Wirtschaft

Lukratives Impf-Geschäft Sanofi hofft auf Umsatz

Die Debatte um großangelegte Impfaktionen eröffnet der Pharmabranche neue Perspektiven. Der französische Konzern Sanofi-Aventis will sein Geschäft mit Impfstoffen binnen fünf Jahren verdoppeln.

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Impfstoffe oder Zugang zu sauberem Wasser: "In Asien gibt es ein enormes Potenzial".

(Foto: REUTERS)

"Der Anteil wird damit von zehn bis elf Prozent am Konzernumsatz auf 15 bis 16 Prozent steigen", sagte Sanofi-Chef Chris Viehbacher der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Mit diesem Ziel habe der Konzern zuletzt ein Unternehmen in Indien gekauft, das neue Impfstoffe in der Entwicklung habe, beispielsweise gegen Cholera. "In Asien gibt es ein enormes Potenzial, weil Impfstoffe kaum benutzt werden", sagte Viehbacher.

Das Wachstum der Sparte soll dem Konzern demnach auch darüber hinweghelfen, dass im Jahr 2012 wichtige Patente auslaufen. "Selbst ohne größere Akquisitionen werden wir 2013 den gleichen Umsatz und Gewinn wie 2008 haben", betonte Viehbacher.

Der Verkauf des Schweinegrippe-Impfstoffs in den USA wird demnach im vierten Quartal 500 Mio. Dollar zum Umsatz beitragen. Das entsprechende Geschäft in Europa werde sich vor allem im ersten Quartal in der Bilanz niederschlagen.

Das Geschäftsmodell vieler Pharma-Konzerne hängt stark von dem Erfolg einzelner Kassenschlager ab, den sogenannten Blockbustern. Darunter versteht der Markt diejenigen Medikamente, deren Vertrieb ein Vielfaches der Vorlaufkosten einbringt. Im Idealfall finanzieren die Unternehmen auf diese Weise sowohl die Forschungsarbeit als auch die oft Jahre dauernden Erprobungs- und Zulassungsphasen.

Lackmus-Test für Industriestaaten

Die marktwirtschaftliche Orientierung von großen Teilen der Pharmaforschung stößt immer wieder auf Kritik. Vertreter aus Wissenschaft und Politik wiesen in der Vergangenheit darauf hin, dass Medikamente gegen seltene Erkrankungen unter den geltenden Umständen kaum erforscht und weiterentwickelt werden.

Im Zusammenhang mit preisgünstigeren Wirkstoff-Kopien, den sogenannten Generika, kam zudem die Frage auf, ob sich zum Beispiel Entwicklungsländer im Fall einer Epidemie zum Weltmarktpreis mit Impfstoffen eindecken müssen oder ob sie in solchen Fällen auch patentgeschützte Medikamente auf eigene Faust produzieren dürfen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hatte sich in dieser Frage bisher vor allem vor dem Hintergrund der Aids-Pandemie im südlichen Afrika für "Flexibilitäten beim Schutz geistiger Eigentumsrechte" und die damit für die lokale Produktion von Impfstoffen und anderen Medikamenten eingesetzt.

Quelle: ntv.de, mmo/rts