Wirtschaft
Donnerstag, 30. Dezember 2010

Kampf um Wirtschaftswachstum: Venezuela wertet Währung ab

Venezuelas Präsident Hugo Chávez.
Venezuelas Präsident Hugo Chávez.(Foto: REUTERS)

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres wertet das wirtschaftlich angeschlagene Venezuela seine Währung ab.  Ab dem 1. Januar soll ein staatlich kontrollierter Kurs von 4,30 Bolivar pro Dollar gelten. Durch die Veränderung soll die venezolanische Wirtschaft angekurbelt und Finanztransaktionen vereinfacht werden.

Venezuelas linkspopulistischer Staatschef Hugo Chávez hatte ein Doppelkurssystem nach einer Bolivar-Abwertung erst im Januar 2010 eingeführt. Der Kurs von 2,60 je Dollar galt bislang für Importe etwa von Lebensmitteln, Medikamenten und Technologie für den Wissenschaftsbereich. Der Kurs von 4,30 Bolivar je Dollar wurde für Industrieimporte sowie Tabakprodukte und Alkoholika angewendet.

Rasant steigende Inflation

Trotz eines hohen Ölpreises sind die Finanzen des Staates in Schieflage. Ölexporte machen 90 Prozent der Ausfuhren aus. Venezuelas Wirtschaft befindet sich das zweite Jahr in Folge in der Rezession. Das südamerikanische Land bekommt außerdem die Inflation nicht in den Griff. Die Verbraucherpreise seien in diesem Jahr um 26,9 Prozent gestiegen, berichtete die Zeitung "El Universal" unter Berufung auf Zentralbankchef Nelson Merentes. Damit hätte Venezuela eine der höchsten Teuerungsraten weltweit. Bereits 2009 hatte es einen kräftigen Preisanstieg von 25,1 Prozent gegeben. Zum Vergleich: In Deutschland betrug die Geldentwertung im zu Ende gehenden Jahr 1,1 Prozent.

Venezuela macht zudem die schlappe Wirtschaft zu schaffen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte in diesem Jahr um 1,9 Prozent, wird Merentes weiter zitiert. Bereits 2009 hatte es ein Minus 3,3 Prozent gegeben. Der Bausektor sei um 7,3 Prozent geschrumpft, während die Energieerzeugung um 5,6 Prozent und der private Konsum um 2,8 Prozent zurückgegangen sei. Die Regierung in Caracas rechnet im kommenden Jahr mit einem Wachstum von zwei Prozent.

Mit der Abwertung will die sozialistische Regierung ausländische Investitionen anziehen, die Handelsbilanz ausgleichen und den Privatsektor wettbewerbsfähiger machen. Ökonomen hatten mit einer Abwertung gerechnet.

Beobachtern zufolge wollte Präsident Hugo Chávez den bei der Bevölkerung wegen der befürchteten Preiserhöhungen unbeliebten Schritt möglichst lange vor den nächsten Präsidentenwahlen 2012 hinter sich bringen. "Politisch gesehen ist das richtig", sagte Analyst Miguel Octavio von BBO Financial Services. Die Regierung nehme einen Anstieg der Inflation im kommenden Jahr in Kauf um den Effekt 2012 zu vermeiden. "Für die normalen Venezolaner aber ist das brutal, weil es die Lebensmittel- und Medizinpreise verändern wird."

Quelle: n-tv.de