Wirtschaft

Wetten, dass... Volksaktien erleben ein Comeback

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Im November 2000 präsentieren der damalige Bundesfinanzminister Hans Eichel (l) und der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, zum Börsenstart eine "Aktie Gelb".

(Foto: picture-alliance / dpa)

Falls Manfred Krug noch ein paar Telekom-Aktien im Keller hat, dürfte er sich verwundert die Augen reiben. Die Aktie, für die er beim Börsengang so heftig getrommelt hat, kann tatsächlich wieder zulegen.

Für die ehemaligen Staatskonzerne Deutsche Post und Deutsche Telekom haben die bekannten TV-Größen Thomas Gottschalk und Manfred Krug beim Börsengang kräftig die Werbetrommel gerührt und für gute Laune gesorgt. Die dürfte den Anlegern seitdem gehörig vergangen sein, denn die Aktien haben langfristig nicht überzeugt. Nun ziehen die Kurse wieder an und es lohnt sich, genau hinzuschauen.

Die Telekom-Aktie notiert so hoch wie seit Frühsommer 2011 nicht mehr, und manch einer unterschätzt zudem die vergleichsweise hohe Dividendenrendite von knapp fünf Prozent. Und die Deutsche Post, die beim Börsengang die Gebrüder Gottschalk zur Chinesischen Mauer schickte, genießt bereits seit rund zwei Jahren einen wahren Höhenflug. Dennoch hatte auch in diesem Jahr kaum ein Analyst die Aktie als Favorit im Dax ausgemacht, aber die Performance in den ersten neun Monaten straft alle Analysten ab. Mit einem Plus von 48 Prozent ist der "langweilige" Logistiker der beste Dax-Wert in 2013.

Den fehlenden Sex-Appeal holt sich die Aktie durch den stärker werdenden Handel über das Internet. Immer mehr Waren werden Online bestellt und die Post ist als großes Logistik-Unternehmen sitzt im Sweet-Spot dieses boomenden Sektors, nicht nur in Deutschland. Unterstützt wurde die Kursentwicklung auch durch die Aufnahme in den europäischen Leitindex EuroStoxx 50 in der Vorwoche. Allerdings könnte nach diesem rasanten Kursaufschwung im aktuell unsicheren Börsenumfeld eine Konsolidierungsphase einsetzen. Anleger, die von einer Kursberuhigung profitieren wollen, können Papiere einsetzen, die in dieser Marktphase ihre Stärken ausspielen, wie zum Beispiel Aktienanleihen oder Discountzertifikate.

Nachzügler Telekom

Bei der Deutschen Telekom war die Kursentwicklung desaströser als bei der Deutschen Post. Nach einem jähen Absturz zur Jahrtausendwende dümpelte die Aktie zwischen rund acht und knapp 20 Euro hin und her. Aktuell unternimmt die Aktie wieder einen Anlauf nach oben und hat die ersten Kurswiderstände geknackt.

Zunächst hilft der Aktie die Konjunkturerholung in Europa, wo ein Hauptteil ihres Geschäfts betrieben wird. 36,8 Prozent der Konzernerlöse stammen aus Deutschland und weitere 23,6 Prozent aus der Sparte Europa. Zudem ist die Entwicklung bei der Problemtochter T-Mobil USA zuletzt sehr erfreulich gewesen. Sie hatte in den vergangenen Monaten zahlreiche neue Vertragskunden gewinnen können, nicht zuletzt, weil sie seit April als letzter der großen Anbieter das iPhone von Apple verkauft. "Wir freuen uns sehr, dass wir im USA-Geschäft nach 16 aufeinanderfolgenden Quartalen mit Vertragskundenverlusten im zweiten Quartal eine Trendwende erreicht haben", sagte deshalb Finanzvorstand Tim Höttges. Er wird im Januar zum Vorstandschef der Telekom aufsteigen.

Wettbewerbsdruck nimmt ab

Etliche Investoren hoffen, dass mit der laufenden Konsolidierung in der Branche in Europa der Preisdruck ein wenig nachlässt. So hat Vodafone von der EU die Genehmigung für den Kauf des größten deutschen Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland bekommen. Zudem will Telefónica Deutschland, eine Tochter der spanischen Telefónica, den Wettbewerber E-Plus kaufen.

Sollte dies gelingen, würde der Mobilfunkmarkt in Deutschland von vier auf lediglich drei Anbieter schrumpfen. Dabei hätte Telefónica Deutschland mit rund 42,7 Millionen mehr Kunden als die Deutsche Telekom (36,6 Mio.) und Vodafone (33,9 Mio.) hierzulande. Damit könnte der starke Wettbewerbsdruck etwas nachlassen. Gut für die Telekom, die somit ihren begonnen Kursanstieg fortsetzen könnte. Mutige Anleger, die gehebelt von einem weiteren Kursanstieg in der Deutschen Telekom profitieren wollen, können hierzu Call-Optionsscheine oder alternativ Turbo-Bull-Papiere einsetzen.

Quelle: n-tv.de

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