Wirtschaft

Nächster Tiefschlag für Spanien S&P stutzt Banken zurecht

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Die Einschläge kommen in kürzeren Abständen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mitten in der Hängepartie um einen spanischen Hilfsantrag erhöht die Ratingagentur S&P den Druck auf das Land. Die Prüfer kommen zu dem Schluss, dass es langfristig für die spanischen Finanzinstitute schlechter aussieht als bisher gedacht.

Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens hat der nächste Schritt nicht lange auf sich warten lassen: Nun hat sich die Ratingagentur S&P die Banken des Landes vorgeknöpft. Getroffen hat es all die Kreditinstitute, die bis dato noch eine bessere Bonitätseinstufung hatten als Spanien selbst, oder die sich durch ausgeprägte staatliche Unterstützung hervortun. Insgesamt stufte Standard & Poor's die langfristige Kreditwürdigkeit von elf Banken schlechter ein als zuvor. Bei vier Instituten musste die kurzfristige Bonitätsbewertung dran glauben. Ein Großteil der betroffenen Institute muss zudem mit weiteren Herabstufungen rechnen.

Zu den prominentesten Opfern von S&P's Rundumschlag zählen die BBVA, Santander, Banco Popular sowie nicht zuletzt die verstaatlichte Bankia, bei der laut den Ergebnissen des jüngsten Banken-Stresstests eine Kapitallücke von 24,7 Mrd. Euro klafft.

Madrid nähert sich Ramschniveau

Vergangene Woche hatte S&P die langfristige Bonitätseinstufung Spaniens fast auf Ramschniveau gesenkt. Sie setzte die Note für die Kreditwürdigkeit des südeuropäischen Landes um zwei Stufen auf "BBB-" von zuvor "BBB+" zurück. Der Ausblick ist negativ. Dies bedeutet, dass S&P das Rating Spaniens möglicherweise noch weiter auf "BB+" senken könnte. Dann hätte es spekulatives beziehungsweise Ramschniveau erreicht.

S&P hatte gewarnt, dass sich die spanische Bonität noch weiter verschlechtern könne, während sich Madrid bemüht, das hohe Haushaltsdefizit zu schließen. Auch das Zögern der spanischen Regierung, einen vollen Antrag auf Finanzhilfen von der EU zu stellen, erhöhe möglicherweise die Abwärtsrisiken für die Bewertung Spaniens.

"Die Möglichkeiten der spanischen politischen Institutionen sinkt, den erheblichen Herausforderungen der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise zu begegnen", so die Einschätzung der Ratingagentur. Dem Land machen vor allem die massiven Schulden spanischer Banken zu schaffen, die nach dem Platzen der Immobilienblase auf einem Berg fauler Kredite sitzen.

Spekulationen um Hilfsersuchen an ESM

Unterdessen geht das Rätselraten um einen baldigen Hilfsantrag Spaniens ohne Unterlass weiter. Aus Ministeriumskreisen verlautete einmal mehr, Spanien erwäge grundsätzlich einen Hilfsantrag an den neuen Rettungsfonds ESM zu stellen, um zu verhindern, dass die Schuldenprobleme aus Kontrolle geraten. Ein hochrangiger Angehöriger des Finanzministeriums gab aber bei einem Briefing für die internationale Presse zu bedenken, Spanien strebe zwar die Hilfe der europäischen Partner an, sei sich aber unsicher, ob ein Antrag nicht das Investorenvertrauen für Italien und die Stabilität des Euro insgesamt untergraben würde.

Globale Investoren und viele Politiker der Eurozone haben die spanische Regierung ermutigt, einen Hilfsantrag zu stellen, aber die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hat sich bisher nicht dazu durchringen können. Der hochrangige Vertreter des Finanzministeriums sagte, er erwarte nicht, dass diese Frage in dieser Woche gelöst werde.

Deutsche Regierungskreise haben bisher hingegen bremsende Signale ausgesendet: Spanien sollte noch keinen Hilfsantrag stellen, weil dies eine neue Abstimmung im Bundestag erforderlich machen würde. In der Koalition von Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt es erheblichen Widerstand. Stattdessen wird offenbar an eine Bündelung aller Anträge von Eurostaaten auf finanzielle Hilfen gedacht.

Quelle: ntv.de, ddi/DJ

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