Wirtschaft

Welt-Index Weltkonjunktur ist intakt

Trotz der vielen Unsicherheiten durch die Politik zeigt sich die Großwetterlage der Weltkonjunktur weiterhin durchaus robust. Die globalen Wirtschaft dürfte sich in den kommenden Monaten leicht beleben.

Nachdem die Schockwellen über das negative Votum der Briten zur EU und den bevorstehenden Brexit den Konjunkturmotor der Weltwirtschaft bisher nur geringfügig zum Stottern gebracht hatten, machen sich schon wieder neue politische Sorgen breit. Die Türkei hält Europa in Atem, denn nach dem vereitelten Putschversuch in der Türkei könnte ein erneutes, expansives Aufflackern der Flüchtlingskrise real werden, sollte der türkische Präsident den Pakt aufkündigen. Gleichzeitig kesseln das Assad-Regime und Russland 250.000 Menschen in Aleppo (Syrien) ein, sehr zum Unfrieden der USA und dem Westen, während gleichzeitig in der Ostukraine weiterhin gekämpft wird, und Terroranschläge in Europa fast wöchentlich die Nachrichten füllen. Darüber hinaus befinden sich Teile Europas erneut oder immer noch in einer Bankenkrise, und populistische politische Strömungen sind allerorts festzustellen.

"Egal mit wem ich in den letzten Wochen aus Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft gesprochen habe, es machen sich derzeit eigentlich alle Sorgen, dass ein Ende der relativen Stabilität bevorsteht. Sprich ökonomische Krisen, politische Krisen und gesellschaftliche Krisen gleichzeitig auftreten könnten", fasst Dr. Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltungsgesellschaft, welche monatlich den "Welt-Index" veröffentlicht, zusammen. Die Welt befinde sich im Wandel und werde weiter von Unsicherheiten begleitet.

Dr. Markus C. Zschaber

Dr. Markus C. Zschaber

"Bereits seit vielen Jahren verweise ich auch im Rahmen der Analyse zum 'Welt-Index' darauf hin, dass die politischen Krisen und das mangelhafte Krisenmanagement der Regierungen hier in Europa, aber auch in anderen relevanten Regionen der Welt, selbstverstärkende Schocks verursachen, die wiederum die anderen Bereiche unseres Systems systematisch anstecken können, sei es den Finanzmarkt oder die Wirtschaft", konstatiert Zschaber die aktuelle Lage. Die einzigen Instanzen, die sich immer wieder den politisch induzierten Ereignissen entgegenstellen, sind die Notenbanken. So war es kaum verwunderlich, dass auch in den letzten Wochen der Fokus der globalen Aufmerksamkeit sich wieder auf die globale Geldpolitik ausrichtete, wobei der dies bezügliche Hotspot in Großbritannien (Bank of England) vorzufinden war.

Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 befinden sich die Notenbanken in einem Modus der liquiden Unterstützung, um das Absorbieren von Schockwellen für die Wirtschaften erträglicher werden zu lassen. So auch jüngst in Großbritannien. Aufgrund der negativen Effekte auf das Wirtschaftsleben im UK, ausgelöst durch das Brexit-Votum, senkte erwartungsgemäß die britische Notenbank den Leitzins von 0,5% auf ein neues historisches Tief von 0,25%. Die Größe und Breite des Maßnahmenbündels hat den Markt positiv überrascht. "Fakt ist, die Zinssenkung, die erste in mehr als sieben Jahren, war zwar bereits voll vom Markt eingepreist, zumal die Notenbank einen solchen Schritt bei der letzten geldpolitischen Sitzung vor einigen Wochen in Aussicht gestellt hatte. Die Ausweitung des QE-Programms um 70 Milliarden Pfund hingegen übertraf die Markterwartungen", so der Vermögensverwalter weiter.

Die BoE kündigte an, nicht nur Staatsanleihen in Höhe von 60 Milliarden Pfund zu kaufen, sondern auch Anleihen von britischen Unternehmen in Höhe von 10 Milliarden Pfund. Der Umfang des Maßnahmenbündels zeigt, dass die BoE die Auswirkungen des Brexits auf die britische Wirtschaft äußerst negativ einschätzt, und die Notenbank verwies darauf, dass ihr Einfluss auf das gesamtwirtschaftliche Geschehen nicht grenzenlos ist, im Gegenteil, es eine funktionsfähige Strategie in der Politik braucht, um keine Verunfallung der Konjunktur in Großbritannien zu riskieren.

Einige Wochen zuvor hatte die EZB angekündigt, neben Staatsbonds auch Firmenanleihen im großen Stil zu erwerben, um dadurch immense Kostenvorteile bei Konzernen, die sich am Kapitalmarkt finanzieren, zu verursachen. Die US-Notenbank hat von einer wirklichen Zinswende Abstand genommen, auch wenn mit einer Zinserhöhung in diesem Jahr zu rechnen ist.

"Wenn wir ehrlich sind, so hören wir häufig identische Worte auch seitens der EZB oder auch in den USA und Japan. Es werden politische Lösungen zur Überwindung der Krisen benötigt, nur dieses kann der entscheidende Schlüssel für den Erfolg sein", führt der Geldmanager aus. Die vielen Warnungen, dass den Notenbanken die Munition bzw. die Instrumente in der Zukunft ausgehen könnten sieht der Vermögensverwalter allerdings nicht.

"Man hört ja immer wieder, die Notenbanken haben ihr Pulver verschossen - diese ist mitnichten so. Vor einiger Zeit wurde mit den Aufkäufen von Staatsanleihen angefangen, jetzt ist man im Bereich von Unternehmensanleihenmärkten unterwegs. Jeder der in Unternehmensanleihen investiert, weiß, dass dieser Markt dadurch noch illiquider werden wird. Aber Unternehmensanleihen haben den Vorteil für die EZB, dass sie hierbei nicht 25% nach Deutschland schicken muss, gemäß des Verteilungsschlüssels, sondern die EZB kann kaufen wo es ihr gefällt - und der logische nächste Schritt sind natürlich ETFs auf Aktien, so wie das die Schweiz oder auch Japan schon längst machen. Nein es ist nicht eine Frage der Munition, die ausgehen wird, sondern es ist eine Frage der Traktion auf die Wirtschaft, sprich die Wirkung im positiven auf die Realwirtschaft wird zunehmend niedriger", fasst Markus C. Zschaber zusammen.

Der V.M.Z.-Kommentar zum aktuellen Stand

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Trotz der vielen Unsicherheiten zeigt sich die Großwetterlage der Weltkonjunktur weiterhin durchaus robust, wenn auch die ganz großen Sprünge nicht zu erwarten sind. Der Trend ist allerdings ungebrochen, dass einerseits die globale Industrieproduktion nur sehr niedrige Wachstumszahlen erreicht, anderseits aber die globale Nachfrage nach Dienstleistungen und Konsum weiter prosperiert. Gerade mit Blick auf die kommenden Monate wird eine leichte Belebung der globalen Wirtschaft erwartet, welche zum Jahresende noch stärker an Fahrt zulegen sollte. Die globalen Konjunkturdaten zeigen sich leicht verbessert. Der "Index der Konjunkturdaten" weist für den Monat Juli ein Niveau von 63 % (Vormonat: 61%) aus, welches weiterhin einer ansteigenden positiven Grunddynamik entspricht.

Zur Eurozone lässt sich festhalten, dass der Wachstumskurs stimmt. Die Wirtschaft im Euroraum wächst zwar nicht im atemberaubenden Tempo, aber sie wächst, welches im aktuellen Kontext der politischen Krisen durchaus ein Qualitätsmerkmal ist. Die Arbeitslosigkeit geht kontinuierlich zurück, die Inflation liegt noch nahe Null, dieses ermöglicht auch der EZB weiterhin Spielräume für Maßnahmen. "Nach dem relativ starken Start ins Jahr war das jüngste Datenbild insgesamt leicht verschlechtert, auch wenn es eine sehr heterogene Situation ist. Die uns vorliegenden Ergebnisse zum "Welt-Index" verdeutlichen, dass Frankreich sich in einer Stagnation befindet, während Spanien starkes Wachstum zeigt, und Österreich, Deutschland etc. eher mäßiges Wachstum anzeigen. Insgesamt bleibt die Konjunktur im Euroraum damit aufwärts gerichtet. Auch die vorausschauenden Indikatoren für das dritte Quartal, lassen bislang keinen großen Dämpfer durch das Brexit-Votum erwarten. "Wir halten an unserer Prognose eines diesjährigen Wirtschaftswachstums von 1,6% für die Eurozone fest", so der Experte weiter.

Die zuletzt guten Konjunkturdaten aus den USA richteten den Fokus wieder auf die US-Geldpolitik. So ist die aus den Finanzmärkten abgeleitete Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung im Dezember zuletzt auf über 50 % gestiegen. Die Konsumausgaben sowie der Arbeitsmarktbericht waren zuletzt positiv und werden in diesem Zusammenhang einen großen Einfluss auf die eingepreisten Leitzinserwartungen haben. Insgesamt scheint trotz des nur schleppenden Wachstums im ersten Halbjahr eine Beschleunigung des Wachstums im zweiten Halbjahr nach wie vor wahrscheinlich. Der Wachstumsmotor bleibt dabei der Konsum, der von einer sukzessiven Erholung der Investitionsausgaben Unterstützung bekommen sollte. Insgesamt spricht das Bild einer etwas schnelleren konjunkturellen Erholung für eine Leitzinserhöhung der Fed im Dezember.

"Im asiatischen Raum sehen wir weiterhin China in einer gewissen zyklischen Schwäche hinsichtlich der Konjunkturfaktoren, allerdings bemessen wir diesem Fakt weiterhin kein Grund zur Sorge. Wir erwarten für das 2. Halbjahr eine höhere Geschäftsaktivität in nahezu allen Sektoren, dass verdeutlichen eine ganze Reihe an Frühindikatoren. Nicht zuletzt wird auch hier die Notenbank eine treibende Rolle spielen", so der Vermögensverwalter weiter.

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Die vielen Ereignisse rund um den Globus haben bei vielem Marktteilnehmer die Skepsis ansteigen lassen, welches wiederum zu tiefen Erwartungen an die Weltkonjunktur geführt hatte. Dies war auch der Hintergrund, warum der "Index der Markterwartungen" auf ein Niveau von 60% (Vormonat: 56%), angestiegen ist. "Die politischen Risiken haben noch nicht auf die Realwirtschaft durchgeschlagen, gleichzeitig stützt die Geldpolitik global. Ich glaube, viele Marktexperten sind auf dem falschen Fuß erwischt worden, waren zu vorsichtig und müssen jetzt Anpassungen vornehmen, welches auch die positiven Aktienmärkte erklärt".

Fazit & Ausblick für Anleger:

Für den Kölner Vermögensverwalter bestehen zusammengefasst drei übergeordnete Gründe, die trotz aller politischen Unsicherheit für die Anlage in Qualitätsaktien sprechen. Der Erste ist, dass aufgrund der extrem niedrigen Geldpolitik keine wirkliche Alternative existiert. Ein Investment in Staatsanleihen ist heute ein Investment, welches nichts mehr mit freien Preisen, geschweige denn freier Marktwirtschaft zu tun hat. Man muss sich einfach einmal vorstellen, dass wir in einzelnen Märkten dreißigjährige Staatsanleihen vorfinden, die negative Renditen ausweisen. Die daraus abzuleitende makroökonomische Erwartungshaltung ist völlig absurd. Man gibt sein Geld dreißig Jahre weg und bekommt eine negative Rendite p.a. vor Inflation - dieses ist pure Planwirtschaft.

Der zweite Grund ist, dass das Wirtschaftswachstum in den einzelnen Regionen der Welt in naher Zukunft zwar nicht überragend, aber dafür robust mit etwas ansteigender Dynamik sein wird. Genau das könnte die Notenbanken in die Lage versetzen, Zinsen und Renditen noch sehr lange Zeit sehr tief zu halten. Davon prosperieren vor allem effiziente Unternehmen. Fakt ist, dass die Ertragslage vieler Firmen sich verbessert, weil wichtige Kostenelemente (Zinsen, Rohstoffe, Energie, Löhne und teilweise auch der Wechselkurs) günstiger geworden sind. Sie könnten ihre Gewinne operativ steigern oder die Erträge durch "Financial Engineering", trotz nur leichten Umsatzzuwächsen gut aussehen lassen.

Last but not least sind Qualitätsaktien reale Wertanlagen. Sollten die Inflationserwartungen doch einmal dynamisch zulegen, werden operativ erfolgreich arbeitende Unternehmen sehr stark gesucht werden, um die drohenden Kaufkraftverluste zu kompensieren. Qualitätsaktien haben somit auch eine Wertsicherungsfunktion und zwar genau die, welche dem Bargeld zunehmend abgesprochen wird!

"Wir sind uns ganz sicher, die besagten Logiken werden sich langfristig durchsetzen, leider nicht immer sofort. Unsere Überzeugung ist, dass die Märkte in 2016 und auch im kommenden Jahr steigen werden. Allerdings werden uns Schwankungen begleiten, denn es bestehen Faktoren und Einflüsse um die sich viele Sorgen machen", konstatiert Zschaber.

Veränderungen im Musterportfolio

Zukäufe-/Nachkäufe aus den letzten 4 Wochen: Leoni, Rheinmetall, Kion Group, Aurubis, BASF, BMW, Daimler, Continental, SAP, Henkel, Beiersdorf, Dürr, AT&T, 3M

Haltepositionen: Reckitt Benckiser, GRENKE, Pfizer, Fresenius, Tyson Food, Coca Cola, Home Depot, Roche, General Electric, Bertrandt, Geberit, Duke Energy, Unilever, Wacker Chemie, RATIONAL, Acuity Brands, Dow Chemical, Procter&Gamble, UnitedHealth Group, Apple, Wal-Mart, Microsoft, Bechtle, Jungheinrich, Symrise, GEA Group, Rheinmetall, Kroger, Anheuser-Busch, L’Oreal, Bayer, Nikkei-ETF

Verkäufe aus den letzten 4 Wochen: Airbus Group, Exxon Mobil, Nike, Allianz, Brenntag, HeidelbergCement, Krones

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Asset-Allokation

Erhöht werden: Aktien (Large Caps) Deutschland von 17,5% auf 20%; Aktien (Nebenwerte) Deutschland von 10% auf 12%; Aktien (Nebenwerte) USA von 5% auf 7,5%; Staatsanleihen Emerging Markets von 5% auf 7,5%; Wandelanleihen von 5% auf 7,5%

Beibehalten werden: Aktien (Large Caps) USA 15%; Aktien (Large Caps) Europa 8%; Aktien (Nebenwerte) Europa 3%; Aktien Japan 5%; Unternehmensanleihen 10%

Reduziert werden: Edelmetalle von 8% auf 3%; Cash von 8,5% auf 1,5%

Das Musterdepot zum "Welt-Index" beinhaltet diverse Anlageklassen wie beispielsweise Aktien, Unternehmens-, Wandel- und Staatsanleihen sowie Rohstoffe als auch Edelmetalle. Das Portfolio wird aktiv seit 5 Jahren gemanagt und auch abgesichert je nach Börsenphase, so dass je nach Kapitalmarktsituation auch flexibel die Bargeldquote erhöht oder minimiert wird. Zur Absicherung und Gewinnmitnahmen werden auch ETF's auf Indices und Märkte verwendet. Mit dieser Art der direkten Abbildung des "Weltwirtschaftszyklus" ist es dem Musterdepot gelungen, eine konstante und höhere Wertentwicklung als der MSCI World zu erwirtschaften. Informationen hierzu und den Gedankengängen bei der Auswahl der Anlageklassen finden Sie unter www.zschaber.de/vmz/kapitalmarktstudie

Zur Methode: Die Grundlage des "Welt-Index" ist die Analyse von Wirtschaftsindikatoren aus der ganzen Welt, die eine hohe wirtschaftliche Relevanz und eine hohe Reaktion an den Finanzmärkten mit sich bringen. Diese werden weltweit von Statistikämtern und Forschungsinstituten sowie weiteren hochrangigen wissenschaftlichen Quellen veröffentlicht. In der Endform konzentriert sich der "Welt-Index", der aus zwei Komponenten besteht, dem "Index der Konjunkturdaten" und dem "Index der Markterwartungen", auf die monatlich 50 wichtigsten Konjunkturdaten, zugrunde liegen mehr als 1.000 internationale Indikatoren, die monatlich ermittelt und bewertet werden. Die Verknüpfung der Datenreihen in einer nach Dominanzfaktoren gegliederten Gewichtung gibt Aufschluss darüber, in welchem Zyklus und Stadium sich die Weltwirtschaft befindet. Aufgrund der Kombination von frühzyklischen, gleichzyklischen und nachzyklischen Indikatoren sowie der Integration einer Erwartungskomponente ermöglicht der "Welt-Index" eine sehr genaue Messung des aktuellen Status. Um dieses zu vereinfachen, werden dann zwei Trenddaten erstellt, die Aufschluss darüber geben, wie viele der ermittelten Daten in den vergangenen vier Wochen gefallen oder gestiegen sind. Nähere Informationen hierzu unter: www.weltindex.de

Das Musterportfolio zum "Welt-Index" ist nur als begleitende Information zu verstehen und dient nicht als konkreter Anlage-Ratschlag. Die Dr. Markus C. Zschaber Vermögensverwaltungsges. mbH erstellt den Index monatlich exklusiv für die "Welt am Sonntag" und den Nachrichtensender "n-tv". Informationen zum Index unter www.zschaber.de und www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de