Wirtschaft
Panoramablick auf den größten Offshore-Windpark der Welt.
Panoramablick auf den größten Offshore-Windpark der Welt.
Donnerstag, 23. September 2010

Größter Offshore-Windpark: Vattenfall gibt Startschuss

Der größte Offshore-Windpark der Welt. Den weiht nun Vattenfall vor der englischen Küste ein. Damit wird der schwedische Energieriese wieder etwas "grüner". Aber wird das Label kleben bleiben? Windenergie ist teuer. Und da wären ja auch noch die Kohle- und Atomkraftwerke in Deutschland.

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall eröffnet im Ärmelkanal den nach seinen Angaben größten Offshore-Windpark der Welt. Und kann mit einem beeindruckenden Bild aufwarten: Die Propeller von 100 Anlagen mit einer Nennleistung von jeweils drei Megawatt drehen sich in dem Park auf hoher See. Die Masten der Windräder ragen 115 Meter weit aus dem Wasser.

Mit der durchschnittlich im Windpark Thanet erzeugten Energie können nach Angaben von Vattenfall bis zu 200.000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Damit produziert Großbritannien nun mehr Offshore-Energien als der Rest der Welt, stellte der britische Branchenverband für erneuerbare Energien Renewable UK, fest.

Alles dreht sich in Großbritannien

Und das soll erst der Anfang sein: Rund um das windreiche Großbritannien planen internationale Stromkonzerne Milliardeninvestitionen in die Windkraft. Insgesamt sollen an mehreren Standorten vor den Küsten Windkraftanlagen mit einer Leistung von 32.000 Megawatt neu gebaut werden. Da ist deutlich mehr als die bisherige deutsche Stromerzeugung aus Windkraft und entspricht der Leistung von 20 Atomkraftwerken.

Macht Schatzkanzler Osborne grüne Träume zunichte?
Macht Schatzkanzler Osborne grüne Träume zunichte?(Foto: REUTERS)

So will ein deutsches Dreierkonsortium aus RWE Innogy, Siemens und den Stadtwerken München vor Wales bis 2014 einen noch größeren Windpark mit 576 Megawatt Nennleistung bauen. In Planung ist unter anderem auch eine Riesenanlage auf der Dogger Bank zwischen britischer Ostküste und Dänemark. Der Bau soll 2014 beginnen, in der Endausbaustufe sollen allein dort Kapazitäten von bis zu 9000 Megawatt Nennleistung entstehen.

Damit holt Großbritannien bei den erneuerbaren Energien kräftig auf, denn wird der Strombedarf auf der Insel nur zu sechs Prozent mit Sonne, Wind und Wasser gedeckt, das ist gerade mal ein Drittel der deutschen Quote. Dass das anders werden muss, sieht man auch in London ein und kündigte Anfang des Jahres zweistellige Milliardensubventionen für den Ausbau von Offshore-Energien an. Doch die Kassen im Königreich sind seit der Finanzkrise klamm und so fürchten Umweltverbände, dass die Subventionen zumindest zu großen Teilen dem Rotstift des britischen Schatzkanzlers George Osborne zum Opfer fallen könnten.

Dann jedoch könnte es für die Konzerne rasch unattraktiv werden, das Thema "Offshore-Windpark" exzessiv zu verfolgen, denn die Windräder auf hoher See kosten mit rund 2,5 Mio. Euro pro Megawatt-Leistung bis zu viermal so viel wie herkömmliche Landanlagen.

Neue Strategie oder kleiner Ausflug?

Energieversorger der Zukunft?
Energieversorger der Zukunft?

Auch bei Vattenfall wird man sicherlich gründlich mitrechnen, ob sich der "Offshore-Windpark" rentiert. Zwar macht die schwedische Regierung als einzige Anteilseignerin ihrem Energieriesen Druck, sich von den Kohlekraftwerken zu verabschieden, dennoch steht auch bei Vattenfall derzeit das Aufpolieren der schwächelnden Bilanzen im Vordergrund. Und so werden zwar Kohlekraftwerke in Dänemark und Polen verkauft, aber an den deutschen Atom- und Kohlekraftwerken hält der Konzern fest. So sollen die umstrittenen Atomreaktoren Krümmel und Brunsbüttel möglichst schnell wieder ans Netz.

Seine Brötchen wird sich Vattenfall also noch eine ganze Weile nicht nur mit grüner Energie verdienen. Bei den enormen Kosten und den vergleichsweise noch geringen Renditen werden "Offshore-Windparks" wahrscheinlich auch für andere Energiekonzerne erst einmal teure Testwiesen und Prestigeobjekte sein. Bislang hat Deutschland beispielsweise erst 20 Rotoren in der Nord- und Ostsee stehen, Eon befindet sich noch in der Planung für einen 1-Milliarde-teuren Windpark mit 80 Anlagen, EnBW plant eine eigene Spielwiese in der Ostsee.

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Die Möglichkeiten schätzen Wissenschaftler jedoch ganz anders ein: Um 51 Prozent des weltweiten Energiebedarfes zu decken, wären 3,8 Mio. Windkraftanlagen jener Größenordnung erforderlich, wie sie Deutschland bislang in die Ostsee gesteckt hat. Ein gigantischer Wachstumsmarkt. Sollte sich also das britische Projekt sich auszahlen, wird sich Vattenfall dann vielleicht das grüne Label doch noch fester ankleben.

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Quelle: n-tv.de