Wirtschaft
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Dienstag, 14. Januar 2014

Moskau lässt den Rubel rollen: Russland gibt die Währung frei

Schon die Ankündigung löst am Devisenmarkt Unruhe aus: In Russland wollen die Währungshüter der Bank Rossii die Zügel lockern und dem Rubel-Kurs künftig mehr dem freien Spiel der Kräfte überlassen.

Die russische Zentralbank Bank Rossii (CBR) will ihre Interventionen zugunsten des Rubel eigenen Angaben zufolge zurückfahren. Bis 2015 soll die Währung ganz den Marktkräften überlassen werden, teilte die Moskauer Notenbank mit. Beobachtern zufolge dürfte der Schritt vermutlich zu einer beschleunigten Abwertung führen.

Die Bank wolle die täglichen Dollar-Verkäufe einstellen und den Markt darauf vorbereiten, dass die Beeinflussung des Wechselkurses an ein Ende komme, hieß es in einer Mitteilung der Notenbank. Eine Hintertür ließen sich die Hüter des Rubel allerdings offen: Die Zentralbank will weiterhin Dollar- und Euro-Verkäufe tätigen, sollte sich der Rubel über den Rand einer definierten Handelsspanne hinausbewegen.

"Die Volatilität des Rubel wird zunehmen"

Die Ankündigung hatte unmittelbare Folgen am Devisenmarkt: Nach Veröffentlich der Mitteilung gab der Rubel im Verhältnis zum richtungsweisenden Euro-Dollar-Korb nach und schloss 0,7 Prozent nach unten bei einem Stand von 38,7 Punkten. Die Schwächephase der russischen Währung dürfte sich in den kommenden Wochen fortsetzen, wenn die Notenbank den Kurs zunehmend freigibt, vermuteten Analysten.

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"Die Volatilität des Rubel wird zunehmen - ähnlich den Währungen anderer Schwellenländer", meinte Wladimir Kolytschew, Chefvolkswirt bei VTB Capital in Moskau. "Sollten Fonds in den kommenden Monaten aus Schwellenländern herausgehen, dann dürfte es auch den Rubel erwischen".

Zu Wochenbeginn hatte der Rubel zum Dollar 0,8 Prozent abgegeben, so dass der Greenback auf 33,3 Rubel stieg. Die ING Bank geht davon aus, dass die Schwächephase anhält und der Dollar bis zum Jahresende auf 35,7 Rubel klettern wird. Russland kämpfe mit einem schwachen Wirtschaftswachstum und anhaltend hohen Kapitalabflüssen, heißt es.

Unbeabsichtige Nebenwirkungen

Im vergangenen Jahr hatte der Rubel gegenüber dem maßgeblichen Euro-Dollar-Währungskorb bereits um 8 Prozent abgewertet. Dabei drückte Währungsexperten vor allem die Sorge, dass sich die Anleger verstärkt aus Schwellenländern zurückziehen werden, sobald die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) damit beginnt, ihr umfangreiches Wertpapierkaufprogramm zurückzufahren. Der Beginn dieses sogenannten "Tapering"-Prozesses kam kurz vor Jahreswechsel. Jetzt fürchten Devisenstrategen verstärkte Nebenwirkungen in den weltweiten Finanzströmen.

Die jüngste Erklärung der russischen Zentralbank markiert einen Kurswechsel: Über lange Zeit hatte Russland seine umfangreichen, aus dem Rohstoffexport gewonnenen Währungsreserven eingesetzt, um den Rubel gegen eine massive Abwertung zu verteidigen. Doch nun kündigen die Währungshüter an, ihre Geldpolitik bis 2015 stärker an dem hartnäckig hohen Teuerungsniveau ausrichten zu wollen. Der Druck der Inflation zwingt Moskau offenbar zum Handeln. Die Entwicklung der Wechselkurse tritt in der russischen Geldpolitik in den Hintergrund. Die Wirtschaft soll künftig nur noch über die Zinspolitik liquide gehalten werden.

Ein Regierungssprecher ergänzte, ein schwächerer Rubel könnte der russischen Wirtschaft helfen. Moskau rechnet für das vergangene Jahr mit einem Wachstum von 1,4 Prozent, beeinflusst von schwächeren Preisen und der Nachfrage nach Rohstoffexporten. Auf internationaler Ebene könnte ein frei gehandelter Rubel zudem auch den ehrgeizigen Plan stützen, den Rubel zu einer Regional- und vielleicht sogar zu einer Reserve-Währung aufzuwerten.

Gegenwärtig hält die Zentralbank den Rubel noch innerhalb einer engen Handelsspanne. Sie verkauft Dollar und Euro, um dem Abwärtsdruck auf den Rubel zu begegnen, sobald dieser am oberen Rand der Spanne handelt. Am unteren Rand kauft sie hingegen Fremdwährungen. Notiert er in der Mitte, erfolgen keine Interventionen.

Quelle: n-tv.de