Wirtschaft

Wer hat, dem wird gegeben Steuereinnahmen verbergen Erben-Problem

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Das Vermögen von Wohlhabenden steckt zu einem großen Teil in Immobilien.

(Foto: imago images/Jürgen Ritter)

Der Fiskus nimmt im vergangenen Jahr 8,5 Milliarden Euro durch Steuern auf Erbschaften und Schenkungen ein. Das ist deutlich weniger als mit der Tabaksteuer. Reich wird man in Deutschland seltener durch Arbeit und häufiger durch Erbschaft.

Erben haben in Deutschland im vergangenen Jahr auf ihr Erbe deutlich mehr Steuern gezahlt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, nahmen die Finanzverwaltungen 2020 fast ein Fünftel mehr Erbschafts- und Schenkungssteuer ein als im Vorjahr. Auf Erbschaften und Schenkungen in Höhe von 84,4 Milliarden Euro zahlten die Bürger 8,5 Milliarden Euro Steuern - dabei entfielen 6,8 Milliarden Euro auf die Erbschafts- und 1,8 Milliarden Euro auf die Schenkungsteuer.

Doch hinter diesen Zahlen steckt ein Problem: Verglichen mit dem tatsächlich übertragenen Vermögen sind sie Peanuts. Denn wie viel insgesamt vererbt wurde, können die Statistiker nicht genau sagen: Die meisten Erbschaften und Schenkungen liegen unterhalb der hohen Freibeträge, sie tauchen in den Zahlen der Finanzverwaltungen daher gar nicht erst auf. So können Ehepartner bis zu 500.000 Euro und die eigenen Kinder bis zu 400.000 Euro erben, ohne dafür Steuern zu zahlen.

Außerdem können bei Schenkungen die gleichen Freibeträge in Anspruch genommen werden - und das alle zehn Jahre. Bei Kindern sind es also 400.000 Euro pro Elternteil. Das heißt, dass sie von ihren Eltern alle zehn Jahre bis zu 800.000 Euro steuerfrei geschenkt bekommen können.

Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge werden pro Jahr in Deutschland bis zu 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt. Davon geht fast die Hälfte des Erbschafts- und Schenkungsvolumens an die reichsten 10 Prozent der Begünstigten. Die anderen 90 Prozent teilt sich die verbleibende Hälfte.

Hälfte der Deutschen besitzt weniger als 22.800 Euro

Im vergangenen Jahr wurden dem Statistischen Bundesamt zufolge unter anderem mehr Erbschaften von Grundstücken oder Anteilen von Kapitalgesellschaften besteuert. Betriebsvermögen dagegen wurde seltener so vererbt, dass die Erben dafür Steuern zahlen mussten.

Nach einer gemeinsamen Studie des DIW, der Universität Vechta und des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) haben hierzulande in den vergangenen 15 Jahren rund zehn Prozent aller Erwachsenen geerbt oder eine größere Schenkung erhalten. Im Schnitt belief sich das Erbe inflationsbereinigt pro Person auf rund 85.000 Euro, bei Schenkungen auf 89.000 Euro. Gegenüber dem Jahr 2001 erhöhte sich die Durchschnittssumme um jeweils etwa 20 Prozent. Verglichen wurde der Zeitraum 1986 bis 2001 mit den Jahren 2002 bis 2017. Befragt wurden 15.000 Haushalte im Rahmen des sogenannten Sozio-ökonomischen Panels (SOEP), einer jährlich wiederholten repräsentativen Befragung.

Zur Einordnung: Dem SOEP zufolge gehört man in Deutschland mit einem Nettovermögen von 22.800 Euro zur vermögenderen Hälfte der Bevölkerung - dafür reicht etwa ein abbezahlter Neuwagen. Wer ein Nettovermögen von 126.000 Euro besitzt, gehört zum reichsten Viertel der Deutschen. Mit 279.000 Euro zählt man zu den reichsten zehn Prozent, mit 438.000 Euro zu den reichsten 5 Prozent. Das entspricht beispielsweise einem hypothekenfreien Reihenhaus oder einer Eigentumswohnung.

Quelle: ntv.de, jga/dpa

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