Wirtschaft

Risiken der globalen Geldschwemme Schäuble warnt vor Inflation

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"Sie hat immer im Rahmen ihres Mandats gehandelt": Schäuble lobt die EZB.

(Foto: dpa)

Mit deutlichen Worten erinnert der deutsche Finanzminister die Krisenbekämpfer an die langfristigen Gefahren historischer Niedrigzinsen und immer neuer Milliardenspritzen zur Stützung der Märkte. "Entscheidend" sei, so Schäuble, "rechtzeitig" aus dieser Politik auszusteigen. Nicht nur dem deutschen Kleinsparer dürfte er damit aus dem Herzen sprechen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat die Währungshüter in aller Welt vor der Inflationsgefahr gewarnt, die von der weltweiten Liquiditätsschwemme ausgehe.

"Für alle Zentralbanken ist es entscheidend, rechtzeitig Abschied von ihren außergewöhnlichen Maßnahmen zu nehmen, um zu verhindern, dass die großzügige Liquiditätsversorgung nicht zu einem Inflationsdruck wird", sagte Schäuble der thailändischen Zeitung "The Nation". Man dürfe nicht vergessen, dass ein Grund für die tiefe Finanzkrise 2007/2008 die übermäßige Liquidität an den Märkten war.

Der Europäischen Zentralbank (EZB) stellte Schäuble, wohl auch mit Blick auf deren , ein Vertrauenszeugnis aus. "Sie (die EZB) hat immer im Rahmen ihres Mandats gehandelt", sagte er. "Und ich habe keinen Anlass anzunehmen, dass sie jemals anders handeln würde", ergänzte er.

Auf die Frage, ob nicht das Anwerfen der Gelddruckmaschine der Zentralbanken weltweit Inflationsgefahren hervorruft, sagte der Minister: "Eines der Grundprinzipien der (Europäischen) Währungsunion ist die Unabhängigkeit der Zentralbank, die auch die Regierungen respektieren müssen". Er wolle daher nur sagen, dass die EZB das klare Mandat habe, und dieses Mandat ziele insbesondere und vor allem darauf ab, Preisstabilität in der Eurozone zu sichern.

Existenzielles Rettungsinteresse

In dem Interview aus Anlass einer Finanzministerkonferenz Asien-Europa (ASEM) in Thailand unterstrich Schäuble in Hinblick auf die hohen Kosten der Krisenbekämpfung in der Eurozone, gerade auch für Deutschland, alle Mitglieder des Währungsraums hätten ein existenzielles Interesse an dessen Stabilisierung. Die Existenz des dauerhaften Schutzschirmes sei ein starkes Symbol der Solidarität der Euro-Länder untereinander.

"Generell gilt: alles, was Europa stärker macht, ist auch in Deutschlands Interesse", sagte er. Schäuble nimmt an dem ASEM-Treffen in Bangkok teil und will dort dafür werben, dass die Euro-Länder dabei sind, ihre Krise zu überwinden und damit letztlich auch den Euro für die Zukunft als starke Währung zu erhalten.

Die Angst der Sparer und Verbraucher

Akute Sorgen um einen Verlust der Kaufkraft müssen sich die Verbraucher in Deutschland derzeit nicht machen. Jüngsten Angaben aus dem Statistischen Bundesamt zufolge hatten die deutschen Arbeitnehmer im zweiten Quartal unterm Strich sogar wieder etwas mehr Geld in der Tasche.

Die Reallöhne stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozent. Im ersten Quartal hatten die Statistiker keinen Lohnanstieg feststellen können. Die Nominallöhne - also die Einkommen ohne ein Herausrechnen der Inflation - legten von April bis Juni um 2,5 Prozent zu. Die Teuerungsrate lag in diesem Zeitraum bei 1,9 Prozent - also unterhalb der Schwelle, ab der die EZB die Preisstabilität gefährdet sieht. Im September lag der Preisauftrieb den amtlichen Daten zufolge im Vergleich zum Vorjahresmonat .

Auf lange Sicht machen sich die inflationären Entwicklungen allerdings durchaus bemerkbar: So haben zum Beispiel Rentner in Deutschland seit der Jahrtausendwende offenbar etwa ein Fünftel ihrer Kaufkraft eingebüßt. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, aus der die "Thüringer Allgemeine" am Wochenende zitierte. Demnach sank die Kaufkraft der Rentner im Osten um knapp 22 Prozent, im Westen um rund 17 Prozent.

Rund 20 Prozent in zwölf Jahren

Die durchschnittlichen Auszahlungen an die Rentner nach Abzug aller Sozialbeiträge lagen den Angaben zufolge in den alten Bundesländern zuletzt bei 1062 Euro und in den neuen Ländern bei 1047 Euro. Damit stiegen die Auszahlbeträge absolut in den alten Ländern seit 2000 um 17 Euro, während sie im Osten um 23 Euro sanken. Gleichzeitig stiegen im selben Zeitraum die Verbraucherpreise aber um etwa 20 Prozent. Dies erklärt den großen Kaufkraftverlust von 17 beziehungsweise 22 Prozent.

Quelle: ntv.de, AFP/rts

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