Wirtschaft

Welt-Index Weltwirtschaft hellt sich weiter auf

Die Konjunkturlage der Weltwirtschaft verharrt trotz den mannigfaltigen Problemfeldern auf einem soliden und leicht verbesserten Niveau. Mit Blick auf die Großwetterlage der Weltwirtschaft hat diese in den letzten Wochen an positiver Dynamik zugenommen.

"Sell in may and go away" heißt eine vielbeachtete Börsenweisheit, die sich statistisch darauf bezieht, dass die Sommermonate in der Tendenz schwächere Börsenmonate darstellen. Und jedes Jahr fragen sich die Anleger erneut, wäre es nicht sinnvoll die eigens erworbenen Aktien abzustoßen, um später im Jahresverlauf wieder zu tieferen Kursen einzusteigen. Markus C. Zschaber, Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung, welche monatlich den "Welt-Index" veröffentlicht, verweist auf die Tatsache, dass traditionelle Muster an der Börse an Aussagekraft verloren haben. "Ich wundere mich immer noch über die Tatsache, dass die meisten Anleger noch an die Normalverteilung an den Finanzmärkten glauben. Trotz aller milliardenschwerer Eingriffe durch die Politik und Notenbanken vergleichen viele die heutige Entwicklung mit der Vergangenheit und suchen Schlüsse für die Zukunft. Ich kann nur betonen, es existiert keine Normalverteilung mehr, vielmehr muss das hier und jetzt stetig neu analysiert werden."

Dr. Markus C. Zschaber

Dr. Markus C. Zschaber

Die drei großen Themen auf der Finanzmarktagenda, welche die Märkte derzeit in die eine oder andere Richtung bewegen, sind nach Angaben des Vermögensverwalters ein eventueller Brexit (Austritt Großbritanniens aus der EU) im Juni 2016, ein weiterer Verfall der Ölpreise, der wiederum die globalen Deflationsängste schüren würde und ob die chinesische Wirtschaft noch weiter abkühlt geschweige denn in eine Rezession abrutscht.

"Ich bin davon überzeugt, dass wir die großen Volatilitäten an den Märkten, welche im Spätsommer 2015 und zu Jahresbeginn 2016 stattgefunden haben, hinter uns gelassen haben. Die Ängste, die hier die Kurse getrieben haben, waren vollends überzogen und durch eine extrem hohe Emotionalisierung der Themenlage beeinflusst. Kursschwankungen werden auch in den kommenden Wochen stattfinden, allerdings sehe ich bis auf weiteres nicht mehr diese Verwerfungen", konstatiert er.

Zschaber hatte bereits in den vergangenen Monaten im Rahmen der Analyse zum Welt-Index immer wieder darauf hingewiesen, dass die konjunkturelle Lage in der Weltwirtschaft zwar grundsätzlich durch die strukturellen Verwerfungen der vergangenen Krisenjahre gehemmt wird, allerdings im ersten Quartal 2016 primär durch zyklische Konjunktureffekte und durch mangelnde Zuversicht bei den Unternehmenslenkern, sprich eine schlechtere Stimmungslage, negativ beeinflusst wurde. "Wir haben ein durchaus schwaches erstes Quartal in der Weltwirtschaft durchlaufen, aber ich würde das Jahr 2016 nicht abschreiben. Ich sehe durchaus Chancen für positive Überraschungen", folgert er weiter.

Der Geldmanager geht davon aus, dass ein Brexit vermieden werden kann. Die ökonomischen Kosten für Großbritannien wären immens und ungleich größer als die der EU in einem solchen Fall: "Letztendlich bin ich davon überzeugt, dass die Wähler in Großbritannien aus ökonomischen Gründen für einen Verbleib in der EU entscheiden werden". Sollte wider Erwarten doch ein Austritt aus der EU für Großbritannien die Zukunft sein, sieht er aber die Verwerfungen an den Finanzmärkten von eher kurzfristiger Natur. Was sicherlich deutlich negativer betroffen wäre, wäre das britische Pfund, das massiv unter Druck geraten würde. Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen für Deutschland wären aber begrenzt, lediglich 5 Mrd. EUR von rund 1000 Mrd. EUR weltweitem Exportvolumen gehen aus Deutschland im Jahr nach Großbritannien. Umgekehrt gehen 50 Prozent der britischen Exporte in die EU, dies würde bei einem Nichterreichen eines Freihandelsabkommens finanziell sehr schmerzhaft werden.

Das zweite Thema, welches die Märkte in Atem gehalten hatte, war die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft. Die Frage ist: Bleibt China auch im weiteren Verlauf ein großer Volatilitätsfaktor an den Kapitalmärkten? "Ich glaube schon, dass China grundsätzlich ein auch zukünftig vielbeachtetes Thema bleiben wird, allerdings zunehmend an Schrecken verlieren wird. Die Maßnahmen der Politik und der chinesischen Notenbank in den letzten Wochen tragen sukzessive Früchte, gleichzeitig besteht noch ein großer Raum, sofern notwendig, weiter zu agieren.

Aber die hohe Wachstumsgeschwindigkeit der letzten zehn oder zwanzig Jahre ist vorbei, was aber weniger an einer Schwäche Chinas sondern vielmehr am Status des Wachstumsmodells in China liegt. Chinas Wirtschaft steht heute auf eigenen Beinen, vieles an Infrastruktur ist fertiggestellt. Das Aufholpotenzial Chinas ist abgearbeitet, und dass sich in diesem Stadium das Wachstum verlangsamt, ist völlig normal", fasst Zschaber zusammen.

Nach seinen Schätzungen wird China die angepeilten 6,5 Prozent an Wachstum erreichen, was realistisch ist. Allerdings sind die allgemeinen Erwartungen des Marktes an die chinesische Wirtschaft, vor allem an die Investitionen durch den Staat in puncto Infrastruktur immer noch recht hoch, so dass hier auch im zweiten Halbjahr die eine oder andere negative Überraschung auftreten könnte.

Der dritte Einflussfaktor, welcher vor allem die Aktienmärkte beeinflusste, war der Verfall der Ölpreise. Fielen die Ölpreise, fielen auch die Aktienkurse, war die scheinbar neue Gleichung in der Systematik der Finanzmärkte. "Wir haben in den letzten Monaten auf dieses sehr irrationale Phänomen im Rahmen der Welt-Index-Analyse hingewiesen. Die Märkte hatten schlichtweg Angst, dass ein zu stark fallender Ölpreis ein Vorbote für eine weltweite Rezession, wenn nicht sogar Depression sein könnte. Die irrationale Logik scheint aber zunehmend der Vergangenheit anzugehören, da die Finanzmärkte immer mehr erkennen, dass die Ölpreise nicht aufgrund eines globalen Nachfrageschocks fallen, sondern aufgrund eines massiven Überangebots. Gleichzeitig begreifen die Marktteilnehmer, dass ein niedriger Ölpreis die Kaufkraft der Konsumenten erhöht und "last but not least" den Notenbanken mehr Spielraum lässt, weitere geldpolitische Maßnahmen zu ergreifen, um das Geld, gemessen an den Zinskosten, sehr billig zu halten", fasst der Vermögensverwalter die Lage zusammen.

Die Voraussetzungen, dass die Weltwirtschaft sich in den kommenden Quartalen besser entwickeln wird, sind gut. Nicht zuletzt auch durch die Politik der Notenbanken. "Wir befinden uns weiterhin in einer weltweiten Situation, in der die Druckerpressen der Notenbanken auf vollen Touren laufen und für mehr als ausreichend Kapital sorgen. Wir haben ein hohes Maß an Überschussliquidität im globalen Kontext. Mit Blick auf die Großwetterlage der Weltwirtschaft hat diese in den letzten Wochen an positiver Dynamik zugenommen, dieses ist auf einen mehrheitlich boomenden Dienstleistungssektor in allen relevanten Volkswirtschaften zurück zu führen. Die Wachstumspotenziale innerhalb eines liquiditätsstarken Umfelds werden sich zukünftig positiv auf die Unternehmensgewinne auswirken. Dies ist der entscheidende Faktor, welcher gerade bei Aktien für innere Kursstabilität Sorge tragen wird.

Der V.M.Z.-Kommentar zum aktuellen Stand

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Die Großwetterlage der Weltkonjunktur entwickelt sich vorsommerlich. Erwartet wird gerade mit einem Blick auf die kommenden Monate eine leichte Belebung der globalen Wirtschaft, welche zum Jahresende noch stärker an Fahrt zulegen sollte. Der "Index der Konjunkturdaten" weist aktuell ein Niveau von 65 % (Vormonat: 62%) aus, welches einer ansteigenden positiven Grunddynamik entspricht.

Weiterhin positiv ist der Vermögensverwalter von der Wirtschaftsleistung der USA überzeugt, gerade der Konsument sollte in den kommenden Monaten zur dynamischen Belebung beitragen. Gesehen werden wirklich gute Chancen für eine positive Beschleunigung der US-Konjunktur im Sommer dieses Jahres. Die fundamentale Ausstattung der US-Wirtschaft ist vielversprechend, treibende Faktoren sind sicherlich die Belebung des US-Immobilienmarkts sowie die ansteigende Beschäftigung. Auch die abnehmende Verschuldung der Privathaushalte stärkt das Fundament der Nachhaltigkeit.

Als Folge des billigen Geldes hat sich die Liquiditätskapazität insbesondere der US-Unternehmen deutlich von ihren Tiefständen 2009 erholt und befindet sich über Vor-Finanzkrisenniveau. "Mit Blick auf die bilanziellen Details lässt sich nach Zschabers Meinung deutlich erkennen, dass Unternehmen, trotz hoher Dividendenausschüttungen, schlichtweg nicht wissen wohin mit ihrer Liquidität. Der Investitionsgüterzyklus sollte langfristig ein großes Thema werden und viele Unternehmenslenker werden ihre Umsätze und technologisches Wissen in Märkten und Bereichen strategisch hinzukaufen, zu denen man bislang keinen Zugang hatte bzw. in denen man bislang nicht vertreten war. Der Trend zu mehr Marktmacht um mittelfristig höhere operative Margen zu erzielen, hat das Potenzial ein Megatrend zu werden.

"Für Kapital auf dem Konto gibt es heute keinen Grenznutzen mehr, da die Verzinsung nahe null ist. Das gilt für Privatpersonen, wie auch für Unternehmen, es zeigt sich daher zunehmend, dass die Unternehmen jetzt verstärkt auf diese Realität reagieren. Eine höhere Mittelverwendung der hohen Liquiditätspolster bei den Unternehmen wird dafür sorgen, dass die Lage in der globalen Wirtschaft deutlich besser verläuft, als die Stimmung es anzeigt.

In Europa und gerade in Deutschland steht das Thema der konjunkturellen Erholung weiter auf der Agenda, welches im Rahmen des Erwartungskorridors lag. Dies sollte nach Angaben auch die fiskalische Lage weiter verbessern und sogar mit positivem Überraschungscharakter zusätzliche Akzente setzen können.

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Gerade die zukunftsorientierten Daten haben den breiten Marktkonsens nahezu allesamt positiv überraschen können. Dies gilt nach Auffassung des Vermögensverwalters als Beleg dafür, dass die Stimmung und Psychologie in der Wirtschaft und an den Märkten vor dem Hintergrund der jüngsten Marktverwerfungen schlechter ausgefallen war, wie die tatsächliche Lage. Dies bescheinigt auch der "Index der Markterwartungen" mit einem leicht angestiegenen Niveau von 62% (Vormonat: 59%). "Die realwirtschaftliche Ausgangsposition ist positiv und bietet für das zweite Halbjahr 2016 eine gute Ausgangslage.

Fazit & Ausblick für Anleger:

"Die starken Verwerfungen durch die Furcht vor einer weltweiten Wachstumsschwäche oder eines möglichen Brexits werden die Finanzmärkte auch bis auf weiteres beeinflussen. Fakt ist aber, wenn man einen Blick auf das fundamentale Grundwerk der Weltkonjunktur wirft, dann sieht es im Grunde genommen besser aus, als von vielen erwartet wurde. Auch von den Unternehmensergebnissen ausgehend sind die Erwartungen in der Tendenz positiv, allerdings gab es auch Enttäuschungen, wobei durchschnittlich die gelieferten Ergebnisse über den Erwartungen lagen!

"Ich kann nur nochmals betonen, die nach vorne schauenden Indikatoren untermauern meine These, dass die Beschleunigung der globalen Wirtschaft zunehmen wird. Ich bin zuversichtlich für die kommenden Monate und was mich persönlich am meisten freut, ist, dass die positive Kursentwicklung an den Märkten nicht von Euphorie getragen wird. Dies ist ein ganz entscheidender Faktor, denn hätten wir Euphorie an den Märkten, hätte die ganze Entwicklung ein deutlich höheres Rückschlagspotenzial, da dann Überbewertungen stattfinden würden", stellt der Vermögensverwalter klar.

"Weiterhin favorisieren wir ganz eindeutig US-Firmen und europäische Aktientitel, speziell aus Deutschland. Ich erwarte, dass eine Sektor-Rotation von defensiven Anlagen hin zu mehr zyklischen Aktien stattfinden sollte, da diese bei einer ansteigenden Dynamik des Wachstums mehr profitieren. Die Unternehmen, welche wir hier präferieren, haben sehr gesunde Bilanzen, was wichtig ist, um eventuellen, wenn auch unwahrscheinlichen Schwächephasen nachhaltig standzuhalten. Aktien bleiben trotz der jüngsten Entwicklungen weiterhin mein Thema für 2016."

Veränderungen im Musterportfolio:

Zukäufe-/Nachkäufe aus den letzten 4 Wochen: 3M, Acuity Brands, Bayer, Caterpillar, Dow Chemical, Exxon Mobil, Procter&Gamble, UnitedHealth Group, Apple, BMW, Continental, HeidelbergCement; Reckitt Benckiser

Haltepositionen: Grenke Leasing, Pfizer, Wal-Mart, Microsoft, Bechtle, Jungheinrich, Stanley Black & Decker, Symrise, Airbus Group; Wacker Chemie, RATIONAL, GEA Group, Rheinmetall, Kroger, AT&T, Duke Energy, Tyson Food, Krones, Fresenius, SAP, Allianz, Unilever, Anheuser-Busch, L‘Oreal, Coca Cola, Home Depot, Nike, Roche, General Electric, Dürr, Brenntag, Bertrandt, Axa, Geberit

Verkäufe aus den letzten 4 Wochen: DuPont, ABB, Novartis, TAG Immobilien, Inditex, Aareal Bank, Intel, American Express, ETF-Japan, ETF-Europa, Lanxess, Merck

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Asset-Allokation:

Erhöht werden: Aktien (Large Caps) Deutschland von 12,5% auf 15%; Aktien (Large Caps) USA von 14% auf 15%; Aktien (Large Caps) Europa von 11,5% auf 15%; Unternehmensanleihen von 5% auf 7,5%; Cash von 3% auf 5%

Beibehalten werden: Aktien (Nebenwerte) USA bei 10%; Aktien Japan bei 2,5%; Wandelanleihen mit 5%; Edelmetalle mit 5%; Staatsanleihen Emerging Markets bei 4%

Reduziert werden: Aktien (Large Caps) Schweiz von 7,5% auf 2,5%, Aktien (Nebenwerte) Deutschland von 12,5% auf 8,5%; Aktien (Nebenwerte) Europa von 7,5% auf 5%

Das Musterdepot zum "Welt-Index" beinhaltet diverse Anlageklassen wie beispielsweise Aktien, Unternehmens-, Wandel- und Staatsanleihen sowie Rohstoffe als auch Edelmetalle. Das Portfolio wird aktiv seit 5 Jahren gemanagt und auch abgesichert je nach Börsenphase, so dass je nach Kapitalmarktsituation auch flexibel die Bargeldquote erhöht oder minimiert wird. Zur Absicherung und Gewinnmitnahmen werden auch ETF`s auf Indices und Märkte verwendet. Mit dieser Art der direkten Abbildung des "Weltwirtschaftszyklus" ist es dem Musterdepot gelungen, eine konstante und höhere Wertentwicklung als der MSCI World zu erwirtschaften.

Zur Methode: Die Grundlage des "Welt-Index" ist die Analyse von Wirtschaftsindikatoren aus der ganzen Welt, die eine hohe wirtschaftliche Relevanz und eine hohe Reaktion an den Finanzmärkten mit sich bringen. Diese werden weltweit von Statistikämtern und Forschungsinstituten sowie weiteren hochrangigen wissenschaftlichen Quellen veröffentlicht. In der Endform konzentriert sich der "Welt-Index", der aus zwei Komponenten besteht, dem "Index der Konjunkturdaten" und dem "Index der Markterwartungen", auf die monatlich 50 wichtigsten Konjunkturdaten, zugrunde liegen mehr als 1.000 internationale Indikatoren, die monatlich ermittelt und bewertet werden. Die Verknüpfung der Datenreihen in einer nach Dominanzfaktoren gegliederten Gewichtung gibt Aufschluss darüber, in welchem Zyklus und Stadium sich die Weltwirtschaft befindet. Aufgrund der Kombination von frühzyklischen, gleichzyklischen und nachzyklischen Indikatoren sowie der Integration einer Erwartungskomponente ermöglicht der "Welt-Index" eine sehr genaue Messung des aktuellen Status. Um dieses zu vereinfachen, werden dann zwei Trenddaten erstellt, die Aufschluss darüber geben, wie viele der ermittelten Daten in den vergangenen vier Wochen gefallen oder gestiegen sind. Nähere Informationen hierzu unter: www.weltindex.de

Das Musterportfolio zum "Welt-Index" ist nur als begleitende Information zu verstehen und dient nicht als konkreter Anlage-Ratschlag. Die Dr. Markus C. Zschaber Vermögensverwaltungsges. mbH erstellt den Index monatlich exklusiv für die "Welt am Sonntag" und den Nachrichtensender "n-tv". Informationen zum Index unter www.zschaber.de und www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de