Wirtschaft

Alles auf den Prüfstand Teyssen baut Eon radikal um

Deutschlands größter Versorger Eon steht vor einer tiefgreifenden Umstrukturierung. In den kommenden Jahren will Konzernchef Teyssen einem Pressebericht zufolge Schritt für Schritt alle Unternehmensbereiche auf Schwachstellen abklopfen und sich von enttäuschenden Teilen trennen.

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Eon-Chef Teyssen hat große Pläne.

(Foto: REUTERS)

Der neue Eon-Chef Johannes Teyssen will Deutschlands größten Energieversorger einem Magazinbericht zufolge radikal umbauen. Milliardenerlöse aus dem Verkauf wenig profitabler Unternehmensbereiche sollten unter anderem in Wachstumsmärkten außerhalb Europas wie China oder Brasilien investiert werden, berichtete der "Spiegel" unter Berufung auf interne Planungen. Kreisen zufolge steht der Konzern in Gesprächen über einen Verkauf seines Stromnetzes in Großbritannien. Eon lehnte eine Stellungnahme zu den Angaben ab.

In den kommenden zwei bis drei Jahren wolle Teyssen sämtliche Konzernbereiche auf den Prüfstand stellen, heißt es in dem Pressebericht. Dabei stünden alle Sektoren zur Disposition, die den Renditezielen des Managements nicht gerecht würden. Selbst das Gasnetz, das in vielen Regionen flächendeckende Stromverteilnetz oder der Eon-Vertrieb mit rund 15 Millionen Kunden in Deutschland könnten betroffen sein. Teyssen wolle auch Konzernbereiche für Partnerschaften mit anderen Unternehmen öffnen.

Mit einem Teil der erwarteten Verkaufserlöse wolle Teyssen mögliche Rückgänge des Gewinns in den kommenden Jahren kompensieren. In internen Berechnungen gehe Eon davon aus, dass der Vorsteuergewinn nach einem noch positiv verlaufenden Geschäftsjahr 2010 ohne rigide Gegenmaßnahmen in den nächsten drei Jahren um bis zu 30 Prozent zurückgehen könnte. Damit sei der geplante Schuldenabbau gefährdet.

Milliardenerlös durch britisches Netz

Über einen Kauf des Eon-Stromnetzes in Großbritannien spreche ein Konsortium um den Investor Canada Pension Plan und die staatliche Investmentgesellschaft von Abu Dhabi in den Vereinigen Arabischen Emiraten mit den Deutschen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person zu Reuters. Der britischen "Sunday Times" zufolge gehört auch die australische Bank Macquarie der Investorengruppe an. Als Kaufpreis für das zweitgrößte Stromnetz des Landes sei ein Betrag von bis zu 3,5 Mrd. Pfund (umgerechnet vier Mrd. Euro) im Gespräch. Das Konsortium sei erst vor kurzem an Eon herangetreten, die Gespräche hätten rasch Fortschritte gemacht. Von den Investoren war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Teyssen war im Mai an die Eon-Spitze gerückt. Er will seine Strategie am Mittwoch bei der Vorlage der Geschäftszahlen zum dritten Quartal vorstellen. Bereits am Montag tritt der Aufsichtsrat zusammen, um über die Pläne zu beraten.

Teyssens Vorgänger Wulf Bernotat hatte Milliardensummen in Beteiligungen in Südeuropa, Skandinavien und Russland gesteckt. Wegen der daraus resultierenden hohen Schuldenlast hatte sich E.ON anschließend von anderen Beteiligungen getrennt, darunter die Stadtwerke-Tochter Thüga, das deutsche Höchstspannungsnetz und die US-Tochter. Es wird bereits erwartet, das Teyssen weitere Verkäufe in die Wege leitet.

Quelle: n-tv.de, rts