Wirtschaft

Der fliegende Billigheimer Warum verdient Ryanair so viel Geld?

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Liebt den exzentrischen Auftritt: Ryanair-Chef Michael O'Leary.

(Foto: REUTERS)

Ryanair strotzt vor Optimismus und erwartet einen Milliardengewinn. Das erfolgreiche Geschäftsmodell: aus Mitarbeitern, Kunden und Flugzeugen den größten Nutzen ziehen.

Das nennt man wohl Zuversicht: Ryanair schraubt sein Gewinnziel kräftig nach oben – um satte 25 Prozent. Die Fluggesellschaft geht nun davon aus, im laufenden Geschäftsjahr, das Ende März kommenden Jahres endet, zwischen 1,17 und 1,22 Milliarden Euro zu verdienen. Wie gelingt dem irischen Billigflieger das eigentlich?

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Das derzeit billige Kerosin trägt sicher dazu bei, doch die Gründe liegen tiefer. Unternehmenschef Michael O'Leary trimmt die Airline konsequent auf das Motto "no frills" ("Kein Schnickschnack"). Hinter dieser griffigen Formulierung verbirgt sich knallharte Kostenkalkulation. Mit anderen Worten: Ryanair holt aus Mitarbeitern, Kunden und Flugzeugen so viel wie möglich heraus.

Dabei gibt O'Leary unnachahmlich den Billigheimer. Das ist für ihn kein Makel, sondern Imagepflege. Teure Werbekampagnen hat Ryanair mit seinem medienpräsenten Chef nicht nötig. Oder erinnern Sie sich an einen Ryanair-Spot? Bei Lufthansa sieht das schon anders aus. Besser noch: Ryanair wird in der Öffentlichkeit wahrgenommen als der billigste Flieger überhaupt. Ob das wirklich immer so ist, ist dann Nebensache.

Das Image der Marke ist hier eindeutig: Wer günstig fliegen will, denkt an Ryanair. Und genau deshalb denkt O'Leary auch laut darüber nach, Ryanair würde in Zukunft möglicherweise Geld für Toilettenbesuche verlangen. Natürlich tritt das nicht ein – aber die Botschaft kommt beim Kunden an: Ryanair tut alles, um die simple Beförderung von A nach B möglichst günstig zu machen.

Das kann man allerdings auch anders verstehen: Jedes noch so kleines Extra kostet Geld – und damit wird der Flug am Ende unter Umständen gar nicht so billig. So kostet ein willkürlich ausgewählter Kurztrip von Berlin-Schönefeld nach London-Stansted und zurück im November 65,98 Euro. Wer Gepäck aufgeben will, zahlt zwischen 15 und 40 Euro pro Flug extra. Für Sportgeräte werden 60, für Babyausstattung 20 Euro fällig. Eine Sitzplatzreservierung kostet je nach Lage des Platzes zwischen 5,99 und 15 Euro. Wer sich per SMS über den Flugstatus informieren lassen will, zahlt 2,49 Euro. Und Verpflegung an Bord kostet natürlich auch zusätzlich. Diese Aufschläge sind für Ryanair eine Goldgrube: Sie machen dem "Wall Street Journal" zufolge im vergangenen Jahr immerhin 25 Prozent der Gesamtumsatzes aus.

"Die Kollegen sind vorsichtig"

Hinzu kommt, dass Ryanair die eigenen Kosten senkt, wo es geht. So wird nur ein Flugzeugmodell verwendet, die Boeing 737-800. Das spart Wartungskosten. Außerdem kann Ryanair bei Bestellungen neuer Maschinen wegen der großen Stückzahl deutliche Rabatte aushandeln. Die Flotte ist sehr jung, im Schnitt ist ein Flugzeug Ryanair zufolge nur 5,5 Jahre alt. Das bedeutet: sparsamere Motoren, weniger Reparaturkosten.

Ryanair hat das Ziel, jede einzelne Maschine möglichst effizient nutzen. Das heißt: möglichst kurze Standzeiten und so schnell wie möglich mit neuen Passagieren wieder unterwegs sein. Dazu gehört das Konzept, gerne Flughäfen anzusteuern, die sich bestenfalls in der Nähe von Großstädten befinden. Im Gegensatz zu den zentralen Airports sind die wegen des geringen Verkehrsaufkommens nicht verstopft. Verspätungen werden damit verringert - die Maschinen stehen damit nicht auf dem Flughafen oder drehen Warteschleifen, sondern fliegen Geld ein. "Guten Morgen! 100% der Ryanair-Flüge sind an diesem Morgen pünktlich gestartet", twitterte die Airline kurz nach Tagesanbruch.

Dazu kommt: Die subventionierten Provinzflughäfen sind glücklich, überhaupt einen Kunden zu haben – und verlangen vom Billigflieger nur geringe Gebühren. Für Kunden allerdings kann das weite An- und Abreisen zum Flughafen bedeuten. Das kostet sie nicht nur Zeit, sondern auch Geld.

Mit Gewerkschaften muss sich O'Leary – im Gegensatz zu Lufthansa-Chef Carsten Spohr - nicht herumschlagen. "Unsere Mitarbeiter wollen nicht, dass wir die Gewerkschaften anerkennen. Sie interessieren sich nicht für Gewerkschaften", sagte der Ryanair-Boss jüngst der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Das sieht die Gewerkschaft Pilotenvereinigung Cockpit anders. "Ein Großteil der Ryanair-Piloten hat sogenannte Brookfield-Verträge. Da sind die Kollegen ganz vorsichtig mit dem, was sie sagen", so James Phillips, Vorstandsmitglied bei Cockpit, gegenüber n-tv.de. Einer Studie der Universität Gent zufolge fliegen für Ryanair etwa 3000 Piloten, von denen viele nicht direkt bei der Airline angestellt sind. Von ihnen werden viele von Personalagenturen wie der britischen Firma Brookfield vermittelt. Sie arbeiten auf eigenes Risiko als Selbstständige für die Airline, die so Kosten wie Krankheits- und Urlaubsgeld oder Sozialversicherungsbeiträge spart.

"Es gibt auch sogenannte Null-Stunden-Verträge", sagt Phillips. "Die Piloten werden nur dann bezahlt, wenn sie fliegen. Deren Einkommenseinbußen sind nicht besonders stark – so lange sie eingesetzt werden. Doch was passiert, wenn Ryanair ein schlechtes Jahr hat oder es am gesamten Markt schwierig wird? Dann haben die Kollegen ein Problem."

Ryanair verweist bei Kritik darauf, dass es eine lange Liste von Piloten gibt, die gerne bei ihr arbeiten würden. "Die Flugschulen produzieren immer weiter Piloten, und Ryanair ist eine der wenigen Airlines, die angehende Piloten noch einstellen", sagt Phillips. "Viele heuern bei Ryanair an, um die nötigen Flugstunden und Erfahrungen zu sammeln, um dann beispielsweise bei einer der Golf-Airlines unterzukommen."

Quelle: n-tv.de

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