Wirtschaft

Warnschuss für Euro-Raum S&P sieht Rezession

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Das Rezessionsgespenst geht wieder um.

(Foto: picture alliance / dpa)

Angesichts der schwachen Konjunkturdaten in der Euro-Zone steigen die Rezessionsängste. Die Ratingagentur Standard & Poor's warnt nun deutlich vor den Abwärtsrisiken, die Rufe nach einer Zinssenkung werden lauter.

Die Ratingagentur Standard & Poor's warnt vor der wachsenden Gefahr einer Rezession in Europa. "Die Abwärtsrisiken sind erheblich", sagte S&P-Europa-Chefvolkswirt Jean-Michel Six. "Wir werden in den kommenden Monaten besonders die Entwicklung der Konsumnachfrage genau verfolgen." Die hohe Arbeitslosigkeit in vielen Ländern und die Kurseinbrüche an den Aktienmärkten könnten die Kauflaune der Verbraucher dämpfen.        

Geschürt werden die Rezessionsängste von schwachen Konjunkturdaten. Das Barometer für das Wirtschaftsklima in der Euro-Zone brach im August von 103 auf 98,3 Punkte ein, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit. Analysten hatten lediglich einen Rückgang auf 100,5 Punkte erwartet. Die Stimmung in der Industrie ist mittlerweile so schlecht wie seit fast einem Jahr nicht mehr, ergab die Umfrage. Auch bei Dienstleistern und Verbrauchern trübte sie sich ein. "Die Verunsicherung hat merklich zugenommen", sagte Commerzbank-Analyst Christoph Weil.      

Senkt die EZB den Leitzins?

Einige Experten fordern die Europäische Zentralbank (EZB) deshalb zu einer Zinssenkung auf. Wegen wachsender Inflationsgefahren hatte sie ihren Leitzins in diesem Jahr zweimal angehoben - von 1,0 auf 1,5 Prozent. "Ich würde der EZB dazu raten, eine Umkehr ihrer geldpolitischen Entscheidungen ins Auge zu fassen und mit Zinssenkungen zu beginnen", sagte die Expertin von Morgan Stanley, Elga Bartsch. Dies solle sie bereit nach ihrer Ratssitzung in der kommenden Woche signalisieren.

Sinkt der Zins, dürften Kredite für Unternehmen und Verbraucher billiger werden und damit Investitionen und Konsum stützen. Auch die Zinskosten der Staaten können dadurch sinken.      

"Rückfall kann vermieden werden"

Die Daten der Brüsseler Behörde deuten auf eine schwache zweite Jahreshälfte hin. Das Bruttoinlandsprodukt in den Euro-Ländern war bereits von April bis Juni nur noch um 0,2 Prozent gewachsen, nachdem es zu Jahresbeginn noch 0,8 Prozent waren. S&P senkte deshalb seine Wachstumsprognose für die Währungsunion in diesem Jahr von 1,9 auf 1,7 Prozent und für 2012 von 1,8 auf 1,5 Prozent.

Morgan Stanley erwartet für kommendes Jahr sogar nur ein Mini-Wachstum von einem halben Prozent. "Wir glauben immer noch daran, dass eine echter Rückfall in die Rezession vermieden werden kann, weil wir für die kommenden 18 Monate verschiedene Wachstumsquellen sehen wie etwa die weiter kräftige Nachfrage aus den Schwellenländern", sagte der Europa-Chefvolkswirt von S&P, Six.  

Auch für die beiden größten Volkswirtschaften der Euro-Zone senkte S&P seine Prognosen für das kommende Jahr. Für Deutschland wurde sie von 2,5 auf 2,0 Prozent zurückgenommen, für Frankreich von 1,9 auf 1,7 Prozent.

Quelle: ntv.de, sla/rts