Wirtschaft

85 Jahre lang Böden verseucht US-Ölkonzern zahlt Rekordstrafe

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US-Generalstaatsanwalt James Cole (r.) erläutert im Justizministerium die Einigung.

(Foto: REUTERS)

Den Ölkonzern Anadarko Petroleum kommen Umweltsünden seiner vor acht Jahren erworbenen Tochter Kerr-McGee teuer zu stehen. Das Unternehmen zahlt in einem Vergleich mehrere Milliarden Dollar.

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Bohrung von Anadarko im US-Bundesstaat Colorado.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

In einem Streit um Umweltschäden haben sich die US-Regierung und der amerikanische Ölkonzern Anadarko Petroleum auf eine Entschädigung in Rekordhöhe geeinigt. Das Unternehmen zahle 5,1 Milliarden Dollar, teilte das US-Justizministerium mit. Es handele sich um die größte Summe, die in den USA jemals im Zusammenhang mit Umweltschäden ausgehandelt worden sei. 4,4 Milliarden Dollar sollen für die Dekontaminierung von verseuchten Böden ausgegeben werden. Der Rest geht an Menschen, die vor Gericht über Gesundheitsbeschwerden wegen der Umweltverschmutzungen geklagt hatten.

Die Regierung wirft einer Tochterfirma von Anadarko, Kerr-McGee, vor, über einen Zeitraum von 85 Jahren dutzende Betriebsgelände überall in den USA verseucht zu haben. Zum Teil seien radioaktive Substanzen wie Uran in die Umwelt gelangt, andererseits giftige Stoffe in Böden und Grundwasser eingedrungen. Ureinwohner vom Stamm der Navajo beklagen, dass Kerr-McGee Gebiete verseucht habe, die für religiöse Zeremonien oder für die Jagd benutzt wurden.

Nach Angaben des Justizministeriums versuchte Kerr-McGee, sich über interne Umorganisation vor Schadenersatzahlungen zu retten. Entsprechende Ansprüche von mehreren Milliarden Dollar lagerte Kerr-McGee an eine andere Firma namens Tronox aus. Im Jahr 2006 kaufte Anadarko Kerr-McGee für 18 Milliarden Dollar - drei Jahre später ging Tronox bankrott. Nach einer Klage von Tronox und der US-Regierung gegen Anardako entschied ein Richter im Dezember 2013, dass die Auslagerung der Ansprüche Betrug gewesen seien. Anadarko habe davon profititiert, denn durch diese Weise sei der Konzern seine durch die Übernahme anfallenden Verpflichtungen losgeworden.

Aktie gewinnt an Wert

Die Einigung läuft dem 4,5 Milliarden Dollar schweren Vergleich mit BP wegen der Deepwater-Horizon-Katastrophe den Rang ab. "Kerr-McGees Aktivitäten hinterließen quer durch das Land erheblichen, dauerhaften Umweltschaden", so die US-Generalstaatsanwaltschaft. "Der Konzern versuchte, diese Verantwortung abzuwälzen und dem US-Steuerzahler die Reinigungsrechnung aufzubürden." Staatsanwältin Preet Bharara aus Manhattan, deren Büro den Prozess anstieß, schlug in die gleiche Kerbe: "Wenn Sie dafür verantwortlich sind, 85 Jahre lang die Erde zu vergiften, müssen Sie auch für die Reinigung sorgen."

Die Aktie des Unternehmens legte nach dem Vergleich deutlich zu. Zwar müssen die Texaner sehr viel mehr bezahlen als ursprünglich erhofft. Aber die Anteilseigner honorierten, dass ihr Unternehmen noch mit einem blauen Auge davongekommen ist. Die Haftungssumme hätte bis zu 14 Milliarden Dollar hoch ausfallen können.

Quelle: n-tv.de, jga/DJ/rts/AFP

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