Wirtschaft

Sorge ums Monopol beim Rausch US-Alkoholindustrie kämpft gegen Cannabis

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Vor allem die Kunden angesagter, hipper Biermarken könnten auf Haschisch umsteigen, fürchten Experten.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Gleichzeitig mit der Präsidentschaftswahl stimmen die Bürger mehrerer US-Staaten für die Legalisierung von Marihuana. Spirituosen-Hersteller und Händler fühlen sich bedroht. Versuche, den Trend aufzuhalten, schlugen bislang allerdings fehl.

Während der überraschende Ausgang der US-Wahl in vielen Wirtschaftszweigen Begeisterung ausgelöst hat, gibt es eine Branche, die sich Sorgen macht. Dabei ist es nicht der kommende US-Präsident Donald Trump mit seinen vagen und teilweise widersprüchlichen Aussagen zur Wirtschaftspolitik, der der amerikanischen Alkohol-Industrie Angst macht. Als "Risiko" für ihr Geschäft führen mehrere Hersteller von Bier, Wein oder Whisky dagegen die Legalisierung von Cannabis an, über die mehrere Bundesstaaten zeitgleich mit der Präsidentschaftswahl entschieden.

Massachusetts, Nevada und vor allem Kalifornien als bevölkerungsreichster und wirtschaftsstärkster Bundesstaat stimmten am 8. November für die weitgehende Legalisierung von Marihuana. Damit ist - einschließlich der Staaten, die die Droge auf Rezept mit medizinischen Gründen zugelassen haben - der Verkauf von Cannabis nun in der Mehrheit der US-Bundesstaaten erlaubt. Der Umsatz der legalen Hanf-Industrie in den USA dürfte innerhalb der kommenden zehn Jahre von derzeit sechs Milliarden Dollar im Jahr auf 50 Milliarden steigen, heißt es in einer Analyse von Cowen & Co, einem Finanzdienstleister.

Viele Alkoholhersteller fürchten, dass dieser Boom auf Kosten ihrer Verkäufe im Wert von derzeit rund 200 Milliarden Dollar jährlich gehen wird. "Es gibt ein reales Risiko für den Alkoholkonsum", sagte die Cowen-Analystin Vivien Azer der Nachrichtenagentur Bloomberg. Es sei damit zu rechnen, dass einige Verbraucher ihren Alkoholkonsum zugunsten des Marihuana reduzieren werden.

Konkurrenz für Craft Beer am größten

Am schlimmsten dürfte es nach Ansicht von Experten die Hersteller hochprozentiger Spirituosen und sogenannte "Craft Beer"-Brauer treffen, lokale, hippe Biermarken, deren meist junge Konsumenten eher für einen Umstieg auf Marihuana empfänglich sein könnten. "Dagegen ist es weniger wahrscheinlich, dass ein typischer Budweiser-Trinker - ein Industrie-Arbeiter - Cannabis raucht", zitiert die "Financial Times" den Analysten Trevor Stirling.  

Mehrere börsennotierte Unternehmen führen die Cannabislegalisierung als wirtschaftliches Risiko in ihren Mitteilungen an die Finanzmarktaufsicht an. "Es ist möglich, dass der legale Marihuana-Gebrauch die Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens negativ beeinflusst", heißt es unter anderem in einem offiziellen Dokument der Boston Beer Company, einem "Craft Beer"-Produzenten aus Massachusetts.

Statistiken gibt es zwar keine, die die Furcht der Brauer und Schnappsbrenner vor dem legalen Kiffen stützen. In Colorado, das Marihuana-Konsum auch ohne ärztliches Rezept als erster Bundesstaat vor zwei Jahren legalisierte, nahm der Verkauf von Alkohol sogar leicht zu. Dennoch engagieren sich Getränkeunternehmen aktiv im Kampf gegen die vermeintliche Konkurrenzdroge. Die Vereinigung der Wein- und Spirituosen-Großhändler in Massachussetts spendete im Wahlkampf 50.000 Dollar für die Anti-Marihuana-Kampagne, die Bierhändler des Staates gaben 25.000 Dollar, ebenso wie Branchenvereinigungen in anderen Bundesstaaten, die über die Legalisierung abstimmten.

Bald Corona mit Hasch-Geschmack?

Abstimmungen in diesen Bundesstaaten gingen zwar aus der Sicht der Alkoholindustrie verloren, doch damit verlagert sich der Kampf der Lobbyisten zunehmend auf die Bundesebene. Das seit mehr als 100 Jahren gültige Verbot auf Bundesebene ist trotz der Legalisierung in immer mehr Bundesstaaten ein Wachstumshindernis für die Cannabis-Industrie. So können viele Unternehmen, die mit der Droge ihr Geld verdienen, keine Bankkonten eröffnen, denn die Banken werden durch Bundesrecht reguliert.

Nicht alle Getränkehersteller sehen Alkohol und Marihuana allerdings als Konkurrenten. Einige wollen künftig mit beidem Geld verdienen - sogar in einem Produkt. Constellation Brands, ein Konzern der unter anderem Corona Bier sowie Wodka und Tequila herstellt, denkt beispielsweise darüber nach Cannabis als Geschmacksrichtung seiner Getränke anzubieten. "Es wird in Zukunft alkoholische Getränke geben, die auch Cannabis enthalten", sagte Constellation-Chef Rob Sands kürzlich in einem Interview. Derzeit gebe es allerding noch zu viele offene Rechtsfragen, um ein solches Produkt auf den Markt zu bringen.

Quelle: n-tv.de, mbo

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