Wirtschaft

Einzelhandelsriese schockt Börse Wal-Mart gibt sich auf

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(Foto: REUTERS)

In den 80er-Jahren revolutionierte Wal-Mart den US-Einzelhandel und trieb die Konkurrenz vor sich her. Die jüngsten Pläne offenbaren: Längst läuft das Unternehmen anderen hinterher, nicht einmal die Konzernführung scheint an die eigene Strategie zu glauben.

Dass die Lage bei Wal-Mart schlecht ist, war bekannt. Zuletzt hatte der Konzern seine Gewinnprognose im August gesenkt. Die Aktien des Unternehmens verloren seit Jahresbeginn fast 30 Prozent an Wert. Doch nun schockt der größte Einzelhändler der Welt die Anleger so heftig wie noch nie. Der Umsatz werde im laufenden Geschäftsjahr stagnieren, der Gewinn werde pro Aktie bis zu zwölf Prozent sinken, heißt es.

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Zugleich kündigt der Konzern massive zusätzliche Ausgaben an. Der Mindest-Stundenlohn für die 600.000 Mitarbeiter soll von neun auf zehn Dollar erhöht, 3000 neue Manager eingestellt und mehr als eine Milliarde Dollar in den Ausbau des Onlinehandels investiert werden. Laut Wal-Mart-Chef Doug McMilon sind das alles "Investitionen", um den Service zu verbessern und die Kunden zufriedener zu machen.

Die Anleger überzeugten diese Erklärungen nicht. Die Aktie brach um mehr als zehn Prozent ein, der heftigste Tagesverlust für Wal-Mart seit 25 Jahren. Allein die Erben der Gründerfamilie Walton verloren an dem einen Tag rund elf Milliarden Dollar.

Was der Konzernchef als zukunftsträchtige Investitionen anpreist, ist für viele Beobachter eher der Beleg dafür, dass der Konzern, der die Einzelhandelsbranche in den USA einst revolutionierte, den Anschluss verpasst hat. Lange betrieb Wal-Mart die mit Abstand effizientesten Märkte, hatte die kostengünstige Lagerhaltung und Logistik im Land.

Druck von zwei Seiten

Doch längst ist der Konzern von zwei Seiten unter Druck geraten: Auf der einen Seite von Online-Händlern wie Amazon, die Wal-Mart etwa bei Unterhaltungselektronik und Haushaltswaren das Wasser abgraben. Auf der anderen Seite bieten kleine Supermärkte Wal-Marts wichtigste Artikel - Lebensmittel - inzwischen günstiger an.

Gegen beide Konkurrenten hat der Konzern keine überzeugende Strategie. Wal-Marts Konzept einer App, mit der man digital bestellen und seine Bestellung dann im Markt abholen kann, "geht am Kern des Problems völlig vorbei", kommentiert etwa die "Financial Times". Auch die Ankündigung weiterer Preissenkungen im Kampf gegen die Billigkonkurrenz bei gleichzeitiger Aussicht auf sinkende oder stagnierende Umsätze ist kaum geeignet, die Sorgen der Aktionäre zu vertreiben.

Selbst die Nachricht, dass der Konzern plant, Aktien im Wert von 20 Milliarden Dollar zurückzukaufen, löst keine Freude bei den Anlegern aus. Im Gegenteil: Dieses "teure Investment, das überhaupt nichts zum Wachstum beiträgt", so Kritiker, verstärkt eher noch den Eindruck, dass die Wal-Mart-Manager selbst nicht mehr daran glauben, eine zukunftsfähige Strategie zu haben.

Quelle: n-tv.de, bor

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