Wirtschaft

Interview mit Dieter Zetsche Wie ergeht es Daimler in China?

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(Foto: Zhang ruomeng - Imaginechina)

Chinas Wirtschaft verliert an Schwung - und damit auch der weltweit größte Automarkt. Für Daimler-Chef Dieter Zetsche und den für China verantwortlichen Vorstand Hubertus Troska ist das allerdings kein Grund zur Sorge. n-tv.de sprach mit den beiden Managern am Rande der Messe Auto China über Wachstumsraten, die Langversion der E-Klasse, Plagiate und Mao.

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Dieter Zetsche.

(Foto: AP)

n-tv.de: Herr Zetsche, die chinesische Fahne an Ihrem Kragen erinnert ein wenig an die 68er Bewegung, den Vietnamkrieg und die Zeit, als Mao Zedong das große Vorbild der Jugend war. Was wollen Sie uns heute damit sagen?

Dieter Zetsche: Ich bin der oberste Dienstleister dieses Unternehmens und wenn ich in einen Markt komme, wo man mir sagt, es kommt gut an, wenn du dir die Landesfahne ans Revers heftest, dann gucke ich vielleicht noch, welche da ist und mache es. Ich sehe das als Geste. Und wäre ich jüngst beim US-Präsidenten zum Essen gewesen, dann hätte ich mir vielleicht auch eine deutsch-amerikanische Fahne angesteckt.

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Hubertus Troska.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Markt in China wächst noch immer, aber er wächst nicht unbedingt nachhaltig. Bereitet Ihnen das schlaflose Nächte?

Hubertus Troska: Im ersten Quartal 2016 ist der Markt in China um zehn Prozent gewachsen. Die Ansage des chinesischen Automobilverbandes verspricht für dieses Jahr ein Wachstum von rund acht Prozent - und das halten wir für glaubwürdig. Insofern führe ich die Diskussion des sich abschwächenden Marktes seit der Zeit, in der ich in Peking bin, und das sind inzwischen vier Jahre. Wir glauben, dass China weiter zulegen wird, wenngleich nicht mehr mit zweistelligen Wachstumsraten, dann doch im Bereich um die sieben, acht Prozent. Und als Mercedes sind wir sehr zuversichtlich, dass für die Marke auch keine Gefahr besteht, wenn der Markt nicht mehr so stark wächst.

Zetsche: Wenn wir das mal relativ sehen und die Märkte auf dem Globus als Vergleichseinheit sehen, dann kann ich nach wie vor keine Märkte sehen, die ein nachhaltigeres Wachstum versprechen als der in China. Für Mercedes ist China 2015 stärkster Markt der Welt vor den USA geworden und daran wird sich wohl auch in naher Zukunft nichts ändern.

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Sie haben auf der Auto China die Langversion der neuen E-Klasse vorgestellt. Welchen Anteil wird sie am Wachstum von Mercedes haben?

Troska: Da die Langversion der E-Klasse erst im Herbst in den Handel gehen wird, ist sie rein rechnerisch erst für 2017 relevant. Exakte Zahlen werden wir an dieser Stelle nicht nennen, aber ich kann Ihnen versichern, dass ich nicht zufrieden bin, wenn wir im kommenden Jahr die gleichen Zahlen auf dem Papier haben wie 2016. Nach der C-Klasse, die sich super entwickelt hat und dem GLC, bei dem die Nachfrage im Augenblick größer ist als unsere Produktionskapazitäten, ist die E-Klasse mit Sicherheit das Auto, dass das Wachstum von Mercedes in China weiter befeuern wird.

Auf dem gegenüberliegenden Stand eines chinesischen Herstellers steht die Kopie einer G-Klasse. Ärgert Sie so etwas?

Zetsche: Ich bin, was das betrifft, seit jeher unbeirrt. Ich glaube nicht, dass sich ein chinesischer Kunde die Frage stellt, ob etwas, das so ähnlich aussieht, eine Alternative zu einem Mercedes wäre. Andererseits ist es vielleicht auch für den chinesischen Mitbewerber nicht so gut, wenn er nur kopiert und keine eigenen Ideen entwickelt. Letztlich hat das aber für mich und auch für die Marke keine Relevanz.

Zum Wachstum der Marke gehört für Mercedes auch der Kauf von anderen Unternehmen. Die Rede ist hier von Right Scout und My Taxi in Deutschland. Haben Sie ein Team, das nach solchen potenziell lukrativen Startups schaut?

Zetsche: Wir haben in den letzten Jahren kein spezifisches Team installiert, das die Aufgabenstellung hat: Kauft Startups. Das kommt vielmehr aus den operativen Feldern, die dann auch eine Weiterentwicklung in dem jeweiligen Gebiet für das Unternehmen sehen. Das kann auch mal das Gegenteil sein, aber die Dynamik der möglichen positiven Entwicklung wollen wir für den Moment einfach nicht entgegenstehen.

Wie viel setzt Mercedes denn im Moment mit Aktivitäten außerhalb des Kerngeschäfts um? Das Ziel war ja eine Milliarde Euro.

Zetsche: Wir haben tatsächlich gesagt, dass wir uns Ende des Jahrzehnts in dieser Größenordnung sehen könnten. Da sind wir heute noch nicht. Wir wachsen weiter mit Car to go, das ist einer unser hauptsächlichen Umsatzträger. In der Summe liegen wir im Moment bei schätzungsweise 150 Millionen Euro im Jahr.

Sie starten in der zentralchinesischen Stadt Chonqing Ihr erstes Car-Sharing-Angebot in China. Aber ist das Land tatsächlich reif für diese Art der Mobilität?

Troska: Wir haben in der Tat in Chonqing Car to Go mit 400 Smart gestartet und sind inzwischen eine Kooperation mit einem der größten Unternehmen in China eingegangen, dessen Mitarbeiter im Headquarter unsere Fahrzeuge nutzen können. Insofern glaube ich schon, dass es auch auf dem Gebiet der Mobilitätsdienstleistungen einen wachsenden Markt gibt.

Mit Dieter Zetsche und Hubertus Troska sprach Holger Preiss.

Quelle: n-tv.de

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