Wirtschaft

Oh, wie teuer ist Panama! Verhandlungen über Kanal-Ausbau scheitern

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Der Panamakanal wird derzeit für eine neue Generation von Frachtschiffen ausgebaut.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Ausbau des Panamakanals kostet zusätzliche 1,2 Milliarden Euro. Doch weder Betreiber noch Baukonsortium wollen dafür aufkommen. Nun ist die Frist verstrichen, die sich die Verhandlungspartner für eine Einigung gesetzt hatten.

Die Verhandlungen im Streit über Mehrkosten für den Ausbau des Panamakanals sind vorerst gescheitert. Das internationale Firmenkonsortium GUPC um den spanischen Baukonzern Sacyr beschuldigte den Kanalbetreiber ACP, die Gespräche abgebrochen zu haben. Damit sei das gesamte Projekt gefährdet, teilte GUPC mit.

ACP-Geschäftsführer Jorge Luis Quijano sagte hingegen, GUPC habe sich bei den zweiwöchigen Verhandlungen unflexibel gezeigt. Das Baukonsortium fordert von dem Kanalbetreiber, Zusatzkosten von 1,2 Milliarden Euro für das ursprünglich 3,2 Milliarden Dollar teure  Projekt zu übernehmen. Diese seien aufgelaufen, weil die schwierigen geologischen Verhältnisse nicht offengelegt worden seien. Experten hatten hingegen schon zuvor erklärt, GUPC habe im Ausschreibungsverfahren ein viel zu niedrig kalkuliertes Angebot abgegeben.

In einem "letzten Angebot" habe GUPC vorgeschlagen, die Mehrkosten zu jeweils 50 Prozent zu teilen, sagte Sacyr-Präsident Manuel Manrique. Der Betreiber habe den Vorschlag abgelehnt. "Mehr kann GUPC nicht tun", so der Konzernchef. Neben Sacyr gehören dem Konsortium Unternehmen aus Italien, Belgien und Panama an. Laut Sacyr könnte sich die Fertigstellung des Projekts um drei bis  fünf Jahre verzögern, wenn es nicht zu einer Einigung kommt.

Platz für riesige Frachtschiffe

Der 1914 eröffnete Panama-Kanal verbindet Pazifik und Atlantik und macht auf diese Weise für Schiffe den teuren und schwierigen Weg um das Kap Hoorn an der Südspitze Amerikas überflüssig. Das Konsortium GUPC verbreitert den Kanal derzeit, um größeren Containerfrachtern die Durchfahrt zu ermöglichen. Künftig sollen auch Frachter der sogenannten Post-Panamax-Klasse mit bis zu 12.000 Containern die Wasserstraße passieren können.

Die Arbeiten sollten eigentlich bis zum 100. Geburtstag des Kanals in diesem Jahr abgeschlossen sein. Wegen des Finanzierungsstreits gehen die Bauarbeiten derzeit aber kaum voran. Quijano forderte GUPC auf, den Vertrag zu erfüllen und die Arbeiten unverzüglich wieder aufzunehmen. ACP denke aber auch über Alternativen nach. "Das Projekt wird 2015 fertiggestellt - mit oder ohne GUPC", sagte er.

GUPC betonte, durch den Abbruch der Verhandlungen seien 10.000 Arbeitsplätze akut in Gefahr. EU-Industriekommissar Antonio Tajani, der in dem Streit vermittelt hatte, sprach von einer "schlechten Nachricht für die Weltwirtschaft". Zudem drohe Panama und ACP ein jahrelanger Rechtsstreit vor den Gerichten.

Quelle: ntv.de, ave/dpa/AFP

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