Wirtschaft

"Aufhören oder Weitermachen?" Wenn der Bauer nur vom Kindergeld lebt

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Die Kühe mögen ihren "Lely Astronaut A4".

(Foto: dpa)

Viele der rund 80.000 Milchbauern in Deutschland stellen sich nach dem starken Preisverfall für Milch die Frage, ob sich ein Weitermachen lohnt. Ein Landwirt aus Bayern entscheidet sich für die Zukunft - und lässt nun einen Roboter für sich arbeiten.

Vor dem Melk-Roboter hat sich ein Stau gebildet. Maul an Schwanz warten die Kühe Larissa, Ibiza und Zagreb darauf, dass sich das Gitter des "Lely Astronaut A4" in ihrem Stall öffnet. Erst dann können sie in die Melkbox eintreten und Kraftfutter fressen, während der Roboter per Laser ihren Euter abtastet und die Saugkolben anlegt. Dem Bauern Martin Stadler aus Aying bei München nimmt der Roboter eine Menge Arbeit ab. Früher hat der 40-Jährige selbst gemolken. Inzwischen setzt er auf High-Tech-Maschinen, um seinen Hof noch einigermaßen wirtschaftlich führen zu können.

Der starke Preisverfall für Milch bringt seine sechsköpfige Familie aber - wie so viele der rund 80.000 Milchbauern in Deutschland - in diesem Jahr in Bedrängnis. Nur noch 31 Cent erhält der Bauer von seiner Molkerei für das Kilo Rohmilch. Im vergangenen Jahr waren es zehn Cent mehr. Aufs Jahr gerechnet fehlen dadurch mehr als 40.000 Euro in der Kasse. "Wir leben eigentlich vom Kindergeld", sagt Ehefrau Monika Stadler. Denn auch das zweite Standbein der Familie, der Kartoffelanbau, ist in diesem Jahr wegen der Trockenheit um rund die Hälfte eingebrochen.

Tausende werden aufgeben

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Der Bauer muss nicht einmal mehr den Stall ausmisten.

(Foto: dpa)

Der Bauernverband geht davon aus, dass in diesem Jahr tausende Milchbauern aufgeben werden, weil sich der Betrieb nicht mehr trägt. Allein in Bayern, dem Milchland Nummer eins in Deutschland, ist die Zahl der Milchviehhalter in den vergangenen Jahrzehnten von einst mehr als 300.000 auf derzeit rund 33.000 zurückgegangen. Familie Stadler stand bereits vor drei Jahren vor der Frage, ob sie den Betrieb überhaupt noch weiterführen kann. "Wir mussten uns entscheiden: Aufhören oder Investieren", sagt Bauer Stadler. Schließlich folgten die Eheleute ihren Herzen und entschieden sich fürs Weitermachen.

Für eine Million Euro bauten Stadlers einen neuen High-Tech-Stall für knapp 70 Kühe. Seitdem läuft nicht nur das Melken automatisch ab: Alle paar Stunden fährt ein Futterschieber aus seiner Ladestation und rückt das Heu zurecht, das die Kühe beim Fressen verstreut haben. Ein selbstständig fahrender Spaltenreiniger sorgt dafür, dass die Kühe nicht lange in ihrem eigenen Mist stehen müssen. Zum Melk-Roboter trotten die Kühe eigenständig, weil dort das Kraftfutter lockt.

Im Gegensatz zu Melk-Maschinen, die inzwischen Standard im Stall sind, läuft mit dem Roboter der ganze Melkprozess automatisch ab - auch das Anlegen der Saugkolben. Manche Kühe versuchen ihr Glück mehr als 30 Mal am Tag und stellen sich immer wieder an. "Die gehen vorne raus und hinten gleich wieder rein", sagt Stadler. Gemolken werden sie aber erst ab einer Menge von mindestens zehn Litern oder nach sechs Stunden Wartezeit. Ein Chip am Halsband der Kuh übermittelt diese Daten an den Melk-Roboter - und der schickt sie mit einem leichten Stromschlag wieder hinaus, wenn sie noch kein "Melkrecht" haben. Schmerzhaft sei das für die Kühe aber nicht, versichert Stadler. "Sonst würden sie ja nicht mehr freiwillig reingehen."

Seine Arbeitszeit pro Kuh hat sich durch den Roboter halbiert. Selbst Auffälligkeiten bei der Qualität der Milch oder dem Fressverhalten der Kuh werden von der Maschine registriert. Per Mikrofon am Halsband der Kuh werden die Kaugeräusche erfasst und ausgewertet. Frisst das Tier zu wenig, schlägt der Roboter Alarm. Auch wenn eine Kuh sich einen ganzen Tag lang nicht im Melk-Roboter blicken lässt, wird Stadler alarmiert. Dann muss der Bauer schauen, was der Kuh fehlt und bei Bedarf den Tierarzt rufen - denn den kann der Roboter bis jetzt noch nicht ersetzen.

Quelle: n-tv.de, Daniela Wiegmann, dpa

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