates dürfte laut Moody's angesichts des Rekapitalisierungsbedarfs der Banken auf ein Niveau steigen, dass nicht mehr nachhaltig sei. So dürfte der Schuldenstand noch in diesem Jahr auf 150 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) steigen. Dies wäre der höchste Schuldenstand in der Eurozone. In Zypern könnte es zu einer Staatspleite oder einem erzwungenen teilweisen Schuldenerlass wie in Griechenland kommen. Dies erwartet Moody's jedoch nicht für das Jahr 2013.

Merkel in Limassol

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist indes zu einem Kurzbesuch im hoch verschuldeten Euro-Land Zypern eingetroffen. Sie nimmt dort an einem Treffen der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) teil. Im Mittelpunkt der Unterredungen dürfte die Finanzlage des Inselstaates stehen. In der Eurozone gibt es Streit über ein geplantes Milliarden-Hilfspaket für Zypern.

Das Land hatte im Sommer einen Hilfsantrag gestellt und will unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen. Der Finanzbedarf soll bei 17,5 Mrd. Euro liegen. Im Februar wird auf der Insel ein neuer Präsident gewählt, Favorit ist der Konservative Nikos Anastassiadis. Eine Entscheidung über ein Hilfspaket noch vor der Wahl gilt inzwischen als unwahrscheinlich.

Quelle: n-tv.de, rts/dpa/DJ

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