Wirtschaft

"EZB-Kandidatur hat sich erledigt" Spekulationen um Axel Weber

Bundesbank-Chef Axel Weber steht angeblich nicht mehr für den EZB-Chefposten zur Verfügung. Webers Kandidatur sei "nicht mehr auf der Agenda", zitiert eine Nachrichtenagentur mit den Vorgängen vertraute Kreise. Die Bundesbank will die Meldung nicht kommentieren, dementiert aber Gerüchte über einen Rücktritt Webers.

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Axel Weber gilt als geldpolitischer Hardliner.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bundesbank-Präsident Axel Weber gibt das Rennen um den EZB-Chefposten angeblich auf. "Die EZB-Kandidatur Webers hat sich erledigt", soll eine mit dem Vorgang vertraute Person Reuters gesagt haben. Andere Personen aus dem Umfeld der Euro-Zone sollen dies bestätigt haben, heißt es.

Eine Sprecherin der Notenbank bestätigte diese Meldungen nicht. Die Bundesbank dementierte aber Gerüchte über einen Rücktritt Webers von der Bundesbank. Sie plane auch keine Mitteilung zur beruflichen Zukunft ihres Präsidenten, heißt es in einer Mitteilung. Insider berichten laut Reuters , dass Weber sich schon bald bei der Bundesbank zurückziehen werde.

"Keine zweite Amtszeit"

Wie die Nachrichtenagentur dpa meldet, plant Weber möglicherweise seinen Abschied  für 2012. Weber habe in einer vertraulichen Runde am Dienstagabend angedeutet, dass er "nicht unbedingt eine zweite Amtszeit" bei der Deutschen Bundesbank anstrebe, zitiert dpa Bundesbank-Kreise.

Weitere Details und Hintergründe wurden zunächst nicht bekannt. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, der 53-Jährige wolle zur Deutschen Bank wechseln. Der oberste Deutsch-Banker Ackermann hört spätestens zur Hauptversammlung 2013 auf. Zu einem möglichen Wechsel Webers zur größten deutschen Bank wollten sich weder die Bundesbank noch die Deutsche Bank äußern. Weber selbst verzichtete auf eine persönliche Erklärung zu seiner beruflichen Zukunft. An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht für einen deutlichen Rückgang des Euro-Kurses. Die europäische Gemeinschaftswährung gab auf 1,3614 Dollar nach.

Draghi oder Weber -Taube oder Falke?

Weber ist eine der lautesten und einflussreichsten Stimmen im EZB-Rat, der über die Geldpolitik für die Euro-Zone entscheidet. Er gilt als geldpolitischer Hardliner, der in der Hochzins-Tradition der Bundesbank steht. Weber ist bekannt als Freund klarer Worte, der auch den Konflikt nicht scheut. So fing er sich beispielsweise mit seiner harschen öffentlichen Kritik an dem auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise beschlossenen Ankaufprogramm für Staatsanleihen eine öffentliche Rüge von EZB-Chef Trichet ein.

Der 53 Jahre alte Wirtschaftsprofessor führt die Notenbank seit dem 30. April 2004, seine Amtszeit beträgt acht Jahre. Weber war zusammen mit dem Chef der italienischen Nationalbank Mario Draghi als potenzieller Nachfolger von Trichet hoch gehandelt worden. Der Nachfolger von Trichet soll bereits am 1. November sein Amt antreten.

"Überraschung, aber kein Beinbruch"

Analysten reagierten entsprechend überrascht auf die Meldungen: "Am Markt war damit gerechnet worden, dass es in Richtung Weber läuft, und deswegen ist diese Nachricht nun schon eine gewisse Überraschung", sagte der Devisenanalyst Christian Reicherter von der DZ Bank. "Wenn es nun Draghi werden wird, behält die EZB sicherlich ihre Politik bei, was die Preisstabilität angeht. Weber, der als Falke gilt, hätte aber eher als Garant dafür gegolten, dass die EZB die Tradition der Bundesbank fortsetzt."

Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt bei der BremerLandesbank sagte: "Das ist eine Überraschung, aber kein Beinbruch." Die Stabilitätspolitik der EZB werde dadurch nicht infrage gestellt.

Quelle: ntv.de, ddi/rts/dpa

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