Wirtschaft

Internetgeschäft vor Print Springer forciert Digitalisierung

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(Foto: picture alliance / dpa)

Der Medienkonzern Axel Springer will das Digitalgeschäft schneller und stärker ausbauen als bisher. Wegen der Aufwendungen für den digitalen Ausbau und der Strukturanpassungen im Printbereich nimmt der Vorstand auch einen Gewinnrückgang in Kauf. Börsianern gefällt das nicht. Die Aktie gerät unter Druck.

Investitionen in das erfolgversprechende digitale Geschäft werden dem Verlagshaus Axel Springer ("Bild", "Die Welt") in diesem Jahr eine Delle in der Bilanz hinterlassen. Der Bereich Digitale Medien wächst und überholte 2012 erstmals das Print-Geschäft des "Bild"-Zeitung-Herausgebers. Damit das Wachstum weitergeht, nimmt Springer 2013 auf Kosten des Gewinns frisches Geld in die Hand. Das operative Ergebnis wird deshalb "leicht" zurückgehen. Hinzu kommen Kosten für das darbende Print-Geschäft. An der Börse kam diese Ankündigung nicht gut an, der Aktienkurs fiel am Morgen um rund 6 Prozent.

Die Bedeutung digitaler Medien für Springer ist unbestritten. In Zeiten des Zeitungssterbens konnte der Herausgeber der "Bild"-Zeitung oder der "Welt" dank seiner Internetangebote den Umsatz um 3,9 Prozent auf 3,31 Mrd. Euro steigern, das operative Ergebnis legte um 5,8 Prozent auf 628 Mio. Euro zu. Damit erreichte der Verlag sein eigenes Ziele, den Umsatz mit einer einstelligen Rate zu steigern und beim operativen Ergebnis den Wert des Jahres 2011 zu übertreffen.

Digitalisierung zahlt sich aus

Die digitalen Medien mit der Online-Stellenbörse "Stepstone" oder dem Stellenmarkt "Immonet" steigerten ihre Einnahmen dabei um 22 Prozent auf 1,17 Mrd. Euro. Während die Umsätze mit Zeitungen und Zeitschriften zurückgingen, legten die Erlöse der Online-Rubrikenportale fast um die Hälfte und die der journalistischen Internetangebote immerhin noch um 28 Prozent zu. Das Konzernergebnis, das Minderheitsanteile einschließt, fiel allerdings auf Grund von Sondereffekten mit 275,8 Mio. Euro unter die 289,4 Mio. Euro des Jahres 2011.

Springer-Chef Mathias Döpfner kündigte an, den digitalen Umbau des gesamten Unternehmens weiter forcieren zu wollen. Details blieb er aber zunächst schuldig. Im laufenden Jahr rechnet Springer mit einem weiteren Umsatzanstieg im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Das wird aber nur gelingen, wenn es keine signifikante Beschleunigung der strukturell rückläufigen Trends im Printgeschäft geben wird.

Gewinn wird schrumpfen

Für die digitalen Medien sieht Springer ein weiteres organisches Wachstum, setzt aber auch auf Akquisitionen. Auch die Werbeerlöse, die schon jetzt zu mehr als der Hälfte in digitalen Medien erwirtschaftet werden, sollen zulegen.

Es sind aber nicht nur die Investitionen, die 2013 eine Delle in der Springer-Bilanz hinterlassen werden. Wegen der Schwäche im Print-Bereich kündigte das Unternehmen hier "signifikante Aufwendungen für Strukturanpassungen" an. Auch hier nannte das Unternehmen bisher keine Details.

Aktienkurs unter Druck

An der Börse bemängelten Marktteilnehmer nicht nur den schwachen Ausblick. Auch die Dividende stieß auf Kritik. Entgegen den Erwartungen hebt der Berliner Medienkonzern seine Ausschüttung nicht an, sondern belässt sie mit 1,70 Euro je Aktie unverändert. Der Markt hatte mit 1,80 Euro gerechnet. "Das deutet auf Vorsicht im Management hin", meint ein Marktteilnehmer. Die Zahlen für das vergangene Jahr seien dagegen etwas besser ausgefallen als erwartet.

Ein Analyst richtet den Blick noch weiter voraus. Auch wenn die Gewinne 2013 zurückgehen könnten, verweist DZ-Bank-Analyst Harald Heider darauf, dass in der Zeit danach wieder mehr bei Springer hängen bleiben dürfte. Dann würden die Früchte des Umbaus eingefahren. Der Analyst empfiehlt die Aktie deshalb zum Kauf mit einem Kursziel von 42,50 Euro, sieht also ein Kurspotenzial von 25 Prozent.

Aktienanalyst Heino Ruland dämpft diese Einschätzung allerdings etwas. Springer müsse beweisen, dass der Konzern die zugekauften Unternehmen auch erfolgreich integrieren kann. "Und ob das so reibungslos läuft wie geplant, ist erfahrungsgemäß keineswegs sicher."

Quelle: ntv.de, DJ

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