Wirtschaft

Aufträge für Briefkasten-Firmen Verschob russische Bahn Milliardenbeträge?

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Unter Bahnchef Wladimir Jakunin sind offenbar beträchtliche Summen in dunklen Kanälen versickert.

(Foto: REUTERS)

Russlands staatliche Eisenbahn hat offenbar jahrelang gigantische Summen auf die Konten dubioser Firmen gezahlt. Ihnen gemein ist, dass sie oftmals lediglich ein Postfach besitzen. Offizielle Stellen reagieren äußerst schmallippig.

Offenbar über Jahre hat eine der größten Staatsfirmen Russlands milliardenschwere Verträge an Briefkastenfirmen vergeben. Der von einem Vertrauten von Präsident Wladimir Putin geführte Bahnkonzern RZhD leitete zwischen 2007 und 2013 insgesamt 115 Milliarden Rubel (rund 2,5 Milliarden Euro) auf Konten privater Firmen mit undurchsichtigem Hintergrund, wie Reuters berichtet.

In Dokumenten zu öffentlichen Ausschreibungen und Bankunterlagen, die die Nachrichtenagentur gesichtet hat, tauchen dabei immer wieder elf begünstigte Unternehmen auf. Klappert man deren Adressen ab, sind jedoch nur an einem Firmensitz Mitarbeiter anzutreffen. Wer letztlich hinter den Unternehmen steckt, bleibt im Verborgenen.

Zwei dieser Firmen waren bei Dutzenden Ausschreibungen die einzigen Bieter. Doch die vermeintlichen Konkurrenten entpuppen sich bei genauerem Hinsehen als eine Art Zwillinge: Sie wurden zeitgleich angemeldet, eröffneten Konten am selben Tag und hatten über Jahre exakt dieselbe Mitarbeiterzahl. Auf Anfrage ließ ein Sprecher von RZhD-Chef Wladimir Jakunin wissen, die Aufträge seien "nach geltendem Recht" vergeben worden: "Es wurden keine Verstöße dagegen festgestellt."

Putin-Sprecher: Gremien befassen sich damit

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatten sich in den 1990er Jahren in Russland sogenannte Oligarchen Filetstücke aus dem Staatsbesitz zu Schleuderpreisen gesichert. Seither ist die Privatisierungswelle abgeebbt.

Auf die Fälle war die Agentur aufmerksam geworden, nachdem bei mehreren Ausschreibungen Firmen den Zuschlag erhalten hatten, die Konten bei der Bank STB unterhielten. Einer der Hauptaktionäre des mittlerweile nicht mehr existierenden Finanzinstituts ist Andrej Krapiwin. Bahn-Chef Jakunin hatte ihn einst als "alten Bekannten" und "unbezahlten Berater" bezeichnet.

Krapiwin, der für eine Stellungnahmen nicht zu erreichen war, ist nach Angaben des Bahnkonzerns nicht beratend für RZhD tätig. Ein weiterer früherer Großaktionär der STB ist der russische Banker German Gorbunzow, der im März 2012 einen Attentatsversuch in London überlebte. Ein Sprecher Putins wollte die Vertragsvergabepraxis der russischen Bahn nicht kommentieren. Die zuständigen Aufsichtsgremien würden sich damit auseinandersetzen, hieß es weiter.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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