Wirtschaft

US-Konjunkturdaten enttäuschen Weniger neue Jobs in den USA als erwartet

In den USA entstehen weniger neue Jobs als erhofft.

In den USA entstehen weniger neue Jobs als erhofft.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Stellenaufbau in den USA geht offenbar doch langsamer. Vor allem die Baufirmen enttäuschten. Frühere Daten hatten die Anleger auf die falsche Fährte gelockt. Dafür sinkt dank statistischer Effekte die Arbeitslosenquote schneller. Und die Fed dürfte länger an den Wertpapierkäufen festhalten.

Die Einstellungsbereitschaft der US-Unternehmen ist im Juli hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Insgesamt kamen außerhalb der Landwirtschaft 162.000 Menschen in Lohn und Brot, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte. Volkswirte hatten dagegen 183.000 neue Jobs erwartet. Gute Wachstumsdaten und ein starker ISM-Index hatten die Hoffnung auf eine positive Überraschung genährt, die aber enttäuscht wurde.

Auch im Juni lief es am Arbeitsmarkt etwas schlechter als zunächst berichtet. Das Ministerium meldete nur noch ein Stellenplus von 188.000, nachdem zunächst ein Zuwachs von 195.000 berichtet worden war. Im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate waren 189.000 Arbeitsplätze hinzugekommen.

Arbeitslosenquote sinkt

Die bei einer separaten Erhebung ermittelte Arbeitslosenquote ging von 7,6 auf 7,4 Prozent zurück. Das ist der tiefste Stand seit Dezember 2008. Auch hier lagen die Volkswirte mit ihrer Prognose daneben. Sie hatten 7,5 Prozent vorausgesagt. Der stärkere Rückgang erklärt sich aber dadurch, dass sich mehr Amerikaner frustriert vom Arbeitsmarkt abgewendet haben. Anders als in Deutschland fallen sie dann aus der Statistik. Das wiederum heißt, dass die Erwerbsbevölkerung kleiner wird. Ohne diesen Effekt wäre die Quote nur auf 7,5 Prozent gefallen, hat Julia Coronado, Volkswirtin bei der französischen Großbank BNP Paribas, ausgerechnet.

Der Privatsektor der US-Wirtschaft, der rund 70 Prozent der gesamten Arbeitskräfte beschäftigt, schuf im Juli 161.000 Jobs über alle Wirtschaftszweige hinweg. Im verarbeitenden Gewerbe entstanden 6.000 Stellen. Bei den Bundesbehörden fielen hingegen 2.000 Posten weg. Per Saldo baute die öffentliche Hand aber 1000 Arbeitsplätze auf.

Enttäuschend waren die Zahlen von den Baufirmen, die 6.000 Arbeiter auf die Straße setzten. In den vergangenen Monaten war der Bau eine Stütze des Arbeitsmarktes. Nach wie vor seien 11,5 Millionen Amerikaner ohne Job. Am schlimmsten sei die Lage bei Jugendlichen, dort liege die Arbeitslosenrate bei 23,7 Prozent.

Die durchschnittlichen US-Stundenlöhne fielen im Juli um 2 Cent auf 23,98 Dollar. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit ging im Vergleich zum Vormonat minimal zurück und beträgt nun 34,4 Stunden.

"Der offizielle Arbeitsmarktbericht kann den positiven Vorgaben vonseiten der wöchentlichen Arbeitslosenstatistik, des ADP-Reports und der ISM-Beschäftigungskomponente nicht gerecht werden und überrascht auf der Unterseite", lautet das Fazit der Helaba. Die unter den Erwartungen liegenden Zahlen dürften Spekulationen über eine baldige Rückführung der Anleihekäufe durch die US-Notenbank wieder etwas zurückdrängen. Mit 7,4 Prozent liege die Arbeitslosenquote zudem weiterhin über dem Zielwert der Federal Reserve.

Dollar verliert - Gold gewinnt

Der US-Dollar wertet mit den Daten zu Euro und Yen deutlich ab. Offenbar setzten Marktteilnehmer mit diesen Daten auf eine Fortführung der extrem lockeren Geldpolitik in den USA, heißt es am Markt.

Insgesamt erwischte der Arbeitsmarktbericht viele Anleger an den Finanzmärkten auf dem falschen Fuß. Am deutschen Aktienmarkt überwog die Enttäuschung über die langsamere Erholung der US-Konjunktur. Der Dax gab etwas nach. An den US-Börsen  zeichnete sich ebenfalls ein mauer Handelsstart ab. "Es sieht wohl danach aus, als ob die US-Notenbank ihre Anleihekäufe erst Richtung Dezember zurückfahren wird", sagte auch Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. "Es gibt bislang noch keinen Grund, für die Fed aktiv zu werden. Der Arbeitsmarkt erholt sich nicht so schnell wie gewünscht.

Die Enttäuschung der Anleger über die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt trieb auch den Goldpreis wieder über 1300 Dollar je Feinunze. Er bröckelte im Verlauf wieder leicht ab. Am Ölmarkt verkauften die Anleger sowohl Brent- als auch WTI-Future. Denn mit der nur schleppenden Erholung der US-Wirtschaft könnte die Ölnachfrage weniger deutlich als zuletzt erwartet anziehen. Der Kupferpreis reagierte nur moderat auf die Zahlen.

UniCredit-Experte Harm Bandholz will aber nicht in einen Sommerblues verfallen. Er rechnet weiter damit, dass im zweiten Halbjahr die Arbeitslosigkeit schneller sinken wird. "Nach unserer Analyse nimmt der Arbeitsmarkt gerade auf breiter Front mehr Tempo auf", erklärte Bandholz. Die Wirtschaft habe während der Krise in extremer Weise Stellen gestrichen und brauche jetzt einfach wieder zusätzliches Personal.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/rts

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