Wirtschaft

Frankreich ist empört Wirtschaftsboss turtelt öffentlich

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Jade Foret und Arnaud Lagardere: Sie sind glücklich und lassen die Öffentlichkeit daran teilhaben.

(Foto: REUTERS)

Arnauld Lagardère ist einer der mächtigsten Männer Europas. Er ist der Lenker des größten französischen Medienkonzerns und soll im kommenden Jahr Vorsitzendes des EADS-Verwaltungsrats werden. Das ruft offenbar Neider auf den Plan: Arnaud gerät wegen eines Internetvideos mit seiner rund 30 Jahre jüngeren Freundin unter Beschuss.

Kann dieser Mann im kommenden Jahr Verwaltungsratschef des größten Luftfahrt- und Rüstungskonzerns Europas werden? Nach der Veröffentlichung eines freiwillig produzierten Turtel-Videos muss sich EADS-Großaktionär Arnaud Lagardère unangenehme Fragen zu seinem Verständnis von Professionalität gefallen lassen. Von unangebracht bis hochnotpeinlich reichen die Kommentare zu dem knapp dreiminütigen Streifen, den das belgische Klatschblatt "Le Soir Magazine" während eines Fotoshootings mit Lagardère und seiner rund 30 Jahre jüngeren Model-Freundin drehte. "Dieser Film ist lächerlich, bestürzend, beunruhigend", schreibt sogar das Wirtschaftsblatt "La Tribune".

Eigentlich ist das mittlerweile mehr als 850.000 Mal angeschaute Internetvideo völlig harmlos und nicht einmal spannend: Ein gut aussehender Mann Anfang 50 turtelt vor der Kamera eines Boulevardmagazins frisch verliebt mit seiner neuen Flamme. Die Musik dazu könnte zwar auch einen Erotikstreifen untermalen, aber es bleibt bei zärtlichen Busseleien und dem gegenseitigen Versprechen "grenzenloser Liebe". Selbst das locker geschnürte Korsett der neuen Eroberung Jade Foret ist noch ohne weiteres jugendfrei. Wäre der Hauptdarsteller ein Star aus dem Film- oder Musikgeschäft, wäre das Internetvideo Tagesgeschäft. Nicht einmal der Altersunterschied von rund 30 Jahren wäre dann wohl ein größeres Thema.

Zweifel an Führungsqualitäten

Lagardère ist allerdings nicht ein x-beliebiger TV-Star sondern einer der mächtigsten Wirtschaftsbosse Europas. 2003 erbte er von seinem Vater Jean-Luc den größten französischen Medienkonzern, der zugleich 7,5 Prozent an dem europäischen EADS-Konzern hält. Papa Jean-Luc war einst Flugzeugbauer und Gründer von EADS. Ein mühsam ausgehandelter Kompromiss zwischen Berlin und Paris sieht vor, dass Arnaud im kommenden Jahr Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber als Vorsitzenden des mächtigen EADS-Verwaltungsrats beerben könnte. Dann endet nämlich die Amtszeit des derzeitigen - französischen - Vorstandschefs Louis Gallois. Auf ihn müsste laut Kompromiss ein Deutscher folgen.

Das Boulevard-Video lässt nun allerdings neue Zweifel an den Führungsqualitäten Lagardères hochkommen. "Er legt eine Performance mit einem Model hin, das einen Kopf größer ist als er. Er macht sich lächerlich", zitierte die französische Tageszeitung "Le Monde" am Wochenende den US-Investor Guy Wyser-Pratte. Dass der Franzose in den EADS-Aufsichtsrat einziehen könne, sei beschämend. "Arnaud Lagardère ist nicht auf der Höhe des Geschehens. Er verhält sich wie ein Hofnarr", lautet die vernichtende Kritik.

"Unberechenbar, brillant und glatt"

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Foret und Arnauld turteln öffentlich und das sorgt für Ärger.

(Foto: REUTERS)

Wyser-Pratte hatte sich bereits im vergangenen Jahr mit dem heute 50-Jährigen angelegt. Weil er um den Wert seiner Beteiligung am Lagardère-Konzern fürchtete, wollte er den Unternehmens-Erben auf der Hauptversammlung über eine Statut-Änderung entmachten lassen. Das Projekt scheiterte allerdings - trotz einer zuletzt eher enttäuschenden Entwicklung des Aktienkurses.

In den vergangenen drei Jahren stürzte er von rund 35 auf rund 28 Euro ab. Lagardère wird vorgeworfen, sich all zu sehr auf seine Sportleidenschaft zu konzentrieren und den Flugzeugbaus sowie das Presse- und Verlagsgeschäft ohne klaren Kurs schleifen zu lassen. "Arnaud ist sehr sympathisch, aber letztendlich weiß ich nicht, wer er wirklich ist. Er ist unberechenbar, gleichzeitig brillant und glatt", zitierte die "Monde" anonym einen Wirtschaftsboss aus dem Umfeld von Lagardère.

EADS: "Kein Kommentar"

Der Betroffene selbst hat sich bislang nicht zur Affäre um sein Turtel-Video geäußert. "Ich bin nicht wie die anderen Chefs, na und?", sagte er im vergangenen Jahr in einem Interview. Zu den Vorwürfen in einer EADS-Affäre um den Verdacht auf illegalen Insiderhandel erklärte er einmal: "Ich habe die Wahl als unredlich zu gelten oder als jemand, der inkompetent ist und nicht weiß, was in seinen Werken passiert. Ich nehme die zweite Version auf mich." Bei EADS hieß es knapp: "Kein Kommentar".

Quelle: n-tv.de, dpa

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