Wirtschaft

Aufregung im Finanzvertrieb Versicherer rütteln an der Provision

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Bislang noch ein gutes Geschäft für den Finanzvertrieb: Wer Lebensversicherungen vermittelt, kann teils noch mit ansehnlichen Provisionen rechnen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach der Wahl kommen die Versicherer zur Sache: Die historische Niedrigzinsphase zwingt die Branche zum Handeln. Beobachtern zufolge müssen sich Versicherungsmakler und Finanzvertriebe auf eine Kehrtwende vorbereiten - mit scharf begrenzten Provisionen.

Die deutschen Versicherer wollen einem Pressebericht zufolge die künftige Bundesregierung nach der Wahl dazu drängen, nun auch in Deutschland eine Höchstgrenze für Provisionszahlungen bei Lebens- und Rentenversicherungen festzulegen. Das zumindest geht nach einem Bericht der "Süddeutsche Zeitung" aus einem Schreiben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) an Mitgliedsunternehmen hervor.

Die vorgeschlagenen Höchstgrenzen seien so knapp, so heißt es weiter, dass vor allem Großvertriebe wie DVAG, MLP oder Swiss Life Select sowie zahlreiche Maklerfirmen in ernsthafte Schwierigkeiten kommen dürften.

Der GDV bestätigte der Zeitung zufolge, dass es dazu Diskussionen innerhalb des Verbandes gebe. Anlass seien das seit mittlerweile Jahren vorherrschende Niedrigzinsumfeld und die Kritik von Verbraucherschutz und Politik an der Höhe der Kosten von kapitalbildenden Altersvorsorgeprodukten. Der GDV wolle damit eine Position zu möglichen Forderungen des Gesetzgebers vorbereiten.

Wende um 180 Grad

Damit vollzieht die Branche Beobachtern zufolge nichts weniger als eine komplette Kehrtwende: Jahrzehntelang hatte sie sich gegen eine von Verbraucherschützern und aus Brüssel angemahnte gesetzliche Obergrenze für Provisionen gesträubt. Bislang hieß es beim deutschen Branchenverband GDV noch, das "provisionsbasierte Vergütungssystem" habe auch für Kunden "handfeste Vorteile".

Kritiker bezweifeln das. Beim Abschluss von Lebens- oder Rentenversicherungen sind häufig sehr hohe Provisionen fällig, die an die Vermittler ausgezahlt werden. Sie führen dazu, dass Kunden bei frühzeitiger Kündigung ihres Vertrages häufig viel Geld verlieren. Verbraucherschützer kritisieren dies seit langem, auch von der Europäischen Kommission kamen wiederholt Forderungen nach einem Ende der Praxis. In einigen europäischen Ländern sind solche Provisionen bei Altersvorsorge-Produkten komplett verboten.

Der Hauptantrieb für den Sinneswandel in der Branche dürfte allerdings rein ökonomischer Art sein: Die Versicherungswirtschaft leidet schwer unter dem extrem niedrigen Zinsniveau; hohe Vertriebskosten machen das Geschäftsmodell Lebensversicherung für Anbieter noch unattraktiver.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/DJ

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