Wirtschaft

Schönwetter-Ratings für Schrottpapiere USA wollen S&P verklagen

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S&P sorgte nicht nur mit Topratings für Schrottpapiere, sondern auch mit einer historischen Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit für Aufsehen.

(Foto: dpa)

Die US-Immobilienkrise scheint fast vergessen, da könnte die Vergangenheit einen der zentralen Akteure einholen: Ratingagenturen mussten sich bislang kaum für ihre im Rückblick allzu optimistischen Noten für Hypothekenpapiere verantworten. Das soll sich nun ändern, denn das US-Justizministerium und mehrere Bundesstaaten wollen den Branchenriesen S&P vor Gericht stellen.

Den Ratingagenturen droht weiteres Ungemach wegen ihrer unrühmlichen Rolle in der Finanzkrise. Das US-Justizministerium und die Generalstaatsanwaltschaften einzelner Bundesstaaten wollen juristisch gegen Branchenprimus Standard & Poor's (S&P) vorgehen.

Die Klagen könnten dem "Wall Street Journal" zufolge noch in dieser Woche eingereicht werden. Es gehe dabei vor allem um das verwendete Bewertungsmodell, hieß es. S&P erklärte, eine mögliche Klage sei komplett unbegründet. Die Aktie der S&P-Mutter McGraw-Hill brach am Montag in einem sehr schwachen Marktumfeld um mehr als 13 Prozent ein.

Die großen Ratingagenturen hatten vor dem Ausbruch der Finanzkrise zahlreiche US-Hypothekenpapiere mit sehr guten Bonitätsnoten versehen. Investoren verließen sich auf diese Urteile und griffen zu. Als die Krise ausbrach, verloren aber selbst mit der Bestnote "AAA" ausgezeichnete Papiere schlagartig an Wert.

Meinung gegen Empfehlung

Die Ratingagenturen stehen seit Jahren in der Kritik, entzogen sich Verfahren aber zumeist erfolgreich mit der Begründung, sie hätten lediglich eine Meinung vertreten und keine Kaufempfehlung abgegeben. Die Abwehrfront scheint aber zu bröckeln.

Mitte Januar hatte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden, dass Ratingagenturen in Deutschland grundsätzlich wegen ihrer Einschätzung verklagt werden können. Zuvor hatte ein australisches Gericht S&P zur Zahlung einer millionenschweren Entschädigung verurteilt, weil die Ratingagentur Anleger in die Irre geführt habe. In New York hatte ein Gericht eine ähnliche Klage von Investoren zugelassen.

Allein auf weiter Flur

Eine Klage des US-Justizministeriums gegen S&P wäre die bislang heftigste Attacke auf die Ratingagenturen. Nach Informationen des "Wall Street Journal" waren zuvor Gespräche über einen Vergleich gescheitert.

Unklar sei allerdings, warum nur gegen S&P und gegen keinen der Wettbewerber vorgegangen werden solle, schrieb die Zeitung. S&P ist zwar der Marktführer, doch wird die Agentur zumeist in einem Atemzug mit Moody's und Fitch genannt, wenn es um die Rolle zu Zeiten der Finanzkrise geht.

Im Herbst 2011 hatte S&P für Schlagzeilen gesorgt, als die Agentur den USA erstmals in der Geschichte die Top-Bonitätsnote "AAA" entzogen hatte. Anlass für die Herabstufung war der langwierige innenpolitische Streit um die Abwendung einer drohenden Zahlungsunfähigkeit der USA.

Wegbereiter für großen Finanzcrash

Ratingagenturen hatten im Auftrag von Banken bewertet, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Hypothekenpapiere ausfallen. Diesen Wertpapieren lagen US-Immobilienkredite zugrunde, vor allem für Eigenheime. Die Papiere wurden von den Banken weltweit verkauft.

Die Ratingagenturen waren vor der Finanzkrise in sehr vielen Fällen davon ausgegangen, dass die Schuldner ihre Raten zuverlässig zahlen können - die Papiere bekamen folglich gute Noten. Als der US-Immobilienmarkt jedoch einbrach, gab es massenhafte Ausfälle und die Papiere erwiesen sich für die Investoren als Milliardengräber. Die Finanzkrise geriet ins Rollen und gipfelte im Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008.

Die drei Ratingagenturen hätten die "finanzielle Kernschmelze" mit ermöglicht, hatte ein Ausschuss des US-Kongresses in seinem Abschlussbericht zur Finanzkrise festgestellt.

Quelle: ntv.de, nne/rts