Wirtschaft

Weltgrößter Kernenergie-Konzern Siemens belastet Areva

Der angekündigte Ausstieg des deutschen Elektrokonzerns Siemens aus dem Reaktorbauer Areva NP kostet die französische Areva 2,05 Mrd. Euro. Und auch beim Bau eines Druckwasserreaktors in Finnland kämpfen die Franzosen mit Problemen.

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Areva-Chefin Anne Lauvergeon (rechts) mit ihrem Kollegen Alain-Pierre Raynaud, im Konzern zuständig für die Finanzen (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Der Rückzug der Deutschen treibe die Nettoverschuldung im ersten Halbjahr 2009 von 5,5 Mrd. auf 6,41 Mrd. Euro in die Höhe, teilte der weltgrößte Atomtechnikkonzern in Paris mit. Das Eigenkapital sei parallel von 7,29 Mrd. auf 6,69 Mrd. Euro gesunken.

Siemens hatte im Januar angekündigt, seine Option zum Verkauf seiner 34 Prozent Areva-NP-Anteile an Areva ziehen zu wollen. Der deutsche Elektrokonzern sucht dafür im Reaktorbau eine Partnerschaft mit den Russen. Areva habe aber mit Siemens "ein neues langfristiges Partnerschaftsabkommen unterzeichnet, das die Kontinuität unserer Zusammenarbeit im Bereich der Kontrollsysteme für Atomreaktoren sichert", erklärte die Areva SA.

Nach dem Ausstieg von Siemens plant Areva die Öffnung des Kapitals für neue Aktionäre. Interesse an einem Einstieg wird unter anderem Mitsubishi Heavy Industries nachgesagt. Der Staat hält bisher 90 Prozent des Kapitals. Areva benötigt je nach Investitionsplänen bis 2012 rund acht bis zwölf Milliarden Euro.

Kernreaktor in Finnland

Angesichts ausufernder Milliardenverluste zieht der französische Atomtechnikkonzern beim Bau des weltweit ersten Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) in Finnland die Notbremse. Areva drohte, die letzten Bauphasen so lange auf Eis zu legen, bis der finnische Partner TVO neuen Vereinbarungen über Fristen, Kosten und Praktiken zustimme.

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Der Europäische Druckwasserreaktor (EPR) ist ein deutsch-französisches Kind - und sowohl am Standort Olkiluoto als auch im französischen Flamanville (Bild) reichlich spät dran.

Man wolle "im Rahmen des Vertrags die Kundenbeziehung neu definieren, um ein effizienteres Projektmanagement" zu erreichen. "Wir wollen das Projekt nicht stoppen", sagte Konzernchefin Anne Lauvergeon. "Wir wollen nur erst mit den Schlussphasen der Arbeit beginnen, wenn TVO den Vorschlägen zugestimmt hat."

Im ersten Halbjahr 2009 stellte Areva weitere 550 Mio. Euro für den gemeinsam mit Siemens gebauten finnischen EPR zurück, der schon mehr als drei Jahre in Verzug ist. Damit addieren sich die Projektverluste bei den Franzosen auf 2,3 Mrd. Euro.

TVO fordert Geld von Siemens

Areva warf TVO vor, den Bau mit extrem langsamer Bearbeitung von Dokumenten zu verzögern und Vereinbarungen nicht einzuhalten. Das Verhalten des Kunden mache den Termin der Fertigstellung und die Kosten unsicher. Das Konsortium Areva-Siemens habe bereits eine Milliarde Euro Reklamationen an TVO gerichtet, heißt es. "Weitere Forderungen werden vorbereitet." Umgekehrt verlangt TVO Geld von Areva und Siemens.

Der operative Ertrag der Areva SA brach wegen der Rückstellungen im ersten Halbjahr von 539 Mio. auf 16 Mio. Euro ein. Der Überschuss schmolz von 760 Mio. auf 161 Mio. Euro zusammen. Der Umsatz stieg aber um 5,7 Prozent auf 6,52 Mrd. Euro. Der Auftragsbestand wuchs um 28 Prozent auf 48,88 Mrd. Euro.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa