Wirtschaft

Sofortmaßnahme gegen Kapitalflucht Russland erhöht Einlagezins

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Shopping-Center in Moskau: Das Geld soll möglichst im Land bleiben.

(Foto: REUTERS)

Die Bank von Russland erhöht in einem überraschenden Schritt den Einlagezins. Damit wollen die Währungshüter die Kapitalflucht aus dem Land eindämmen. Gleichzeitig muss aber die Inflation in Schach gehalten werden.

Die russische Zentralbank stemmt sich mit einem überraschenden zinspolitischen Manöver gegen die Kapitalflucht aus dem Land. Die Bank von Russland erhöhte die Depotzinsen für Übernachteinlagen um einen Viertelprozentpunkt auf 3,5 Prozent. Zugleich tastete die Notenbank den Schlüsselzins von 8,25 Prozent nicht an. In den vergangenen sieben Monaten ist aus dem Schwellenland Kapital im Wert von mehr als 50 Mrd. Dollar abgeflossen.

In der Erklärung zum Zinsentscheid sprach die Notenbank von noch immer hohen Inflationserwartungen und Risiken für ein stetiges Wachstum. Daneben äußerten die Geldpolitiker ihre Sorgen über das "extrem niedrige Niveau" der Kapitalinvestitionen. Zugleich deutete die Notenbank eine Zinspause an und nannte das derzeitige Zinsniveau auch für die kommenden Monate "akzeptabel".

Ein höherer Einlagezins macht es für die Finanzinstitute attraktiver, ihr Geld bei der Zentralbank über Nacht zu parken. Mit der Erhöhung wirkt die Zentralbank somit dem Kapitalabfluss aus dem Land entgegen, dessen strukturschwache Wirtschaft hauptsächlich vom Handel mit Rohstoffexporten lebt. Zugleich muss die Bank von Russland die Inflation in Schach halten, die im April auf Jahressicht auf 9,7 Prozent gestiegen ist. Experten gehen daher davon aus, dass die Zentralbank noch dieses Jahr erneut zinspolitisch tätig wird. Der Inflationsdruck dürfte in Russland auch zum Wahlkampfthema werden. Im Dezember wird das neue Parlament gewählt. Im März 2012 stimmen die Bürger über den künftigen Präsidenten ab.

Quelle: ntv.de, sla/rts