Wirtschaft

"Mangelnde Akzeptanz" Weber betreibt Aufarbeitung

Axel Weber bricht sein Schweigen und erklärt seinen Verzicht auf die Kandidatur für das Amt des EZB-Präsidenten. Der 53-Jährige begründet seinen Schritt mit der mangelnden Akzeptanz in den Euro-Ländern. Seine weitere berufliche Zukunft lässt Weber, der auch das Amt des Bundesbank-Präsidenten aufgibt, offen.

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"Ich möchte nicht vor dem nächsten Jahr irgendeine Tätigkeit aufnehmen."

(Foto: dapd)

Nach seiner Rücktrittsankündigung hat Bundesbank-Präsident Axel Weber seinen Verzicht auf eine Kandidatur um den Posten des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) mit mangelnder Akzeptanz in den Euro-Ländern begründet.

Dem EZB-Präsidenten komme eine Sonderstellung zu, sagte Weber dem "Spiegel". Wenn der Bankchef jedoch zu wichtigen Fragen eine Minderheitsmeinung vertrete, leide die Glaubwürdigkeit dieses Amts. Er habe bei einigen wichtigen Entscheidungen in den vergangenen zwölf Monaten klare Positionen bezogen, so Weber. "Die Positionen mögen für die Akzeptanz meiner Person bei einigen Regierungen nicht immer förderlich gewesen sein."

Bereits im Herbst 2010 habe er der Bundesregierung signalisiert, "dass für mich mehrere berufliche Optionen bestehen", sagte Weber weiter. Im Januar habe er darüber mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gesprochen. Es habe keine Festlegung auf eine Kandidatur gegeben, sondern die Vereinbarung, im März noch einmal ein Gespräch darüber zu führen.

Keine Aussage zu beruflicher Zukunft

"Seit Januar ist dann mein Entschluss gereift", sagte Weber. Seine Zukunft ließ er offen. Er werde sich jetzt erst einmal eine Karenzzeit gönnen. "Ich möchte nicht vor dem nächsten Jahr irgendeine Tätigkeit aufnehmen." Zu Gerüchten, er werde an die Spitze der Deutschen Bank wechseln sagte Weber: "Solange ich im Amt bin, führe ich keine Gespräche über meine berufliche Zukunft. Mit niemandem."

Weber hatte in einem Gespräch mit Merkel seinen Rücktritt vom Posten des Bundesbank-Präsidenten zum 30. April erklärt und dafür Regierungssprecher Steffen Seibert zufolge persönliche Gründe angeführt. Der 53-jährige Ökonom galt neben dem italienischen Zentralbankchef Mario Draghi als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von EZB-Chef Jean-Claude Trichet, dessen Amtszeit am 31. Oktober endet. Wer Webers Nachfolger an der Spitze der Bundesbank folgen wird, soll kommende Woche bekanntgegeben werden.

Bankenverband widerspricht Grünen

Der Bundesverband deutscher Banken sprach sich gegen eine starre Übergangsfrist für den Fall eines Wechsels von Weber zur Deutschen Bank aus. Bei Interessenkonflikten solle "im Einzelfall entschieden werden, was ein sinnvoller Zeitraum ist", sagte Verbandspräsident Andreas Schmitz der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es sei wichtig und richtig, dass zwischen Wirtschaft, Administration und Wissenschaft gewechselt werde.

Die Grünen hatten Weber aufgefordert, im Falle eines Wechsels in die Wirtschaft eine Karenzzeit von mindestens einem Jahr einzuhalten. Ein schneller Wechsel wäre unter anderem deshalb heikel, weil die Bundesbank auch Aufgaben in der Bankenaufsicht hat und an diversen Bankenrettungen während der Finanzkrise beteiligt war.

Quelle: n-tv.de, rts

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