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Auto erkennt Tests So funktioniert der VW-Abgas-Trick

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Moderne Autos können erkennen, ob sie getestet werden. Dass sich nur VW diesen Umstand zunutze gemacht hat, erscheint unwahrscheinlich.

VW hat Hunderttausende Fahrzeuge in den USA so manipuliert, dass sie in Testläufen wesentlich weniger Schadstoffe produzieren als unter realen Bedingungen. Doch wie funktioniert der Trick mit den sauberen Abgasen?

Europas größter Automobilkonzern hat es gewagt, sich mit der Epa, der Environmental Protection Agency, anzulegen. Die strenge US-Behörde, die Fahrzeuge auf ihre Schadstoffemissionen prüft, hatte in der Vergangenheit eigentlich keine Zweifel daran gelassen, ein schlechter Partner für Spielchen dieser Art zu sein. Zahlreiche Automobilkonzerne belegte die Epa teils mit drakonischen Strafen. VW hat es dennoch versucht.

VW Vorzüge
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Doch warum eigentlich und wie? Volkswagen möchte der größte Automobilhersteller der Welt werden. Dabei ist der Markt in den USA entscheidend und auf diesem wollten die Wolfsburger in den vergangenen Jahren verstärkt Dieselmotoren platzieren. Das Problem: Dieselmotoren produzieren vergleichsweise viel Schadstoffe und die Epa drückt kein Auge zu. Die Emissionslimits sind wesentlich strenger als in Europa. Auch wenn der Spritverbrauch in den USA egal zu sein scheint - pro Meile (1,6 Kilometer) dürfen Autos nur 50 Milligramm Stickoxide ausstoßen. Das ist etwa die Hälfte dessen, was die Euro-6-Norm erlaubt.

Um diese Werte zu erreichen, müssen die Abgase von Dieselfahrzeugen aufwendig gefiltert und behandelt werden. Neben einem Partikelfilter kommt dabei etwa ein System zum Einsatz, das eine geruchslose Harnstofflösung (Adblue) in das Abgas einspritzt. Diese verwandelt die giftigen Stickstoffoxide in Wasserdampf und Stickstoff um. Und genau bei diesem System hat Volkswagen offenbar getrickst.

Adblue soll gespart werden

Getestet werden die Fahrzeuge unter den immer gleichen Laborbedingungen, bei denen unterschiedliche Fahrsituationen simuliert werden. In der Realität sieht ein Auto-Leben jedoch anders aus. Bei starken Steigungen etwa, wenn der Fahrer viel Gas gibt, werden besonders große Kraftstofftropfen im Motor verbrannt. Die Folge: Mehr giftige Abgase und Ruß entstehen. Das Adblue-System muss stärker nachkorrigieren, was dazu führen kann, dass der Fünf-Liter-Kanister mit dem Harnstoff schnell leer ist. Dann wird ein Werkstatt-Besuch fällig, denn Adblue kann nur ein Mechaniker nachfüllen - ist der Tank komplett leer, verhindert eine Sperre gar, dass der Wagen überhaupt gestartet werden kann. Das ist umständlich und teuer und könnte die Fahrzeuge letztendlich unattraktiv machen. Das war offenbar das Kalkül in Wolfsburg.

Was sich Volkswagen dann ausgedacht hat, lässt sich im offiziellen Beschwerdeschreiben der Epa nachlesen: Es geht um einen "Switch". Der macht sich die immer gleichen Laborbedingungen und das Adblue-System zunutze. "Der Schalter bemerkt, ob das Auto getestet wird oder nicht", schreibt die Epa. Das Auto registriert die Stellung des Lenkrades, bestimmte Beschleunigungsmuster, Geschwindigkeiten, ja sogar den Luftdruck der Reifen und folgert: Es findet ein Test statt.

Dann legt der "Switch", eine Software in der Fahrzeugsteuerung, auf "Dyno Calibration", auf das Sparprogramm um. Jetzt kann jede Menge Adblue verblasen werden, um die Testwerte zu schönen. Ist der Test vorbei, wechselt das Auto wieder in "Road Calibration", um Adblue zu sparen und den nächsten Werkstattbesuch in möglichst weite Ferne zu rücken. Die Folge: Die giftigen Stickstoffoxid-Emissionen steigen auf das von der Epa beschriebene bis zu 40-Fache.

Quelle: n-tv.de

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