Wirtschaft

Rein oder raus aus dem Depot Wohin mit den Apple-Aktien?

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Enthüllung am Kurfürstendamm. Doch der Markt hofft auf eine andere Überraschung. Eine, die in eine Hosentasche passt.

(Foto: dpa)

Der weiße Lack ist angekratzt. Apple kämpft gegen aggressive Wettbewerber und seit Monaten rutscht die Apple-Aktie ab und droht das Rekordhoch zu halbieren. Auf den Hauptversammlungen wechselt der Ton von andächtig zu kritisch, die Analystengemeinde ist gespalten. Also weg mit der Aktie? Fünf Gründe dafür. Und fünf dagegen.

Apple lüftet ein Geheimnis: Der Konzern ist der Bauherr eines Apple Stores am Berliner Kurfürstendamm und will mit dem neuen Konsumtempel ein weiteres Zeichen für den Wiederaufschwung der Berliner City-West setzen. "Oder ist das etwa ein weiteres Zeichen dafür, dass die großen Zeiten von Apple ebenso vorbei sind, wie die des Café Kranzlers?", ätzt es in den Foren. Fakt ist, dass nicht nur der Ku'dam m, sondern auch die Apple-Aktie einen Wiederaufschwung mehr als gut gebrauchen könnte.

Apple (USD)
Apple 110,08

Noch vor einem Jahr Liebling der Börsianer, ist der Titel in den vergangenen Tagen deutlich unter die Marke von 400 Dollar gerutscht und pendelte sich zeitweise bei 390 Dollar ein. Damit rückt die Halbierung des im September 2012 erzielten Allzeithochs von 705 Dollar bedrohlich nahe. Immer mehr Investoren zweifeln angesichts von Berichten über Absatzprobleme der Zulieferer sowie der aggressiven Vorgehensweise der Wettbewerber an einer Fortsetzung der Erfolgsgeschichte. Schon hat der iPhone-Produzent den Titel "wertvollstes Unternehmen der Welt" an Exxon verloren. Mit einem Börsenwert von rund 367 Mrd. Dollar unterliegt der Konzern aus Cupertino dem Ölmulti, der derzeit eine Marktkapitalisierung von 391 Mrd. Dollar aufweist. Doch nach wie vor verdient kein anderer Technologiekonzern so viel Geld mit seinen Produkten wie Apple.

In diesem widersprüchlichen Spannungsfeld bewegt sich derzeit auch die Analystengemeinde. Noch sorgt jeder gesenkte Daumen, jedes schwächere Rating für einen Aufschrei von den Fans der Aktie. Das macht jedoch gerade im Vorfeld der Quartalszahlen die Lage für die Aktionäre nicht einfacher. Was spricht für und was spricht gegen den Titel?

Fünf Punkte gegen Apple

  • Ganze drei Jahre ist es her, dass Apple mit dem iPad ein neues revolutionäres Produkt auf den Markt gebracht hat. Seit Steve Jobs' Tod zauberte niemand mehr "one more thing" aus der Hosentasche. Von der iWatch-Uhr gibt es nur Zeichnungen und der Apple-Fernseher ist nicht in Sicht.
  • Der wichtige chinesische Markt macht Apple immer mehr Probleme. Der US-Konzern ist derzeit Ziel einer Kampagne chinesischer Staatsmedien. Nachdem zunächst im Staatsfernsehen kritisiert wurde, dass Apple seine Kunden im Garantiefall im Regen stehen lasse, was zu einer umgehenden Entschuldigung von Konzernchef Tim Cook führte, empört sich das Parteiorgan "Volkszeitung" nun darüber, dass der iPhone-hersteller illegal Pornos in China verbreitet haben soll. China ist jedoch nicht nur ein riesiger Absatzmarkt für Apple, sondern auch einer der größten Produktionsstandorte.
  • Die enttäuschende Prognose des Chipherstellers Cirrus, Auslöser des jüngsten Kursrutsches, lässt Analysten fürchten, dass die Gerüchte über eine schwächelnde iPhone-Nachfrage durch die Quartalszahlen bestätigt werden.
  • Die Wettbewerber wildern zunehmend aggressiver im Revier von Apple. So schaffte es Samsung, bei der Vorstellung seines neues Flaggschiffs Galaxy S4 einen ähnlichen Hype zu erzeugen, wie man ihn zuvor nur von der Marke mit dem angebissenen Apfel kannte. Dass viele die Samsung-Show als bizarr und frauenfeindlich kritisierten, dürfte den südkoreanischen Konzern nicht weiter gestört habe. Schließlich wurden etwa den Apple-Zusammenkünften oft sektenähnliche Züge bescheinigt.
  • Nachdem im vergangenen Quartal die Investoren trotz Rekordumsatz und Rekordgewinn die Aktie enttäuscht fallen ließen, ist der Markt im Vorfeld der neuen Quartalszahlen nervös. Jedes noch so kleine Anzeichen dafür, dass die Wachstumsstory zu Ende ist, könnte den Titel noch weiter einbrechen lassen.

Und fünf Punkte dafür

  • Der letzte Punkt spricht nicht nur gegen, sondern auch für die Apple-Aktien: die niedrigen Erwartungen an die Quartalsergebnisse. Nun, da die Anlegergemeinde keine Höhenflüge mehr erwartet, hat der Konzern nach langer Zeit wieder einmal die Chance, die Märkte zu überraschen.
  • Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8 ist die Apple-Aktie so günstig wie nie zuvor. So liegt Google im Vergleich dazu derzeit bei etwa 24.
  • Apple sitzt auf Barreserven von 137 Mrd. Dollar, Tendenz stark steigend. Die hohe Liquidität weckt schon lange Begehrlichkeiten, Großanleger fordern immer lauter, die Ausschüttung an die Aktionäre zu erhöhen. Im vergangenen Jahr gab es erstmals seit 1995 wieder eine Dividende, Apple-Chef Cook kündigte einen Aktienrückkauf von zehn Mrd. Dollar an. Doch Großaktionäre wie die Hedge-Fonds-Gesellschaft Greenlight Capital wollen noch mehr Geld sehen. Analysten glauben, dass Apple dem Druck nun nachgeben wird. Laut einer Bloomberg-Umfrage rechnen sie mit einer vierteljährlichen Ausschüttung von 4,14 Dollar je Aktie, das wäre ein Plus von 56 Prozent.
  • Selbst wenn Tim Cook sich zu einer größeren Dividendenzahlung überreden lässt, bleibt noch genug übrig, um auf eine Shopping-Tour zu gehen. In Branchenkreisen wird vor allem darauf gesetzt, dass sich Apple bei seiner Lieferkette umschauen wird, da sich der Konzern trotz der Milliarden auf der hohen Kante an der Übernahme von Konkurrenten wie Samsung oder HTC massiv verheben könnte. Kurzfristig würde ein Zukauf den Kurs sicher drücken, könnte aber mittel- bis langfristig die Profitabilität weiter erhöhen.
  • Das alles schlagende Argument der Befürworter der Aktie bleibt jedoch der alte Apple-Zaubertrick: den Markt wieder mit einem neuen Must-Have zu überraschen. Gelingt das dem Konzern in naher Zukunft wieder, sind alle Bedenken Makulatur.

Quelle: ntv.de