Wirtschaft

"Fruchtbares Umfeld" US-Verkaufssender für Waffen startet

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Bitte recht freundlich: Auf einer Waffenmesse in Texas.

(Foto: REUTERS)

Homeshopping-Sender verkaufen in der Regel Diätprodukte, Küchenutensilien oder Modeschmuck. In den USA will ein neuer Sender Waffen unters Volk bringen – präsentiert unter anderem von Scharfschützen.

In den USA geht ein Teleshopping-Sender zum Verkauf von Waffen an den Start. Sein Name: GunTV. Passend zum Motto "Live Shopping. Vollgeladen" werden neben Schusswaffen vor allem Munition und Jagdausrüstung angepriesen. Auch Scharfschützen, Olympia-Teilnehmer und ehemalige Polizisten sollen die Produkte präsentieren.

Die Pläne des Senders sind schon länger bekannt, gewannen allerdings nach den jüngsten Bluttaten in den USA an Aufmerksamkeit. Im kalifornischen San Bernardino hatte am Mittwoch ein Paar in Kampfmontur 14 Menschen bei einer Feier in einer Sozialeinrichtung getötet. Am vergangenen Freitag waren bei einem Angriff auf eine Abtreibungsklinik im Bundesstaat Colorado drei Menschen erschossen worden. Die Regierung von Präsident Barack Obama bemüht sich seit Jahren vergeblich, die Waffengesetze zu verschärfen.

GunTV wird im südkalifornischen Coachella Valley produziert. Der Ort liegt etwa eine Autostunde von San Bernardino entfernt. Mitbegründerin Valerie Castle sagte dem britischen "Guardian", sie glaube nicht, dass durch GunTV mehr Waffen in Umlauf kämen. Der Sender sei eine Möglichkeit, "auf einen Bedarf zu reagieren, nicht einen zu schaffen". Außerdem verhalte sich die "überwältigende Mehrheit" der Waffenbesitzer verantwortungsbewusst.

Verschärfung? Das ist das Letzte.

Befürworter von schärferen Waffengesetzen reagierten erwartungsgemäß: "Das ist das Letzte, was wir brauchen", sagte Laura Cutiletta vom "Law Center to Prevent Gun Violence" der kalifornischen Zeitung "Desert Sun". Jeden Tag würden in den USA Menschen durch Schusswaffen getötet.

Der US-Gesundheitsbehörde CDC zufolge starben landesweit im Jahre 2013 mehr als 33.600 Menschen durch den Gebrauch von Schusswaffen in Privatbesitz. In dieser Statistik sind knapp 21.200 Suizide enthalten.

Wie viele Waffen in den USA im Umlauf sind, ist schwer zu ermitteln. Einer 2012 veröffentlichten Statistik des US-Kongresses zufolge gab es 2009 in den USA etwa 310 Millionen Schusswaffen – und damit in etwa so viele wie Einwohner. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Zahl der Schusswaffen die Zahl der US-Bürger mittlerweile übersteigt.

GunTV will ab Anfang Januar zunächst sieben Tage die Woche nachts zwischen 1.00 und 6.00 Uhr auf Sendung gehen, langfristiges Ziel ist ein 24-Stunden-Programm. Im Gegensatz zu anderen Teleshopping-Sendern sollen die Produkte allerdings nicht direkt zum Käufer, sondern an den nächstgelegenen lizensierten Einzelhändler geschickt werden. Dort kann der Kunde die bestellten Waffen abholen, nachdem er zuvor die notwendigen Formalien erledigt hat.

Eine Sprecherin des Senders sagte, man wolle die Produkte "auf verantwortungsvolle Weise" anbieten. Das beinhalte, dass jede Stunde drei Minuten über den sicheren Umgang mit Waffen informiert werde.

Es sei ungeheuerlich, durch Marketing noch mehr Waffen in Umlauf zu bringen, kritisiert Anti-Waffen-Aktivistin Cutiletta. Das sieht GunTV anders. In einem Werbevideo heißt es: "Das Umfeld für Waffenverkäufe ist fruchtbar."

Quelle: n-tv.de

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