Wirtschaft

Zinsen und Renditen in der Chartanalyse Was uns das Jahr 1994 lehrt

Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest

Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest

US-Notenbankchef Bernanke deutet ein Ende der ultralockeren Geldpolitik an. Die Aussicht darauf lässt bereits seit Anfang Mai die Anleihenrenditen steigen. Aber ist das Ende der Niedrigzinspolitik damit wirklich eingeläutet? Die Chartanalyse liefert die Antwort.

Die Adjustierung der Marktteilnehmer auf erstens ein Ende der quantitativen Lockerung Mitte 2014 und zweitens auf ein "Regime-Change" pro steigende Zinsen führte an den Märkten zu einem generellen Luftablassen. Dabei wurde Liquidität in hohem Maße beseitigt. Alle wichtigen Anlageklassen fielen gleichzeitig.

Die Aussicht auf ein Ende des bisher gewollten Niedrigzinsumfeldes machte sich seit Anfang Mai in steigenden Renditen und einem Abverkauf zinssensitiver Sektoren bemerkbar. Acht Hindenburg-Omen in Folge stehen für diese Bewegung. Steigende Renditen bei fallenden Inflationserwartungen führten zu einem deutlichen Anstieg des Realzinses. Dies ließ die Edelmetallpreise fallen.

Die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen stieg am Donnerstag auf 2,4 Prozent. Damit wurde eine wichtige Widerstandsmarke erreicht.

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Rendite 10-jähriger US-Anleihen Tageschart

(Foto: Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest)

Historisch betrachtet, befindet sich eine Rendite von 2,4 Prozent am unteren Ende der Langfrist-Spanne. Als "Normalisierung" würde man einen Anstieg auf 3 bis 4 Prozent bezeichnen können. Die Normalisierung scheint das erklärte Ziel der Fed zu sein. Der Chart zeigt aber schön, dass ein Normalwert eigentlich nicht existiert. Renditen bewegen sich zyklisch.

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Zinssatz 10-jähriger Staatsanleihen USA 1800-2050

(Foto: Robert Rethfeld, Welenreiter-Invest)

Klar erscheint aber, dass die Periode fallender Renditen - gemäß ihrem 30-Jahres-Zyklus - ein unteres Ende erreicht haben sollte. Es stellt sich nicht die Frage, ob die Zinsen steigen werden. Die Frage ist, in welcher zyklischen "Sub-Form" dies geschieht. Vorstellbar wäre ein Modell wie in Japan. Danach würde der aktuelle Zins-Spike lediglich temporär sein. Es würden noch Jahre vergehen, bis es zu einem nachhaltigen Anstieg käme.

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Zinssatz 10-jähriger Staatsanleihen ausgewählter Staaten

(Foto: Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest)

Der aktuelle Zinsanstieg war im Jahr 2003 auch in Japan zu erkennen (grüner Kreis obiger Chart). Danach ging es "flach" weiter.

Gemessen an der Steilheit und Dauer des Renditeabwärtstrends erscheint ein Anstieg, der innerhalb kurzer Zeit ein Renditeniveau von 3,5 bis 4 Prozent erreicht, mit geringer Wahrscheinlichkeit belegt. Dies insbesondere im Hinblick auf das aktuelle Niedriginflationsumfeld. Die Renditen haben bis zum Jahr 2040 Zeit, um ein Niveau von 6 bis 8% zu erreichen. Die Marke von 14 Prozent aus dem Jahr 1981 (Jahresendstand, zwischendrin ging es noch höher) war eine 200-Jahres-Ausnahme und muss im nächsten Zyklus nicht wieder erreicht werden.

In den vergangenen Wochen wurde viel darüber diskutiert, ob nicht das Jahr 1994 ein Prototyp für den aktuellen Verlauf sei. Die Renditen zogen zwischen Februar und April 1994 deutlich an (siehe schwarzen Pfeil folgender Chart).

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US-Renditen und S&P-500 (1983-1995)

(Foto: Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest)

Parallel dazu fiel er Aktienmarkt. Die am Ende steile Abwärtsbewegung des Aktienmarktes endete, als der Renditeanstieg Anfang April 1994 stoppte. Eine zweite Phase des Renditeanstiegs (orangefarbiger Pfeil obiger Chart) führte nochmals zu Turbulenzen am Aktienmarkt (September/Oktober 1994). Damals wurde das April-Tief nochmals getestet, aber nicht mehr erreicht.

Das Jahr 1994 lehrt uns, dass steigende Renditen dazu in der Lage sind, Aktienmärkte zu verunsichern. Insbesondere dann, wenn der Renditeanstieg schnell und steil verläuft und ein "Regime-Change" der Fed damit verbunden ist (Damals erhöhte Alan Greenspan die Zinsen, aktuell zieht Ben Bernanke verbal die Zügel an). Gleichzeitig vermittelt diese Grafik, dass ein Ende des Zinsanstiegs in solchen Phasen häufig mit einem Tief an den Aktienmärkten einhergeht. Wenn also die starke Widerstandsmarke von 2,4 Prozent (Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen) jetzt nicht nachhaltig überwunden werden kann, dann würden die Aktienmärkte in Kürze einen unteren Wendepunkt ausbilden.

Quelle: ntv.de, Von Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest

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