Wirtschaft

USA signalisieren Zustimmung Wird Lagarde neue IWF-Chefin?

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Christine Lagarde verhält sich klug und sagt nichts.

(Foto: dpa)

Frankreichs Finanzministerin Lagarde könnte ihren zurückgetretenen Landsmann Strauss-Kahn auf dem IWF-Chefposten beerben. Einem Zeitungsbericht zufolge sind Deutschland und die USA dafür. Die Bundesregierung wiegelt ab und erklärt, dass sie sich noch entschieden habe. Lagarde droht in Frankreich noch eine Anklage wegen Amtsmissbrauchs.

Nach dem Rücktritt von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn unterstützt die Bundesregierung einem Zeitungsbericht zufolge die französische Finanzministerin Christine Lagarde für dessen Nachfolge. Deutschland verzichte auf die Benennung eines eigenen Kandidaten, meldete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Berliner Koalitionskreise.

Der Zeitung zufolge sprechen sich auch die USA für die 55-jährige Französin aus. Die Europäer verbinden mit Lagarde die Erwartung, dass sie als Chefin des Internationalen Währungsfonds die Euro-Krise vordringlich managt.

Die Bundesregierung reagierte umgehend auf den Bericht. Bundeskanzlerin Angela Merkel betrachte Lagarde als international respektierte Finanzpolitikerin, mit der Deutschland gut zusammenarbeite, hieß es. Eine Entscheidung darüber, welchen Kandidaten Berlin unterstütze, sei aber noch nicht gefallen.

Lagardes Benennung stehe noch unter dem Vorbehalt, dass sie wegen einer Affäre Tapie in Frankreich nicht angeklagt werde. Nach Strauss-Kahn müsse der nächste Chef des IWF frei von juristischen Verwicklungen sein, heißt es laut "Handelsblatt" in Berlin und Washington. Lagarde wird in Paris Amtsmissbrauch vorgeworfen.

Lagarde hatte vor Jahren dem Ex-Minister und Geschäftsmann Bernard Tapie durch Anrufung einer zivilen Schiedsstelle eine lange gerichtliche Auseinandersetzung mit dem französischen Staat erspart. Da der Staat aber das Verfahren vor der Schiedsstelle verloren hatte und seine Ansprüche gegen Tapie nicht mehr durchsetzen konnte, wird Lagarde Begünstigung vorgehalten.

"Vive l'Europe!"

Die Gaullistin selbst schweigt zu ihren Ambitionen. Auf die Frage, ob sie sich eine Kandidatur vorstellen könne, antwortete sie nur mit einem Lächeln und einem kurzen "Vive l'Europe!" (Es lebe Europa). Zuvor hatte sie allgemein gesagt: "Jede Kandidatur, welche auch immer es sein mag, wird von den Europäern ausgehen müssen. Sie müssen sich zusammentun."

Bisher machen die US-Amerikaner und die Europäer die Chefposten bei den Washingtoner Finanzinstitutionen unter sich aus. Ein Europäer leitet den Währungsfonds, während ein US-Amerikaner die Weltbank führt. Von aufstrebenden Wirtschaftsnationen in Asien wird dieses Schema allerdings infrage gestellt.

Chinesen werfen Hut in den Ring

Wichtige Schwellenländer wollen den IWF-Chefposten aber nicht kampflos den Europäern überlassen. So bekräftigte China den Anspruch dieser Gruppe auf die Position beim Internationalen Währungsfonds bekräftigt. Die Auswahl eines Kandidaten sollte auf Kriterien wie Leistung, Transparenz und Fairness basieren, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking.

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Der Chef der chinesischen Zentralbank, Zhou Xiaochuan, im Gespräch mit Dominique Strauss-Kahn (Archivbild vom Oktober 2010). Allen Sonntagsreden zum Trotz ist für die europäische Politik nur ein Europäer an der Spitze des IWF denkbar.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

"Im Prinzip glauben wir, dass Schwellen- und Entwicklungsländer in Spitzenpositionen vertreten sein sollten", sagte sie. Brasilien, Mexiko und Südafrika haben ebenfalls einen Kandidaten aus einem Schwellenland gefordert.

"Die Zeit ist längst vorbei, in der es auch nur entfernt hätte angemessen sein können, diesen wichtigen Posten für einen Europäer zu reservieren", schrieb der brasilianische Finanzminister Guido Mantega in einem Brief an seine Amtskollegen der Gruppe der 20 wichtigsten Schwellen- und Industrieländer (G20). Zu diesem Zeitpunkt war Strauss-Kahn noch nicht zurückgetreten. "Brasilien hat immer die Position vertreten, dass die Auswahl auf Verdienst beruht unabhängig von der Nationalität."

Eine Übereinkunft zwischen den Europäern und den USA sorgt seit der Gründung des IWF im Jahr 1945 dafür, dass ein Europäer das Washingtoner Institut leitet. Im Gegenzug benennen die Amerikaner den Chef der Schwesterorganisation Weltbank.

Bei der Wahl von Strauss-Kahn hatten die Schwellenländer bereits die informelle Zusage erhalten, dass der nächste IWF-Chef nicht mehr nach der "Erbhof-Politik" bestimmt werden soll. In den Statuten ist diese Änderung jedoch ebenso wenig wie die alte Regelung verankert.

Quelle: ntv.de, hvo/wne/rts/AFP/dpa