Wirtschaft

Mit Dividende auf Sparkurs Telekom kürzt im Ausland

Die Krise ist noch nicht vorbei, sagt Telekom-Chef Rene Obermann. Gespart wird daher weiterhin, und auch größere Einkaufstouren fallen im laufenden Jahr aus. Wenn die Banken jedoch grünes Licht geben, bestehen offenbar gute Aussichten, wenigstens das Problemkind Nummer eins in die Selbstständigkeit zu entlassen.

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Trockene Zahlen: Rene Obermann trinkt Wasser.

(Foto: AP)

Die Deutsche Telekom wird auch in den kommenden Jahren ihr striktes Sparprogramm fortsetzen. Von 2010 bis 2012 soll die Kostenbasis um weitere 4,2 Mrd. Euro gekappt werden, kündigte Telekom-Chef René Obermann bei der Vorlage der Jahresbilanz an. Anders als in den Jahren zuvor sollen die Kürzungen diesmal auch die ausländischen Telekom-Gesellschaften betreffen.

Wie viele Arbeitsplätze von diesem Sparmaßnahmen betroffen sein werden, wurde nicht näher erläutert. Seit 2006 bis heute hat die Telekom eigenen Angaben zufolge rund sechs Milliarden Euro eingespart. Dabei fielen mehrere zehntausend Stellen dem Rotstift zum Opfer. Der Personalumbau sei aber sozialverträglich umgesetzt worden, betonte Obermann.

Laut Finanzvorstand Timotheus Höttges will die Telekom mit Blick auf das neue Sparprogramm bereits 2010 brutto zwei Milliarden Euro einsparen. Angaben Obermanns zufolge werden die Investitionen im laufenden Jahr leicht über dem Niveau von 2009 liegen. Große Übernahmen schloss der Telekom-Chef aus: Es werde keine "Multi-Milliarden-Akquisitionen" geben, sagte er.

Noch nicht durch

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"Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist noch nicht bewältigt."

(Foto: AP)

Im Telekom-Vorstand rechnet man offenbar nicht mit einer schnellen Erholung der Konjunktur. "Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist noch nicht bewältigt", sagte Obermann. Zuvor hatte der Dax-Konzern mitgeteilt, im laufenden Jahr einen leichten Rückgang beim operativen Gewinn zu erwarten. Auch der freie Cashflow soll 2010 im Vergleich zum Vorjahr sinken.

Das Bonner Unternehmen verwies darauf, dass der Ausblick T-Mobile UK für das gesamte Jahr als vollkonsolidierte Gesellschaft enthält, da man nicht genau wisse, wann hier das geplante Joint Venture zum Tragen komme. Die Telekom will T-Mobile UK in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der France-Telecom-Tochter Orange UK einbringen.

Der geplante Deal liegt derzeit zur Genehmigung bei der EU. Höttges sagte, die Telekom erwarte den Abschluss der Transaktion in ersten Jahreshälfte 2010, "falls es keine Rücküberweisung nach Großbritannien gibt".

Börsenpläne in den USA

Mit Blick auf das schwächelnde US-Geschäft gab sich der Manager kritisch. Man könne mit der Umsatzentwicklung weiterhin nicht zufrieden sein, so Höttges. Im abgelaufenen Jahr musste T-Mobile USA auf Dollarbasis einen Rückgang um 1,6 Prozent beim Umsatz hinnehmen, während das operative Ergebnis der Sparte um 4,5 Prozent zurückging.

Für die wachstumsschwache US-Mobilfunktochter sucht der Konzern weiter nach einer Lösung. Alle Optionen für T-Mobile USA - immerhin der viertgrößte Mobilfunker des Landes - würden geprüft. "Wir reden darüber mit Investmentbanken", sagte ein Telekom-Sprecher. Zunächst solle die Tochter aber aus eigener Kraft wachsen. Das wäre auch Voraussetzung für einen späteren Börsengang (IPO).

"Selbst wenn wir einen IPO machen wollten, müssten wir das Geschäft erst voranbringen", so der Sprecher. Vorstand und Aufsichtsrat des Bonner Konzerns hätten aber in der Sache noch nichts beschlossen und es sei auch noch keine Bank mandatiert. Berichte über entsprechende Pläne kursieren seit Anfang des Monats.

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Zufrieden mit der Präsentation: Obermann mit seinem Kollegen Timotheus Höttges.

(Foto: AP)

Hohe Abschreibungen ließen im Geschäftsjahr 2009 den Gewinn der Telekom einbrechen. Der Konzernüberschuss schrumpfte bedingt durch Wertminderungen auf Firmenwerte in Großbritannien und Südosteuropa um 76 Prozent auf rund 350 Mio. Euro. Dennoch habe das Unternehmen nach einem "holprigen Start" das Jahr 2009 mit guten Ergebnissen abgeschlossen, erklärte Obermann. Der Umsatz erhöhte sich um knapp fünf Prozent auf 64,6 Mrd. Euro und der bereinigte Gewinn vor Zinsen Steuern und Abschreibungen um 6,2 Prozent auf 20,7 Mrd. Euro.

Vertrauensbildende Dividende

Seinen Aktionären will der Konzern in den kommenden Jahren eine Mindest-Dividende zahlen. Vorgesehen sei ein Betrag von mindestens 70 Cent je Anteilsschein für die Jahre 2010 bis 2012, teilte die Telekom mit. Für das vergangene Jahr will die Telekom den Anteilseignern demnach 78 Cent je Aktie geben, und das obwohl der Gewinn um mehr als drei Viertel (76,2 Prozent) gegenüber 2008 auf 353 Mio. Euro eingebrochen war.

Der Gesamttopf für Ausschüttungen an die Aktionäre bis 2012 umfasse 10,2 Mrd. Euro - 3,4 Mrd. Euro für jedes Jahr, hieß es. Auch wolle der Konzern in dem Zeitraum eigene Aktien zurückkaufen. Mit der Mindest-Dividende und dem Rückkaufprogramm wolle der Konzern "das Vertrauen in die gute Entwicklung der Deutschen Telekom" unterstreichen, erklärte Konzernchef Obermann.

Die Telekom will mit dem Schritt offenbar das Vertrauen von Anlegern zurückgewinnen. Seit Jahren dümpelt der Kurs der Aktie bei zehn Euro. Während der Phase der Internet-Euphorie um die Jahrtausend-Wende war das Papier zeitweise umgerechnet über 100 Euro wert. Mit dem Ende der Hightech-Spekulationsblase stürzte auch die T-Aktie ab. Zahlreiche Privatanleger, die das als Papier ab Mitte der 90er Jahre gekauft hatten, verloren Geld.

Grund für den massiv geschrumpften Gewinn der Telekom im vergangenen Jahr seien Abschreibungen auf Teile des Auslandsgeschäfts, teilte der Konzern mit. Den Wert von Konzernteilen in Großbritannien und Südosteuropa habe die Telekom um 2,3 Mrd. Euro herabsetzen müssen. Dies habe "entscheidenden Einfluss" auf den Gewinneinbruch gehabt. In Großbritannien ist die Telekom mit ihrer Mobilfunktochter T-Mobile UK aktiv. Auch in Südosteuropa hat der Konzern Mobilfunktöchter. In Griechenland ist die Telekom an der ehemals staatlichen Telefongesellschaft OTE beteiligt.

Exodus zur Konkurrenz

Die Telekom verlor 2009 nach eigenen Angaben rund 2,1 Millionen klassische Telefonanschlüsse. Insgesamt kommt der Konzern damit im abgelaufenen Jahr noch auf 26,3 Millionen Festnetz-Kunden. Die Zahl der schnellen Internet-Anschlüsse dagegen stieg um 8,3 Prozent auf rund 11,5 Millionen. Bei seinem Geschäft mit Fernseh-Anschlüssen über die Internet-Leitung habe die Telekom 2009 ihr Ziel von insgesamt einer Million Vertragskunden erreicht, teilte der Konzern mit.

Die Kommunikationsbranche bezeichnet dieses sogenannte IPTV als "Fernsehen der Zukunft", weil es seinen Zuschauern eine Reihe von Vorteilen bietet. So ist es etwa möglich, das laufende Programm anzuhalten und nach einer Pause fortzusetzen, sich online Filme auszuleihen, Sendungen einfacher aufzunehmen oder Spartensender zu abonnieren. Die Programme laufen normal auf dem Fernseher, für den Empfang ist kein Computer notwendig.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/DJ/dpa/rts

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