Wirtschaft

Schuldenkrise traktiert Konjunktur Stark: Kernstaaten im Strudel

Seit Wochen warnen Ökonomen und Banker vor der Ansteckungsgefahren hinsichtlich der Schuldenkrise. Für Noch-EZB-Chefvolkswirt Stark ist die Lage klar: Seiner Meinung nach sind die Kernstaaten der Eurozone bereits betroffen. Die deutschen Privatbanken drohen damit, klammen Staaten den Geldhahn zuzudrehen.

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Jürgen Stark zeichnet ein düsteres Bild vom Stand der Schuldenkrise.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der scheidende Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, sieht nicht mehr nur die Peripherie im Süden und Westen der Eurozone im Krisenstrudel. Die Schuldenkrise habe sich auf die sogenannten Kernstaaten der Eurozone ausgeweitet, sagte er in der irischen Hauptstadt Dublin. Zudem wüchsen die Sorgen, dass die Krise sich langfristig auf Wachstum und Beschäftigung auswirke.

Auf kurze Sicht dürfte das Wachstum im vierten Quartal bereits deutlich gedämpft ausfallen. Schuld daran sei aber nicht nur die Lage in Europa, ergänzte er. Weltweit sei ein starker konjunktureller Gegenwind zu spüren. Allerdings gehe die EZB nur von einer vorübergehenden Schwächephase aus. Das Gerede über eine Rezession müsse vermieden werden.

Unterdessen drohen die deutschen Privatbanken damit, klammen Staaten den Geldhahn zuzudrehen. Es sei in Zukunft nicht mehr selbstverständlich, dass ein Land seinen Haushalt über die Kapitalmärkte finanzieren könne, sagte der Präsident des Bankenverbandes (BdB), Andreas Schmitz. "Das Verhalten der Marktteilnehmer wird sich ändern", warnte er und verwies zur Begründung auf das höhere Risiko von Staatsanleihen und die Folgen der schärferen Regulierung. "Die Refinanzierung der Staaten wird in Zukunft deutlich teurer, als sie heute ist." Das werde die Verschuldungsprobleme vielerorts noch verschärfen.          

Angst vor immer größeren Belastungen

"Wir stehen vor einem Wendepunkt in der Bewertung von öffentlichen Haushalten und der Verschuldung von Staaten", sagte Schmitz weiter. Ob Banken sich noch auf Staatsanleihen einlassen, hänge mehr denn je von einer soliden Finanzpolitik ab. Jeder Staat sei aufgerufen, über seine Einnahmen und Ausgaben nachzudenken. Da gebe es großen Nachholbedarf, das Misstrauen der Investoren sei groß. Anders lasse sich nicht erklären, dass niemand im Moment neue Bonds zeichne, nicht einmal Anleihen des neuen Euro-Rettungsschirm EFSF. "Es gibt ganz einfach keine Käufer im Moment", so Schmitz.

Angesichts des massiven Wertverfalls der Staatsanleihen aus den Euro-Schuldenländern und des Schuldenschnitts für private Gläubiger in Griechenland ist die Verunsicherung bei den Banken groß. Aus Angst vor immer größeren Belastungen hatten viele Institute zuletzt unumwunden zugegeben, ihr Engagement in den angezählten Staaten abzubauen und keine neuen europäischen Bonds der Länder mehr zu kaufen. Offen ist auch, ob die Banken Staatsanleihen künftig mit Eigenkapital unterlegen müssen, weil die Anlagen nicht mehr als risikofrei eingestuft werden können. Das würde zusätzliche Kraft kosten.

Quelle: ntv.de, wne/rts