Wirtschaft

Spekulanten verdienen Millionen Trump lässt Knast-Anleihen boomen

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Es gibt mehrere Wege, darauf zu spekulieren, dass die US-Regierung künftig wieder mehr Menschen einsperrt. Eine sind kommunale Knast-Anleihen.

(Foto: AP)

In den USA geht die Zahl der Strafgefangenen seit Jahren zurück, Gefängnisse werden geschlossen. Viele der Anleihen, mit denen Kommunen die Bauten finanzierten, galten lange als wertlos. Doch die Trump-Regierung hat wieder Verwendung für die leeren Knäste.

Junk-Bonds - Schrott-Papiere - nennt man Anleihen wie die, die Visileios Sfyris im vergangenen Dezember 2016 kaufte. Für weniger als zehn Prozent ihres ursprünglichen Wertes erwarb der US-Hedgefonds-Manager Anleihen, mit denen einst das County Willacy in Texas ihr Gefängnis finanziert hatte. Er habe darauf spekuliert, dass ihr Wert wieder auf etwa 25 Prozent steigen würde, sagte Sfyris dem "Wall Street Journal". Eine hochspekulative Wette, denn das Risiko war groß, dass der Investor gar nichts bekommt, etwa wenn das Gefängnis geschlossen würde wie bereits viele andere im Land.

Doch die Lage der US-Gefängnisbranche änderte sich innerhalb weniger Wochen dramatisch, und der Wert von Sfyris' Junk-Bonds stieg um mehr als 600 Prozent - ein Profit, den selbst der Hegdefonds-Profi niemals erwartet hätte. Andere von Investoren längst abgeschriebene kommunale Gefängnis-Anleihen machen laut "WSJ" derzeit ähnliche Sprünge.

Grund für die Kurssprünge sind Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump und vor allem seines Heimatschutzministers John Kelly, verstärkt illegale Migranten zu inhaftieren. Die Einwanderungs- und Zollbehörden sollten "alle notwendigen Schritte unternehmen und alle notwendigen Ressourcen mobilisieren, um ihre Arrest-Kapazitäten an oder in der Nähe der mexikanischen Grenze auszuweiten", hatte Kelly vergangene Woche angeordnet.

Auch Knast-Aktien steigen

Die Ankündigung hat die Branche der privaten Gefängnisbetreiber in Aufbruchsstimmung versetzt. In den vergangenen Jahren lief das Geschäft schlecht. Die Zahl der Gefangenen in den USA, die 2009 einen Höchststand von knapp 1,7 Millionen Menschen erreicht hatte, sank unter anderem aufgrund von Justizreformen kontinuierlich. Profite privater Betreiber gingen zurück. Einige, teils neu gebaute Gefängnisse wurden ganz geschlossen.

Das traf auch Investoren kommunaler Anleihen hart. Denn viele Kommunen finanzierten Gefängnisneu- und -umbauten mit Schuldtiteln, die durch Mieteinnahmen von den privaten Betreiberfirmen zurückgezahlt werden sollten. Anleihen im Wert von etwa 1,1 Milliarden Dollar fielen auf Junk-Status.

Nun allerdings verhandeln laut "WSJ" mehrere Unternehmen mit Kommunen in den südlichen US-Bundesstaaten Texas und Arizona über den Kauf leerstehender Gefängnisse. Sie hoffen auf neue Geschäfte mit der Internierung illegaler Migranten. Auf satte Gewinne können dabei nicht nur Spekulanten hoffen, die Anleihen der betreffenden Vollzugsanstalten zu Spottpreisen aufgekauft haben. Auch die Aktienkurse der großen Betreibergesellschaften sind sprunghaft gestiegen.

Quelle: ntv.de, mbo

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