Wirtschaft

Förderung der Infrastruktur Wasserstoff für alle

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Bereiter des Wasserstoffautos: Daimler-Vorstand Zetsche (l.), Verkehrsminister Tiefensee und EnBW-Vorstand Villis.

Mit einem feierlichen Akt haben in Berlin ein Industriekonsortium und das Bundesverkehrsministerium eine Vereinbarung zur Förderung der Wasserstofftechnologie unterzeichnet. Bis 2015 wollen beide Seiten die Technologie serienreif machen und eine Tankstellen-Infrastruktur dafür schaffen. Wie seriennah und tauglich für die Massenproduktion diese Technik wirklich ist blieb aber offen.

"Heute ist ein guter Tag", eröffnete Daimler-Vorstand Dieter Zetsche seine Rede anlässlich der Unterzeichnung des Memorandums zur Förderung der Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland. Vorgefahren waren Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Zetsche in einem Mercedes B-Klasse F-Cell. Die Studie feiert in der kommenden Woche auf der Automesse IAA ihre Weltpremiere.

Ein Konsortium von sieben Unternehmen unter dem Dach des Bundesverkehrsministeriums hat sich einem Aufbauplan für eine flächendeckende Infrastruktur zur Versorgung von Wasserstoff verschrieben. Dabei traf sich eine illustre Runde aus Energieversorgern, Ölkonzernen, dem Gase-Hersteller Linde und, als einziger Autohersteller, Daimler Benz.

Wieviele Fahrzeuge werden es

Den Anfang sollen 25 neue Tankstellen für Wasserstoff machen, die die Ölkonzerne Total, OMV und Shell bis 2011 aufbauen wollen. In den darauf folgenden Jahren soll die Zahl weiter wachsen und die Marke von 1000 erreichen. Laut Linde-Chef Wolfgang Reitzle  Dieser Teil des groß angelegten Projekts ist noch der greifbarste. Daimler nahm sich in die Pflicht bis 2015 das Wasserstoffauto tauglich für die Großserie zu machen. "Wir sind technologisch soweit", sagte Daimler-Vorstand. Auf Nachfrage von n-tv.de wurden allerdings aus den mehreren 100.000 Autos, die man auf die Straße bringen will weitaus weniger, die wirklich zu einem konkurrenzfähigen Preis verkauft werden können. Von einer fünfstelliger Produktion in sechs Jahren bei Mercedes sprach Zetsche dann etwas kleinlauter.

Mercedes B-Klasse F-Cell

Das Wasserstoffauto B-Klasse F-Cell von Mercedes. Die neue Generation soll bis zu 400 Kilometern Reichweite haben.

Alles in allem hinterließ die Veranstaltung den Eindruck einer gut inszenierten PR-Aktion von Firmen, die allesamt nicht gerade als Umweltengel bekannt sind. EnBW-Chef Hans-Peter Villis nutzte die Gelegenheit und referierte weit über seine Redezeit hinaus über die Anstrengungen seines Unternehmens in Sachen erneuerbarer Energie und warum man bedauerlicherweise dann doch noch konventionelle Kraftwerke brauche. Auch Udo Bekker, seines Zeichens Vorstands-Mitglied von Vattenfall stellte ebenfalls die ökologischen Bemühungen seines Konzerns heraus. Daimler-Chef Zetsche wurde bei der Rede nur einmal unruhig. Nämlich als der Vattenfall-Manager die Kooperation seines Konzerns mit dem bayrischen Konkurrenten BMW in Sachen des elektrisch betriebenen Mini E erwähnt wurde. Das hörte der Daimler-Mann gar nicht gerne.

Freude bei Reitzle

Linde-Chef Wolfgang Reitz hingegen konnte seine Begeisterung kaum verstecken. Schließlich ist die Wasserstofftechnik für ihn die beste Möglichkeit ein komplett neues Geschäftsfeld für seinen Konzern aufzubauen. Das Unternehmen würde zu einem neuen Energiekonzern werden und sich einen gigantischen Markt erschließen.

Wie fruchtbar die Dinge sein werden, die Industrie und der ebenfalls unter starkem Beschuss stehende Verkehrsminister da so medienwirksam bekannt gegeben haben, muss die Zukunft zeigen. Die Gelder der Regierung, die übrigens aus dem Konjunkturpaket II stammen, bewegen sich im Umfang von mehreren hundert Millionen Euro. Bleibt zu hoffen, dass mehr dabei herauskommt außer guten Worten und ein paar Tankstellen. Für den Klub der Bedrängten war die Veranstaltung in jedem Fall eine nette Abwechslung von schlechten Nachrichten.

Quelle: ntv.de