Wirtschaft

Lukrativer Markt lockt Russland wird WTO-Mitglied

Für Russland ist es ein historischer Moment: Nach fast zwei Jahrzehnten Wartezeit wird es Mitglied der Welthandelsorganisation. Für westliche Investoren steht der Markt mit mehr als 140 Millionen Menschen trotz Korruption, Rechtsunsicherheit und Bürokratenwillkür hoch im Kurs. Allerdings sind für den Abbau des Protektionismus' noch zum Teil lange Übergangszeiten vereinbart.

Nach 18 Jahre währenden Russland steht an WTO-Tür wird Risse im System Putin heute in die Welthandelsorganisation (WTO) aufgenommen. Rund zehn Jahre nach dem Beitritt Chinas wird damit auch der letzte noch ungebundene Energie- und Rohstoffriese in das Regelsystem des Welthandels einbezogen. Die Aufnahmezeremonie findet im Rahmen der 8. WTO-Ministerkonferenz in Genf statt. Für eine weitere Liberalisierung des Welthandels gilt der WTO-Beitritt Russlands als der wichtigste Schritt seit der Mitgliedschaft Chinas vor zehn Jahren. Russland war als einziger großer Staat bisher nicht WHO-Mitglied.

Immer wieder stand das Aufnahmeverfahren für den weltgrößten Öl- und Gasförderer auf der Kippe. 1993 stellte die Energiegroßmacht den Antrag, musste aber so lange wie kein anderes großes Land auf den Beitritt warten. Lange galt Russlands Festhalten an hohen Importzöllen und Agrarsubventionen als Hindernis. Zudem ging es lange um den Widerstand von WTO-Mitgliedern wie Georgien, die sich von der Atommacht politisch unter Druck gesetzt fühlen. Russland werde jetzt endlich fester in die Weltwirtschaft eingebunden, sagte WTO-Generalsekretär Pascal Lamy kürzlich.

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Auch Montenegro, Samoa und Vanuatu gehören zu den neuen Mitgliedern der WTO, in der künftig 157 Staaten vertreten sind.

(Foto: AP)

Für westliche Investoren steht der Markt mit den mehr als 140 Millionen Menschen trotz verbreiteter Korruption, Rechtsunsicherheit und Bürokratenwillkür hoch im Kurs. Die Unternehmen hoffen, dass die Hindernisse weniger und ihre Geschäfte in Russland leichter werden.

"Wir glauben, dass Russlands WTO-Beitritt den offenen und fairen Wettbewerb und die internationale Zusammenarbeit fördern wird ", sagt Frank Schauff, Chef der Vereinigung Europäischer Unternehmen in Moskau. Zudem gibt es nun neue Hoffnungen auf eine Freihandelszone zwischen Russland und seinem größten Handelspartner, der EU, sowie auf ein Ende der als geschäftsfeindlich kritisierten Visapflicht.

Russen profitieren von billigeren Produkten

Aus Sicht von Unternehmern können sich die Russen durch eine Senkung von Zollgebühren nun auf eine größere Vielfalt an preiswerteren Produkten freuen. Derzeit bezahlen sie nach Angaben von Analysten für importierte Waren 30 bis 40 Prozent mehr als im Westen.

Kommentatoren in Moskau sprechen von einem historischen Schritt. Erstmals würden einheimische Produzenten gezwungen, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, schreibt etwa die regierungskritische Zeitschrift "The New Times". Besonders auch der nicht konkurrenzfähige Bankensektor werde den internationalen Druck zu spüren bekommen. In vielen Wirtschaftszweigen erwarten Experten Massenentlassungen in den oft noch sowjetisch geprägten Betrieben.

Zwar sind für den Abbau des vom Westen immer wieder gerügten Protektionismus' in Russland mitunter lange Übergangszeiten vereinbart. Auch den Schutz von Urheberrechten sowie die Privatisierung muss das Land laut den WTO-Unterlagen vorantreiben. Als Vorteil sehen die Russen aber etwa, dass sie künftig mehr Stahl exportieren können. Der WTO-Beitritt werde auch die Zusammenarbeit in der sogenannten BRICS-Gruppe der Schwellenstaaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika voranbringen, sagte Russlands Wirtschaftsministerin Elwira Nabiullina - sie führt die Delegation in Genf an.

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WTO-Generalsekretär Pascal Lamy beklagt den Protektionismus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Weltbank erwartet durch Russlands WTO-Aufnahme etwa 3,3 Prozent Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt für die nächsten Jahre. Russland soll künftig mehr von westlicher Hochtechnologie profitieren können, um die von Kremlchef Dmitri Medwedew immer wieder beschworene Modernisierung des Landes voranzubringen. Das Land habe etwa Importzölle für Baumaterialien, Agrarmaschinen und Technologien drastisch gesenkt, sagte der russische WTO-Verhandlungsführer Maxim Medwedkow unlängst.

Unter dem Strich werde das Riesenreich zu günstigen Konditionen Mitglied in dem Club, schrieb etwa die Wirtschaftszeitung "Wedomosti". "Die Regierung wird weiter die Preise regulieren", kommentierte das Blatt in Moskau. Und auch der Energiekonzern Gazprom könne sein Gasmonopol behalten. Doch wirksam wird die Mitgliedschaft erst nach der Ratifizierung. Die russische Staatsduma soll diese bis Mitte 2012 abwickeln. Innerhalb von 220 Tagen nach Unterschrift müsse der Schritt vollzogen sein, sagte Medwedkow.

WTO warnt vor zunehmendem Protektionismus

Zum Auftakt der WTO-Konferenz in Genf hatte Generaldirektor Pascal Lamy am Donnerstag vor zunehmendem Protektionismus in vielen Ländern gewarnt. Zugleich beklagte er, dass die Doha-Verhandlungsrunde über die Liberalisierung des Welthandels zum Stillstand gekommen. Eine Gruppe von Teilnehmern des Treffens, darunter auch die Europäische Union und die USA, beantragten, alle seit der Finanzkrise des Jahres 2008 in der Welt errichteten Handelshemmnisse pauschal zurückzunehmen. Schwellenländer wie Brasilien, China und Indien schlossen sich der Forderung jedoch nicht an.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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