Wirtschaft
Mittwoch, 03. Februar 2010

Stichtag 31. März: Solarbranche braucht Wärme

Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und Schneemassen auf den Dächern bremsen die Installation von Solaranlagen. Das könnte zum Problem werden, denn ab 1. April droht eine geringere Förderung des Solarstroms. Die Anlagen müssen deshalb bis Ende März am Netz sein.

Ab aufs Dach: Im Winter sind Solarinstallationen schwierig.
Ab aufs Dach: Im Winter sind Solarinstallationen schwierig.(Foto: picture alliance / dpa)

Der strenge Winter lässt die großen deutschen Solaranlagenhersteller bislang kalt. "Unsere Produktion ist voll ausgelastet, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden", sagte eine Sprecherin des Wechselrichterspezialisten SMA Solar aus Niestetal bei Kassel. Auch die Produktion der Bonner Solarworld läuft nach Angaben eines Sprechers weiter auf Hochtouren. Der Zellenhersteller Q-Cells spürt bislang ebenfalls keine wetterbedingten Einflüsse auf sein Geschäft.

Probleme haben hingegen die Installateure, die bestellten Module bei den Schneemassen in weiten Teilen des Landes auf die Dächer zu bringen. Auch das Photovoltaik-Unternehmen Phoenix Solar, das einen großen Teil seines Geschäfts mit der Projektierung und dem Bau von Großkraftwerken macht, leidet unter dem Winter. "Derzeit geht fast gar nichts, wir können bei den Schneemassen nicht bauen", berichtet Vorstandschef Andreas Hänel. "Wir sehnen besseres Wetter dringend herbei." Schon im vergangenen Jahr hatte der lange Winter der TecDax- Gesellschaft das Geschäft im ersten Quartal verdorben und zu einem Verlust geführt.

Damoklesschwert geringere Solarstromförderung 

Bundesumweltminister Röttgen: Wohin geht die Solarstromförderung?
Bundesumweltminister Röttgen: Wohin geht die Solarstromförderung?(Foto: picture alliance / dpa)

Die Installateure stehen wegen der von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) vom 1. April an geplanten zusätzlichen Senkung der Solarstromförderung unter einem besonderen Zeitdruck. Sollte die Einspeisevergütung wie von der Bundesregierung geplant sinken, würden nur noch Dachanlagen, die bis Ende März am Netz sind, großzügiger gefördert. Alles was danach kommt, müsste mit den zusätzlichen Einschnitten leben.

Dagegen laufen die Solarunternehmen Sturm. Sie halten die Kürzung für zu hoch und zu früh. Die Branche befürchtet nach der Kürzung einen herben Einbruch ihres Geschäfts und einen erneuten heftigen Preisverfall, der viele Unternehmen an den Rand ihrer Existenz bringen könnte. Inzwischen mehren sich die Stimmen etwa aus der FDP, die die Einschnitte abmildern oder zumindest zeitlich verschieben wollen. Verbraucherschützer hatten eine noch stärkere Degression gefordert, da die Solarförderung über das Einspeisegesetz auf alle Stromverbraucher umgelegt wird.

Rendite von bis zu acht Prozent erzielbar

Die Fachzeitschrift "Photon" hält dagegen die geplanten Einschnitte für verkraftbar. Es gebe komplett in Deutschland gefertigte Solarmodule für 1,50 bis 1,70 Euro pro Watt zu kaufen, so dass Hauseigentümer eine fertig installierte Anlage für 2200 bis 2700 Euro pro Kilowatt von ihrem Installateur bekommen könnten, sagt "Photon"-Experte Bernd Schüßler. "Damit kann der Hauseigentümer, auch wenn die Vergütung um 20 Prozent zusätzlich reduziert würde, eine Rendite von 5 bis 8 Prozent erzielen."

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Quelle: n-tv.de