Wirtschaft

Draghi und Yellen sind ruhig Steht ein Währungskrieg bevor?

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Janet Yellen und Mario Draghi.

(Foto: picture alliance / dpa)

Anleger warten auf die nächste Runde geldpolitischer Verschärfungen. Doch EZB-Präsident Draghi und Fed-Chefin Yellen halten sich zurück - aus Angst vor einer Aufwertung der eigenen Währung?

 

Der Euro überrascht mal wieder alle. Noch Ende 2016 haben zahlreiche Analysten die Parität von Dollar und Euro ausgerufen, die aber anschließend nie gekommen ist. Nun steht die europäische Einheitswährung deutlich höher bei rund 1,19 US-Dollar, in der Spitze waren es vergangene Woche mehr als 1,20 US-Dollar. Aber nicht nur diese Wertsteigerung verwundert, sondern auch die Reaktion der Notenbanker. EZB-Chef Mario Draghi versucht erst gar nicht, den Euro wieder schwach zu reden. Er hält sein Pulver trocken, möglichweise um Spannungen zu vermeiden und einen Währungskrieg nicht neu zu entfachen. Denn dieser könnte drohen, nachdem das Zusammenspiel der großen Notenbanken etwas aus dem Ruder gelaufen ist.

Aber auch die US-Notenbankchefin Janet Yellen äußerte sich auf dem vor kurzem zu Ende gegangenen Notenbank-Symposium in Jackson Hole, USA nicht zur anstehenden Geldpolitik. Dabei war diese Tagung häufig der Ort, an dem wegweisende Zentralbankentscheidungen verkündet wurden. Yellens Vorgänger Ben Bernanke etwa nutzte Jackson Hole, um einen Kurswechsel in der US-Geldpolitik anzukündigen. Einzig der japanische Notenbankchef Haruhiko Kuroda traute sich diesmal. In einem Interview sagte er, dass Japan nicht darüber nachdenke, seine stimulierende Geldpolitik zu ändern. War das bereits ein Hinweis auf einen schwächeren Yen?

Globale Geldpolitik im Fokus

In der Finanzkrise ab 2008 waren solche Aussagen, auch von Draghi, nicht unüblich, um seine Währung "schwach zu reden". Neben der Zinsentwicklung steht die Währung im Fokus der Notenbanker. Im Gegensatz zu 2008 wollen die drei bedeutenden Notenbanker ihre Währung nicht zu sehr stärken, um Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Wirtschaftsregionen zu bekommen. Denn das Umfeld hat sich gedreht und die Weltwirtschaft erscheint heute so robust wie lange nicht mehr. "Die deutsche Wirtschaft sollte in den kommenden Quartalen ihren Wachstumskurs fortsetzen, auch wenn die Dynamik etwas nachlassen dürfte", meint daher Klaus Bauknecht, Chef-Volkswirt der IKB Deutsche Industriebank. Aber auch Europa hat wirtschaftlich kräftig aufgeholt, diese Entwicklung hat das Gefüge der Zentralbanken durcheinander gewirbelt. Denn nun könnte die EZB noch vor der Fed den nächsten restriktiven geldpolitischen Schritt unternehmen, obwohl die USA im Konjunkturzyklus eigentlich vor allen anderen Regionen liegt. Dort gab es im vergangenen Dezember zuerst die Rückführung der ultra-expansiven Geldpolitik.

Was macht Trump?

Da auch die USA noch sehr robust wächst, ist eigentlich mit weiteren Schritten zu rechnen gewesen. Doch die Unsicherheit über die Trumpsche Fiskal- und Geopolitik lässt Yellen erst einmal abwarten. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung in diesem Jahr ist, gemessen an den Fed Fund Futures, auf rund 30 Prozent gefallen. Und so bemüht sich auch Draghi keine Anstrengungen zu unternehmen, um die bessere Wirtschaftsentwicklung zu loben und den Euro nicht weiter zu stärken. Vielleicht hilft ihm die moderate Inflationsentwicklung, um eine restriktivere Geldpolitik zu verhindern. In Euroland stagnierte sie nämlich zuletzt.

Nach dem kräftigen Euro-Anstieg scheint das Aufwärtspotenzial kurzfristig ausgereizt zu sein, was nicht nur Draghi, sondern auch Anleger freuen würde, die auf einen fallenden Euro setzen wollen. Die Möglichkeiten hierfür sind vielfältig, auch über außerbörslich agierende Forex-Broker, die speziell Handelskonten für den Devisenhandel anbieten. Einfacher ist es, Knock-outs oder andere verbriefte Wertpapiere auf Devisen aus dem herkömmlichen Depot einer Bank oder einem Online-Broker heraus zu handeln. Wer dann noch über eine Börse wie etwa Gettex handelt, kann die Vorteile der Regulierung einer Börse in einem sonst eher unregulierten Devisenmarkt nutzen. Beim börslichen Handel findet nämlich eine kontinuierliche Überwachung des Handels statt.

Quelle: n-tv.de