Wirtschaft

Das kann sich sehen lassenWarum die Deutschen kaufen

28.09.2010, 13:10 Uhr

Der Sommer ist vorbei, der Herbst ist da. Die Stimmung lassen sich die Deutschen aber dadurch nicht vermiesen: Die Kauflaune ist so gut wie schon lange nicht mehr. Und das hat mehrere Gründe.

ne
Das kann sich sehen lassen: Deutschlands Wirtschaft hat die Krise hinter sich. Nur ein Grund für die wiederkehrende Kauflaune der Konsumenten. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Kauflaune der Deutschen ist so gut wie seit fast drei Jahren nicht mehr, im Einzelhandel brummt es wie zuletzt im Wiedervereinigungsboom. Warum springt der notorisch schwache Konsum plötzlich an. Fünf Gründe, weshalb sich das Konsumklima so deutlich aufgehellt hat.

Arbeitsmarkt

In keinem anderen Land Europas ist die Sorge vor dem Jobverlust so groß wie in der Bundesrepublik, zeigen seit Jahren die Umfragen der GfK-Konsumforscher. Doch die Angst vor dem damit verbundenen finanziellen Absturz schrumpft mit der sinkenden Arbeitslosigkeit, sagt GfK-Experte Ralf Bürkl. Schon im September könnte die Zahl der Erwerbslosen erstmals seit zwei Jahren unter drei Millionen sinken. Das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit sagt für 2011 mit 2,96 Millionen die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 1991 voraus. Die guten Jobaussichten beflügeln die Kauflaune.

Lohnerhöhungen

Im Krisenjahr 2009 waren die Löhne erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik gesunken. Jetzt ziehen sie wieder spürbar an. Von April bis Juni kletterten die Bruttomonatsverdienste um 3,4 Prozent. Die Gewerkschaften dringen in den anstehenden Lohnrunden auf kräftige Zuschläge. "Im Aufschwung halten wir uns nicht mehr zurück", sagt DGB-Chef Michael Sommer. Die Deutschen haben auch Nachholbedarf: In keinem anderen EU-Staat stiegen die Verdienste im zurückliegenden Jahrzehnt so langsam wie in Deutschland. Die Bruttoverdienste in der Privatwirtschaft erhöhten sich um 21,8 Prozent, im Euro-Raum dagegen um 29,5 Prozent.

Preise

Stabile Preise sorgen dafür, dass die Lohnerhöhungen von der Inflation nicht gleich wieder aufgezehrt werden. Die meisten Forschungsinstitute rechnen für 2010 mit einer Teuerungsrate von etwas mehr als einem Prozent und für 2011 von etwa 1,5 Prozent. Die Europäische Zentralbank sieht stabile Preise bei Werten bis knapp unter zwei Prozent gewährleistet. Die Reallöhne stiegen - nach Abzug der höheren Lebenshaltungskosten - im Frühjahr mit 2,3 Prozent so stark an wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr.

Konjunkturhoch

50 Prozent der Wirtschaft sind Psychologie, wusste schon Ludwig Erhard. Die guten Nachrichten aus Unternehmen und Konjunktur stärken das Vertrauen der Verbraucher in die wirtschaftliche Zukunft ihres Landes. Kein anderes Industrieland hat das Rezessionsjahr so gut verdaut wie Deutschland. Die OECD sieht in der Bundesrepublik die Konjunkturlokomotive Europas, viele Konzerne melden Rekordgewinne, das Ifo-Geschäftsklima ist so gut wie seit drei Jahren nicht mehr. Wegen des stabilen Aufschwungs sind die Einkommenserwartungen der Verbraucher auf den höchsten Stand seit Anfang 2001 gestiegen.

Spareinlagen

Die Deutschen sind Weltspitze, wenn es ums Sparen geht. Durchschnittlich 11,4 Prozent ihres verfügbaren Einkommens legten sie zuletzt auf die hohe Kante. Das Geld für größere Anschaffungen ist vorhanden. Zum Vergleich: In den USA beträgt die Sparquote nur rund vier Prozent. "Die Sparquote ist hoch, es hat sich einiges an Konsum aufgestaut", sagt die Analystin von Sal. Oppenheim, Ulrike Kastens. Wegen des stabilen Aufschwungs trauen sich wieder mehr Verbraucher, größere Summen auszugeben.

Quelle: rts